Freienstein-Teufen

Neue Bus-Linie auf dem Prüfstand

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember verkehrt zwischen Rorbas und Pfungen ein neuer Bus. Das Postauto mit der Nummer 529 stiess im Vorfeld auf Kritik. Der Betrieb verläuft bis jetzt unproblematisch, wie eine Testfahrt zeigte.

Die neue Linie 529 von Rorbas nach Pfungen ist gut in den Betrieb gestartet.
Video: Dennis Andrew Frasch / mcp

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Gelb leuchtend steht das Postauto 529 am Rande der Bushaltestelle Rorbas Bruggi an der Weiacherstrasse und wartet. Gelegentlich fährt ein Auto vorbei, der Bus jedoch ist leer. Auf der Wiese nebenan kauen mehrere Schafe auf dem Gras der Wiese herum während ihnen Graupelschauer das Fell nass macht. Pünktlich um 09:50 Uhr fährt das Postauto los. Von Rorbas bis Pfungen über Freienstein-Teufen und Dättlikon.

Rege Nutzung

Die Linie 529 wurde mit dem Fahrplanwechsel anfangs Dezember eingeführt und soll die Fahrtzeit nach Winterthur erheblich verkürzen. So müssen Reisende am Bahnhof Embrach/Rorbas nicht mehr 25 Minuten auf ihren Anschluss warten, sondern können direkt weiterreisen. Trotzdem ist die neue Verbindung im Vorfeld auf heftige Kritik gestossen. Landwirte wehrten sich anfänglich dagegen, dass das schmale Strässchen nach Dättlikon von Postautos befahren wird. Auch Bewohner von Freienstein-Teufen sogten sich um die Ruhe im Dorfkern. Das Postauto würde die verkehrsberuhigenden Massnahmen, die getroffen wurden, wieder zunichte machen.

«Allem was neu ist, begegnet man gerne mit einer Abwehrhaltung», sagt Matthias Räuftlin. Er ist seit dreissig Jahren Berufschauffeur und Kundenberater bei der Postauto AG und fährt den Bus an diesem Morgen durch die engen Strässchen von Freienstein und Dättlikon. Die ersten drei Stationen bleibt der Bus leer. Im Dorfkern von Rorbas werden die Strassen schmaler, ein übervorsichtiges Auto weicht zur Hälfte auf den Fussgängersteig aus, um dem Bus Platz zu machen. Wäre nicht unbedingt nötig gewesen. «Die Autofahrer sind sehr vorsichtig, wenn sie mich sehen. Ich glaube jedoch nicht, dass diese Strecke problematischer ist als andere.» Schlussendlich würde es darauf ankommen, wie vorsichtig und vorrausschauend man fahre.

Beim Dorfplatz in Rorbas steigen zum ersten Mal zwei junge Leute ein. Neben den Motorgeräuschen und der Lüftung des Busses sind jetzt auch noch die gedämpften Rhythmen von Reggeaton zu hören. Der 529er fährt weiter nach Freienstein. Die Gegner des Busses monierten, dass das Postauto auf der Dorfstrasse im Gemeindekern Schülern, Wanderern und dem landwirtschaftlichen Verkehr in die Quere komme. Von dem ist bei dieser Fahrt nichts zu spüren. Der Bus fährt am Gemeindehaus vorbei, ein kleines Mädchen und ihr Grossmami winken ihm hinterher. Bei der nächsten Station steigt wiederum ein Herr ein, der die Baseballmütze tief ins Gesicht gezogen hat. So leer wie an diesem Morgen sei der Bus allerdings nicht oft, sagt Räuftlin. «Zu Stosszeiten ist der Bus jedes Mal so voll, dass man fast nicht mehr einsteigen kann.»

Bereits 200 Anzeigen

Die PostAuto AG hat ähnliche Beobachtungen gemacht: «Die Linie 529 Rorbas-Pfungen ist erfolgreich in den Betrieb gestartet und wird bereits gut genutzt», sagt Ben Küchler, Mediensprecher von PostAuto. Die Nachfrage sei sehr erfreulich, die einzelnen Kurse seien bereits gut ausgelastet. Auch bei der Gemeinde Freienstein-Teufen sind keine Reklamationen mehr eingegangen. Der Bus sei sogar so beliebt, dass bereits über eine höhere Taktung gesprochen wird, sagt Marco Suter, Gemeindeschreiber von Freienstein.

Mittlerweile hat der Bus den Dorfkern von Freienstein verlassen und begibt sich auf das schmale Strässchen nach Dättlikon. Hier herrscht bereits seit langem ein allgemeines Fahrverbot für Motorfahrzeuge. Trotzdem wurde die Strasse, auf der ein Kreuzen aufgrund der geringen Spurbreite kaum möglich ist, oft als Schleichweg benutzt. Nun wurde eine Videoüberwachung installiert – eine Bedingung der Postauto AG zur Betriebsaufnahme der neuen Strecke. Laut der Gemeinde Freienstein wurden seit der Einführung der Kameras bereits über 200 Autofahrer verzeigt.

Heute kommt dem Bus niemandem entgegen. In Dättlikon steigen die letzten zwei Fahrgäste ein. Eine Anzeigetafel im Dorf zeigt den Autofahrern die Geschwindigkeit an. 24 Kilometer pro Stunde, das Smiley lacht. Kurze Zeit später kommt das Postauto heil am Bahnhof Pfungen an.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.01.2019, 23:14 Uhr

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