Nördlich Lägern

Nagra will zwei Kilometer tief bohren

Die Nagra ist in der dritten und letzten Etappe auf dem Weg zum Tiefenlager angelangt. Mit Sondierbohrungen soll der Untergrund in den verbliebenen Gebieten weiter erkundet werden. Diese Arbeiten würden rund um die Uhr laufen und könnten bis zu einem Jahr dauern.

Auf dem Gebiet Gländ in Eglisau will die Nagra Sondierbohrungen vornehmen, die bis zu 2000 Meter tief sind.

Auf dem Gebiet Gländ in Eglisau will die Nagra Sondierbohrungen vornehmen, die bis zu 2000 Meter tief sind. Bild: Leo Wyden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eigentlich kam Eglisau als Standort für ein Tiefenlager nicht mehr infrage, aus Sicherheitsgründen. Doch nun plant die Nagra so­genannte Sondierbohrungen im Städtli auf dem Gebiet Gländ. Gemeindepräsidentin Ursula Fehr sagt: «Der Gemeinderat hat die Anfrage der Nagra gutgeheissen, nachdem diese schon den Landbesitzer von ihrem Vor­haben überzeugen konnten.»

Fehr hinterfragt das Projekt aber auch: «Es dauert lange und kostet viel Geld, ein einziges Bohrloch 10 Millionen Franken.» Dennoch ist sie sich sicher, dass die Nagra bald in Eglisau bohren wird. «Nachdem der Entscheid von Regierungs­rat Markus Kägi und dem Ensi, diesen Standort nochmals unters Bohrloch zu nehmen, kaum von jemandem hinterfragt worden ist, bleibt wohl nichts ­anderes mehr übrig, als grünes Licht für das Vorhaben der Nagra zu geben.»

Drei von sechs Bohrplätzen bekannt

Die Sondierbohrungen fallen in die dritte und letzte Etappe der Nagra auf dem Weg zum Tiefen­lager. Sie dienen dazu, den Untergrund in den verbliebenen Ge­bieten weiter zu erkunden. Die Nagra benötigt diese vertieften Informationen über die Gesteinsschichten im Bereich der möglichen Lagerperimeter, um die geologische Situation im Hinblick auf alle im Standortgebiet möglichen Lagertypen zu charakterisieren.

Im Gebiet Nördlich Lägern entstehen insgesamt sechs Bohrplätze. Bisher bekannt: Eglisau (Gländ), Weiach (Rüteren) und Bülach (Herrenwis). Drei Standorte sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Die Nagra wird diese am 24. August bekannt geben und an diesem Tag die entsprechenden Gesuche einreichen.

Zwei verbreitete Bohrverfahren

Die geologischen Bohrungen erlauben der Nagra einen direkten Einblick in den Untergrund und dessen Aufbau. Dazu gibt es zwei verbreitete Verfahren: Bei Meisselbohrungen wird das Gestein unten im Bohrloch zerkleinert. Anhand einer Flüssigkeit, die durchs Bohrgestänge gepumpt wird, werden Gesteinsstücke (Bohrklein) an die Erdoberfläche gespült und untersucht.

Bei den aufwendigeren Kernbohrungen zermahlen Hohlkronen nur das Gestein am Rande des Bohrlochs. In der Mitte der Bohrkrone bleibt ein sogenannter Bohrkern stehen. Der Bohrkern wird gelöst und an die Erdoberfläche hochgezogen. Ergänzend dazu werden verschiedene Bohrlochmessungen, sogenannte Logs, sowie weitere hydro­geologische und felsmechanische Tests durchgeführt.

Bohrbeginn ist frühestens im Jahr 2019

Pro Gebiet werden voraussichtlich drei bis fünf Sondierbohrungen gemacht, die bis in eine Tiefe von maximal 2000 Metern reichen. Bis es aber wirklich so weit ist, könnte es noch ein bisschen dauern. Zuerst prüfen die Bundesbehörden die Gesuche in ­Zusammenarbeit mit den be­troffenen Kantonen. Mit den Bohrungen wird frühestens 2019 begonnen.

Die erforderlichen Plätze für die Sondierbohrungen werden mit einem Flächenbedarf von rund 40 Aren geplant. Dieser Platzbedarf umfasst alle Einrichtungen inklusive Parkplätzen, Lärmschutzeinrichtungen sowie Erd- und Aushubdepots.

Die Einrichtung des Bohrplatzes und der Aufbau der Bohr­-an­lage werden circa drei Monate ­beanspruchen. Der eigentliche Bohrbetrieb mit den entsprechenden Testarbeiten im Bohrloch kann von einigen Monaten bis zu einem Jahr dauern. Die Sondierbohrungen müssen24 Stunden pro Tag und sieben Tage pro Woche betrieben werden.

Während des Aufbaus und des Betriebs, abhängig vom notwendigen Aushub, ist mit einem kurzfristig erhöhten Verkehrsaufkommen von maximal 40 LKW-Fahrten am Tag zu rechnen. Während des normalen Betriebs des Bohrplatzes wird sich der Verkehr auf circa 25 LKW-Fahrten pro Woche reduzieren.

Zum Gebiet Nördlich Lägern gehören die Gemeinden Bachs, Bülach, Eglisau, Glattfelden, Hochfelden, Neerach, Niederweningen, Oberweningen, Schleinikon, Schöfflisdorf, Stadel und Weiach sowie die Aargauer Gemeinden Fisibach, Schneisingen und Siglistorf. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.08.2017, 09:07 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!