Rapperswil-Jona

Nach Delphinen verzichtet Knies Kinderzoo auch auf Seelöwen

Seit einem halben Jahrzehnt kritisiert der Schweizer Tierschutz die Seelöwen-Haltung in Knies Kinderzoo. Nun lässt die Direktion die Bewilligung auslaufen. Ob stattdessen andere Tiere gezeigt werden, ist noch unklar.

Eine Frage des Masses: Darbietungen sind nicht grundsätzlich schlecht für Seelöwen. Ideal sind Einsätze, die 10 bis 15 Minuten dauern.

Eine Frage des Masses: Darbietungen sind nicht grundsätzlich schlecht für Seelöwen. Ideal sind Einsätze, die 10 bis 15 Minuten dauern. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wildtiere zu halten, ist ein heikles Unterfangen. Dies zeigt ein Blick in die regelmässig erscheinenden Zooberichte des Schweizer Tierschutzes (STS). Insbesondere die Seelöwenhaltung kritisiert die Organisation seit rund fünf Jahren, und zwar schweizweit.

Knies Kinderzoo wird diese Kritik künftig nicht mehr treffen: Er stellt auf Ende 2019 die Arbeit mit der beliebten Robbenart ein. Begründen möchte die Zoo-Direktion ihren Entscheid nicht. Der Ersatzneubau für das heutige Otarium ist für 2020 geplant. Er soll multifunktional werden und vielfältige Events wie Konzerte, Bankette, Galadiners oder Workshops beherbergen. Zur Frage, ob die Seelöwen-Shows durch ande- re Tiervorführungen ersetzt werden, lässt sich Knies Kinderzoo nicht in die Karten blicken.

Anlage ist «beschränkt geeignet»

1997 lösten in Knies Kinderzoo die Seelöwen die Delphine ab, deren Haltung schweizweit scharf kritisiert worden war. Seit rund fünf Jahren steht auch die Haltung der bewegungsfreudigen und intelligenten Seelöwen in der Kritik (diese Zeitung berichtete). Samuel Furrer, Leiter Fachstelle Wildtiere beim STS, hält die heutige Anlage in Rapperswil von der Grösse und Struktur her lediglich für «beschränkt geeignet».

Neben baulichen Anforderungen an die Anlagen achtet der Kanton auch auf den Umgang mit den Tieren.

Hinsichtlich der gesetzlichen Bestimmungen sei die Anlage zwar in Ordnung; aus Sicht des Tierwohls müsse man aber sagen, dass die Seelöwen «nicht sehr gut gehalten» würden. Dennoch merkt Furrer an, dass Darbietungen mit Ring und Ball nicht grundsätzlich schlecht seien für die Tiere. Der Wildtier-Spezialist hat die Anlage in Rapperswil zuletzt 2017 besucht.

Regelmässige Kontrollen

Bereits in früheren Jahren hatte der STS festgehalten, dass die Struktur für die Tiere nicht ideal sei. So schrieb die Organisation im Zoobericht 2015, dass die Becken «viel zu klein, zu wenig tief und kaum strukturiert» seien. Zudem gebe es lediglich ein «winziges Salzwasserbecken», schrieb der STS. Fazit des Berichts: Auch wenn die Mindestvorschriften der Tierschutzverordnung übertroffen sind, seien die Becken viel zu eng. Der nächste Zoobericht erscheint in der Saison 2019/20.

Zuständig für die Bewilligung einer Arbeit mit Wildtieren ist das kantonale Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen. Ausgestellt werden Konzessionen für maximal zehn Jahre; eine Verlängerung bedingt eine Überprüfung der Strukturen vor Ort. «Die Wildtierhaltungen werden von uns regelmässig während der Laufzeit der Bewilligung kontrolliert», erklärt Amtsleiter und Kantonstierarzt Albert Fritsche.

Neben wesentlichen baulichen Anforderungen an Anlage, Gehege und Einrichtungen achte der Kanton auch auf «korrekten Umgang und Pflege der Tiere», sagt Albert Fritsche. Zudem würden jeweils die Anforderungen an die Aus- und Fortbildung des verantwortlichen Betreuers oder der Betreuerin überprüft. Wann dies im Falle von Knies Kinderzoo zuletzt geschehen ist, darf Fritsche nicht sagen. Er bezeichnet aber die Arbeit mit allen Institutionen im Kanton als konstruktiv. «Die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen ist in keiner der Anlagen ein Problem, im Gegenteil.» Alle seien bemüht, nach ihren Möglichkeiten immer auch in Verbesserungen der Tierhaltungen zu investieren und neuen Erkenntnissen der Wildtierhaltung in zoologischen Gärten Rechnung zu tragen, resümiert Fritsche.

Ruf nach Gesamtrenovation

Während der Schweizer Tierschutz die Seelöwenhaltung in Rapperswil kritisiert, beurteilt er die Haltung anderer Wildtiere in Knies Kinderzoo positiv. So lobt er beispielsweise die Anlagen der Giraffen, Zebras und Erdmännchen.

Ob er die Bewilligung aufgrund der Kritik auslaufen lässt, möchte Kinderzoo-Direktor Benjamin Sinniger nicht sagen. Wildtierspezialist Samuel Furrer glaubt, dass der Kinderzoo Rapperswil im Falle einer Weiterführung der Arbeit mit Seelöwen eine Gesamtrenovation der Anlage hätte vornehmen müssen. «Das heutige Otarium in Rapperswil ist bestimmt keine Vorzeige-Anlage.»

Erstellt: 08.01.2019, 10:28 Uhr

Drei Fragen an …

Samuel Furrer, Leiter Fachstelle Wildtiere Schweizer Tierschutz STS Basel

Sie bezeichnen die Haltung von Seelöwen grundsätzlich als «aufwendig». Können Sie das konkretisieren?
Eine Seelöwen-Anlage muss in erster Linie gross genug sein, damit sich die Tiere wohlfühlen. Rund 500 Quadratmeter sind auf jeden Fall nötig. Diese Fläche sollte zudem in verschiedene Bereiche unterteilt sein. Ausserdem ist Meerwasser wünschenswert, denn eine ausschliessliche Süsswasserhaltung ist schlecht für die Seelöwen.

Seelöwen gelten als intelligent und schwimmfreudig. Welche Elemente kommen diesen Charaktereigenschaften entgegen?
Neben Grösse und Wasserbeschaffenheit muss die Anlage zwingend anregende Strukturen aufweisen, denn Seelöwen brauchen täglich neue Herausforderungen. Ideal sind beispielsweise Fütterungsstationen, welche die Tiere immer wieder neu erkunden können. Dies entspricht den sehr beweglichen und intelligenten Seelöwen.

Schweizer Zoos haben bisher bei Seelöwen auf Darbietungen gesetzt. Wie gut sind solche Shows für die Tiere?
Darbietungen mit Ring und Ball sind nicht grundsätzlich schlecht für die Seelöwen. Wichtig ist jedoch das richtige Mass dieser Einsätze. Kurze Shows von 10 bis 15 Minuten sind ideal, denn diese neuen Reize fordern die quirligen Tiere. Wenn es nicht pure Show-Macherei ist, kann eine Darbietung für die Seelöwen bereichernd sein. (ep)

Artikel zum Thema

Kinderzoo plant neue Seelöwen-Anlage

Rapperswil-Jona Der Kinderzoo in Rapperswil-Jona steht vor einem nächsten grossen Bauprojekt. Im Ersatzneubau für das Otarium sollen künftig nicht nur Seelöwen-Shows zu sehen sein, sondern Events diverser Art stattfinden. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben