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Elektromobilität im AufwindMusks Modell für die Masse

Tesla will das Model Y ab 2021 zum Golf der Generation E machen. Die Chancen stehen gut, wie eine exklusive Probefahrt im ersten Fahrzeug auf europäischem Boden beweist.

Tesla will das Model Y ab 2021 zum Golf der Generation E machen. Der Elektro-SUV basiert auf dem Bestseller Model 3.
Tesla will das Model Y ab 2021 zum Golf der Generation E machen. Der Elektro-SUV basiert auf dem Bestseller Model 3.
Foto: Nextmove
1900 Liter Gepäck finden im Heck des Model Y Platz. Oder auf Wunsch auch eine dritte Sitzreihe.
1900 Liter Gepäck finden im Heck des Model Y Platz. Oder auf Wunsch auch eine dritte Sitzreihe.
Nextmove
Das spätere Basismodell soll 400 Kilometer rein elektrisch schaffen und um die 52 000 Franken kosten.
Das spätere Basismodell soll 400 Kilometer rein elektrisch schaffen und um die 52 000 Franken kosten.
Nextmove
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Porsche Taycan, VW ID.3 oder BMW iX4? Wenn man Stefan Moeller nach dem spannendsten Stromer der Saison fragt, dann kommt dem Nextmove-Chef ein ganz anderes Auto in den Sinn. Denn für den deutschen Lobbyisten und Leihwagen-Anbieter aus Leipzig gibt es aktuell kein wichtigeres E-Fahrzeug als das Tesla Model Y. Schliesslich will Elon Musk seine Firma damit zu Kampfpreisen ab mittelfristig um die 52’000 Franken wie VW zum Volumenhersteller machen und den Golf der Generation E bauen. Und Moeller muss es wissen. Immerhin hat er für seinen Youtube-Kanal im ersten Exemplar gesessen, das es nach Europa geschafft hat. Und weil es bis zum offiziellen Verkaufsstart und klassischen Testfahrten diesseits des Atlantiks noch ein gutes Jahr dauern dürfte, hat der Insider mal vorübergehend den Fahrersitz geräumt und der Redaktion so einen exklusiven ersten Eindruck ermöglicht.

Auf den ersten Blick wirkt das Model Y dabei vergleichsweise vertraut – schliesslich basiert es auf dem erfolgreichen Model 3 und teilt sich mit der Schräghecklimousine zwei Drittel der Komponenten. Das gilt für Antrieb und Akkus genauso wie für das Ambiente. Das Model Y wird es deshalb genau wie das Model 3 als Performance, Long Range und Standard gebenund hier wie dort blickt der Fahrer in ein Cockpit, das cleaner kaum sein könnte.

18 Zentimeter höher

Doch so vertraut einem auch die Form erscheint, ist das Format völlig neu: Mit rund 4,75 Metern ist das Model Y sechs Zentimeter länger als das Model 3, es ist sieben Zentimeter breiter und vor allem 18 Zentimeter höher. Auch wenn es nicht so bullig und rustikal auftritt wie die meisten anderen SUV und der kleine Karbonspoiler am Heck von Moellers Performance-Model der einzige Zierrat ist, bietet das Model Y spürbar mehr Platz für Kind und Kegel – und bequemer einsteigen sowie besser rausschauen kann man dank den paar Zentimetern mehr Bodenfreiheit und der entsprechend höheren Sitzposition natürlich auch.

Den Unterschied merkt man vor allem hinten: In der zweiten Reihe, weil es nun ausreichend Kopffreiheit gibt und man die dreigeteilte Lehne in der Neigung verstellen kann. Und im Kofferraum, weil die Klappe nun gross ist und bis ins Dach reicht und weil darunter bis zu 1900 Liter Gepäck passen, wenn man die Sitze flach legt. Aber so geräumig das Gepäckabteil jetzt auch sein mag, mag man sich die versprochene dritte Sitzreihe dort beim besten Willen nicht vorstellen.

Während Kind und Kegel den Tesla so von einer neuen Seite kennen lernen, fühlt sich der Fahrer fast wie im Model 3. Ja, selbst die Performance-Version des SUV, die aktuell mit einem Preis von 71’000 Franken geführt wird, ist mit ihren zwei Motoren nicht ganz so flott wie die Limousine. Doch mit einem Sprintwert von 3,7 Sekunden auf Tempo 100 und einem Spitzentempo von 241 km/h lässt der E-SUV sämtliche Stromer in diesem Segment und selbst die meisten Verbrenner lässig hinter sich.

