Embrach

Neues Haus für Märtplatz-Lernende

Bald können Jugendliche der Stiftung Märtplatz in einem Haus in Embrach das selbstständige Wohnen üben. Die Enthüllungen rund um Märtplatz-Gründer Jürg Jegge liessen die Spenden nicht versiegen.

Gestern Abend fand im Beisein von Behörden, Stiftungsräten und Spendern die Grundsteinlegung für das Projekt namens Wohnplatz statt. Die Auszubildende Céline Ulrich und Märtplatz-Leiter Kuno Stürzinger versenken bei der Grundsteinlegung eine Zeitkapsel.

Gestern Abend fand im Beisein von Behörden, Stiftungsräten und Spendern die Grundsteinlegung für das Projekt namens Wohnplatz statt. Die Auszubildende Céline Ulrich und Märtplatz-Leiter Kuno Stürzinger versenken bei der Grundsteinlegung eine Zeitkapsel. Bild: Leo Wyden

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Die Stiftung Märtplatz mit Haupt­sitz in Freienstein bildet gut 40 Jugendliche mit schwierigen Bedingungen in verschiedenen Berufen aus. Rund die Hälfte von ihnen nimmt zudem eine betreute Wohnform in Anspruch – bis anhin in Mietobjekten. Nun will der Märtplatz ein eigenes Wohnhaus in Embrach errichten. Gestern Abend fand im Beisein von Behörden, Stiftungsräten und Spendern die Grundstein­legung für das Projekt namens Wohnplatz statt.

«Mit einem eigenen Bau können wir noch spezifischer auf die Bedürfnisse unserer Bewohner eingehen», erklärt Märtplatz-Leiter Kuno Stürzinger. Zudem seien Mietwohnungen häufig zu gross und zu teuer. Neben einer Vierer- und einer Zweierwohn­gemeinschaft sollen die beiden Gebäude an der Zürcherstrasse acht kleine Einzimmerwohnungen bieten. «So können wir die Jugendlichen am besten vorbereiten, damit sie später in der ­Lage sind, selbstständig zu wohnen», sagt Stürzinger.

Spenden flossen reichlich

Die Planung für den Bau begann bereits vor rund zwei Jahren. Mit einem professionellen Fundraising kamen über 1,5 Millionen Franken zusammen, der grösste Teil von Stiftungen. An die Gesamtkosten von gut 5 Millionen Franken konnte die Stiftung Eigenmittel in der Höhe von 1 Million Franken beisteuern. Der Rest wird über Hypotheken finanziert.

Im Mai wurde das alte Gebäude an der Zürcherstrasse 41 abge­rissen. Die Nummer 39 soll renoviert werden. Das erworbene Areal würde Platz für weitere Bauten bieten. Zurzeit hat die Stiftung jedoch keine konkreten Pläne. Man behalte das Gelände in Reserve für allfällige spätere Projekte, sagt Stürzinger.

Zu einigen Monaten Verzögerung kam es, weil der Heimatschutz mit einer Einsprache drohte. Er forderte, dass der Giebel entlang der Strasse ausgerichtet wird, wie das bei den anderen Häusern an der Zürcherstrasse der Fall ist. Die Pläne mussten darauf überarbeitet werden. Mit der Fertigestellung rechnet man bis Herbst 2018. Auf Beginn des neuen Lehrjahrs dürfte es nicht ganz reichen.

Krise gut bewältigt

Die Stiftung sei insgesamt gut unterwegs und finanziell solid, sagt Stürzinger, der den Märzplatz seit sechs Jahren leitet. Eine Herausforderung sei die Inte­gration der Jugendlichen in den Arbeitsmarkt. Künftig will man noch engere Kontakte mit dem regionalen Gewerbe pflegen.

Auch die Turbulenzen rund um Märtplatz-Gründer Jürg Jegge habe man gut überstanden, sagt Stürzinger. Anfang April war publik geworden, dass sich der bekannte Pädagoge in den 70er-Jahren in seiner Tätigkeit als Lehrer an Jugendlichen sexuell vergangen hatte.

Die Stiftung Märtplatz distanzierte sich danach umgehend von Jegge. Sie entzog ihm das Amt als Ehrenpräsident und erteilte ihm Hausverbot. «Bei uns nahestehenden Personen und Institutionen ist dies gut angekommen», stellt Stürzinger fest. Zu einem Spendeneinbruch sei es nicht gekommen. In der eben verschickten Ausgabe der Organisationszeitschrift «Märtblatt» klären die Verantwortlichen über die Vorgänge auf und betonen nochmals ihre Betroffenheit.

Die Enthüllungen hätten Mitarbeitende und Lernende stark aufgewühlt, sagt Stürzinger. «Viele kannten Jegge persönlich. Die charismatische Persönlichkeit stattete seinem Lebenswerk sporadisch Besuche ab.» Man ­habe viele Gespräche geführt und stets unmittelbar informiert, sobald sich Neuigkeiten in der ­Sache ergaben.

Im Nachhinein sei man froh, dass man die Stiftung bereits 2011 professioneller organisiert habe: breiter abgestützt und ohne Einbindung des Gründers, betont Stürzinger. «Dass der Märzplatz nun ein eigenes Haus erhält, ist ein schönes Zeichen des Aufbruchs.» (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 23.06.2017, 11:32 Uhr

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