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Kolumne LomoMurphys Kaffeemaschine

Unser Kolumnist macht sich Gedanken darüber, was in der Küche alles schiefgehen kann. Und was das für Auswirkungen auf sein ganzes Leben hat.

Wenn bei der Zubereitung eines simplen Espresso alles schiefgeht, was schiefgehen kann, dann gehorcht die Kaffeemaschine Murphys Gesetz.
Wenn bei der Zubereitung eines simplen Espresso alles schiefgeht, was schiefgehen kann, dann gehorcht die Kaffeemaschine Murphys Gesetz.
Foto: Doris Fanconi

Es gibt «Murphys Gesetz», welches besagt: «Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.» Der Begriff geht zurück auf den Ingenieur Captain Edward A. Murphy, der bei einem komplizierten Raketenschlitten-Test der amerikanischen Airforce, bei dem man herausfinden wollte, welche Geschwindigkeiten der menschliche Körper aushält, miterleben musste, wie jemand sämtliche Testsensoren falsch angeschlossen hatte. Ganz nach dem Motto: wenn schon falsch, dann aber gleich richtig.

Ich selber hantiere zwar nicht mit einem Luftwaffengerät, dafür aber mehrmals pro Tag mit unserer Kaffeemaschine, und auch diese gehorcht dem Gesetz von Captain Murphy. Eigentlich will ich ja nur einen leckeren Espresso rauslassen, lasse dazu schon mal heisses Wasser in die Tasse laufen. Nachdem die Tasse heiss ist, giesse ich sie aus, stelle sie drunter und drücke den Mahlknopf. Da hör ich schon am aufjaulenden Mahlwerk, dass die Bohnen alle sind. Also abbrechen, Bohnen nachfüllen. Schnell, schnell, sonst ist ja die Tasse bereits wieder kalt geworden.

«Ich glaub, einen Raketenschlitten zu testen, ist einfacher als das, was ich hier vorhab.»

Johannes Binotto, «Landbote»-Kolumnist

Endlich fertig, Knopf drücken. Aber das geht nicht, weil jetzt nämlich die Anzeige blinkt, der Kaffeesatzbehälter müsse geleert werden. Also Schublade raus, in den Kompost kippen, auswaschen, reinschieben. Natürlich ist jetzt unterdessen die Tasse tatsächlich ganz erkaltet. Also noch mal heisses Wasser in die Tasse lassen, warm werden lassen, ausgiessen, unterstellen, Knopf drücken. Geht nicht. Denn jetzt blinkt die Anzeige, dass das Wasser alle sei. Eigentlich ja kein Wunder, wenn ich die ganze Zeit heisses Wasser rauslasse.

Ich fluche unterdessen so laut, dass auch meine Frau auf dem Balkon weiss, dass ich wohl mal wieder am Kaffeemachen bin. Sie ruft: «Könntest du mir bitte einen Cappuccino machen? Aber bitte mit Hafermilch.» Nur – wo ist die im Vorratsschrank? Und wo ist der Milchschäumer? Ich glaub, einen Raketenschlitten zu testen, ist einfacher als das, was ich hier vorhab. Am Schluss bring ich mir und meiner Gattin statt zwei Kaffees eine Flasche Whisky auf den Balkon. Zur Beruhigung der Nerven und weil die Flasche keine Anzeige hat, es müsse jetzt noch Entkalker eingefüllt werden. So macht die Maschine am Ende noch einen Alkoholiker aus mir. Auch das wäre Murphys Gesetz.