Im Tesla nichts Neues: Das Cockpit des Model Y entspricht dem Cockpit des Model 3.
Im Tesla nichts Neues: Das Cockpit des Model Y entspricht dem Cockpit des Model 3.
Foto: Nextmove

Und wer stattdessen für 9000 Franken weniger den Long Range vorbestellt, muss zwar mit 1,4 Sekunden mehr für den Standardsprint und 24 km/h weniger Höchstgeschwindigkeit leben, kommt im WLTP-Zyklus aber 505 statt 480 Kilometer weit. Wie beim Model 3 dürfte es ein Jahr später auch eine Standard-Version geben – dann mit nur einem Motor an der Hinterachse, einem Spitzentempo um die 200 km/h und knappen 400 Kilometer Reichweite, mit dem der Preis auf 52’000 Franken und damit in die Nähe des VW-Konkurrenten ID.4 sinken dürfte.

Der Touchscreen als Zentrale

Dabei hat das Model Y nicht nur mehr Elan als die Konkurrenz, sondern auch das fahrerfreundlichere Set-up. Er mag weniger gediegen und souverän dahingleiten als etwa ein Audi E-Tron oder ein Mercedes-Benz EQC. Doch wo die meisten europäischen Elektriker vergleichsweise blutdrucksenkend abgestimmt sind, will der Tesla eher engagiert gefahren werden und dankt es einem mit einer Strassenlage, die trotz des hohen Schwerpunkts auch in engen Kurven nicht aus der Ruhe gerät. Da ist er dem Model 3 deutlich näher als dem Model X.

Aber der Fahrer hat auch alle Zeit, sich auf die Strasse zu konzentrieren. Denn bis auf die Fensterheber in den Türen, die zwei Bedienhebel hinter und die zwei Drehwalzen im Lenkrad gibt es im Tesla nichts, was ihn von der Fahrbahn ablenken würde. Alles, was es in diesem Auto zu bedienen gibt, macht man über den Touchscreen, der grösser ist als die meisten Tablet-Computer und zugleich als Fenster in eine umfassende Infotainment-Welt fungiert. Das sieht – für meinen Geschmack – klasse aus und funktioniert kinderleicht, geht aber manchmal ein wenig über das Ziel hinaus. Denn es gibt gute Gründe, weshalb man das Handschuhfach seit über 100 Jahren mit einem Griff öffnet, die Lüfter von Hand einstellt und die Aussenspiegel mit einem Schalter oder einem Hebel in der Tür justieren kann.

Model Y «Made in Germany»

Nur weil Tesla die Bedienelemente wegrationalisiert, sparen die Amerikaner aber nicht an Inhalten. Im Gegenteil: Auf dem Bildschirm läuft mehr Software als bei irgendeinem anderen Hersteller – selbst wenn die nicht immer mit Fahren zu tun hat und auch nicht unbedingt sinnvoll ist. Aber warum nicht mal ein digitales Kaminfeuer anzünden oder irgendeinen Gag programmieren? Vor allem, wenn das Fahren ein Autopilot erledigt, der dem Menschen im Auto mehr Müssiggang ermöglicht als bei der Konkurrenz.

Zwar kommt Tesla mit dem Model Y zumindest in Europa zum ersten Mal nach den etablierten Konkurrenten auf den Markt und muss den Siegeszug gegen Modelle wie den ID.4 von VW, den Q4 von Audi, den iX3 von BMW und den Enyaq von Skoda als Schlusslicht starten. Doch wenn man das grosse Ganze sieht und den Blick deshalb auf den Globus richtet, könnte das Model Y als ebenso elegantes wie einladendes SUV mit sauberem Antrieb und mehr als alltagstauglichen Fahrleistungen in der Ära der Akku-Autos tatsächlich dieselbe Rolle spielen, die heute der Golf in der alten Welt innehat. Dabei sind sich die ungleichen Kontrahenten sogar geografisch näher als man meint: Denn gebaut wird das Model Y nicht allein in Kalifornien und in China, sondern bald auch in der neuen Gigafactory vor den Toren Berlins – keine 150 Kilometer von Wolfsburg entfernt.

15 Kommentare
    Benedikt Weber

    Vergleichen wir dieses zukünftige Modell Y doch mal mit einem Hauptkonkurrenten dem Skoda Karoq: 52'000.- ist weit und breit kein Kampfpreis, für 40'000.- kriege ich z.B. einen neuen Skoda Karoq Sportline 190 PS 4x4 mit allem Drum und Dran inkl. Anhängerkupplung, das Einstiegsmodell eines Karoq gibts sogar für 25'000.-, also für die Hälfte. Zweite Bemerkung: Modell Y wiegt sage und schreibe 2000kg. Wiederum der Vergleich zum Karoq: der wiegt so 1500kg. Ob das so umweltfreundlich ist, 2000kg über die Strassen zu schieben? Dritte Bemerkung: Skoda bringt den Karoq (analog dem Superb) bald als Plug-in Hybrid. Der braucht dann noch so 3l pro 100km (siehe diverse Tests) und wird wohl ähnlich so viel kosten wie der Sportline. Also massiv weniger als der Tesla Modell Y. Nun soll mir einer noch erklären, warum man den Tesla Modell Y kaufen soll? Ein grosser Marketinghype à la Apple iPhone, für den überteuerten Preis gibts keine Rechtfertigung.