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Ein Baby zeugen, um ein krankes Kind zu retten?

Nationalrat?Das Parlament legt die Grenzen in der Fortpflanzungsmedizin neu fest. Es muss unter anderem entscheiden, wie weit die Medizin gehen darf, um kranken Kindern zu helfen. Der Ständerat ist zurückhaltend. Heute diskutiert der Nationalrat.

Je nachdem nennt man sie Retterbabys oder Designerbabys oder Spenderbabys. Es sind Kinder, die so gezeugt wurden, dass sie ihrem kranken Geschwister Blut- und Gewebestammzellen spenden können. Das hochemotionale Thema beschäftigt heute den Nationalrat, wenn er das Gesetz über die Fortpflanzungsmedizin diskutiert. Retterbabys sind das Resultat einer künstlichen Befruchtung. Dabei werden gezielt jene Embryonen für die Übertragung in die Gebärmutter ausgewählt, die immunologisch verträglich sind mit ihrem unheilbar kranken Geschwister. Die Präimplantationsdiagnostik (PID) macht diese Auswahl möglich. Nach der Geburt des Retterbabys können seiner Nabelschnur Stammzellen entnommen und dem kranken Bruder oder der kranken Schwester übertragen werden. In einigen Fällen reicht dies nicht aus, und es werden den Retterbabys operativ Stammzellen aus dem Knochenmark entnommen. In der Schweiz ist die PID und damit auch die gezielte Auswahl von Retterbabys derzeit verboten. In verschiedenen Ländern ist sie aber seit Jahren erlaubt. Deshalb gibt es Eltern, die aus der Schweiz ins Ausland reisten, um von der PID zu profitieren.

«Man öffnet Tür und Tor»

Der Nationalrat berät heute, ob das PID-Verbot aufgehoben werden soll. Der Ständerat und der Bundesrat wollen die PID zwar zulassen, aber nur für einen ganz bestimmten Zweck: um zu verhindern, dass ein Embryo mit einer schweren Erbkrankheit in die Gebärmutter übertragen wird. Dass die PID verwendet wird, um aus den im Reagenzglas gezeugten Embryonen einen «Retter» für das kranke Geschwister auszuwählen, wollen Ständerat und Bundesrat weiterhin verbieten. Zu gross sind ihre Befürchtungen, dass man damit das Leben eines Kindes instrumentalisiert, dass man Tür und Tor öffnet für weitere Anwendungen und dass das Verfahren die betroffene Familie psychisch zu stark belastet. Ausserdem wollen sie nicht akzeptieren, dass man bei diesem Vorgehen gesunde Embryonen vernichtet, nur weil sie nicht mit dem kranken Geschwister kompatibel sind.

«Eltern werden alles tun»

Die Mehrheit der vorberatenden Kommission empfiehlt dem Nationalrat, heute von der Linie des Bundes- und des Ständerates abzuweichen und Retterbabys zu ermöglichen. Für dasselbe hat kürzlich auch die Mehrheit der nationalen Ethikkommission plädiert. In ihrer Stellungnahme vom November 2013 verwies sie auf die Perspektive von Eltern: Eltern eines kranken Kindes würden alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um ihr Kind zu retten, und sich gar moralisch dazu verpflichtet fühlen. Das Argument, man instrumentalisiere ein Kind, müsse betroffenen Eltern abstrakt erscheinen, hält die Ethikkommission fest. Und zur Gefahr der Instrumentalisierung schreibt sie: In der Regel werde es so sein, dass das Kind auch um seiner selbst willen angenommen und geliebt werde, selbst wenn der Anlass für seine Zeugung die Krankheit seines älteren Geschwisters sei.

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