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Italiener-Witz war nicht rassistisch

Beim Comedyauftritt des Berner Stadtpräsidenten im Dezember 2013 lag keine Rassendiskriminierung vor. Das Berner Obergericht hat die Beschwerde gegen Alexander Tschäppät abgewiesen.

Keine Rassendiskriminierung, keine Ehrverletzung, kein gar nichts. Das Obergericht des Kantons Bern hat die Beschwerde gegen den Berner Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät (SP) abgewiesen. Gegen Tschäppät war nach seinem Auftritt im Comedy Club Das Zelt vom 12.Dezember 2013 Strafanzeige wegen Rassendiskriminierung, Ehrverletzung und Verletzung des Amtsgeheimnisses eingereicht worden.

Süditaliener, der chrampfet?

«Beim Tatbestand der Rassendiskriminierung fehlte es an der vorausgesetzten qualifizierten Herabsetzung einer Gruppe von Personen», heisst es in der Medienmitteilung des Berner Obergerichts. Ein Ehrverletzungsdelikt liege nicht vor, «weil die (Süd-)Italiener keine beleidigungsfähige Personengruppe sind», so das Obergericht. Eine Amtsgeheimnisverletzung sei ebenso nicht gegeben. Alexander Tschäppät zeigte sich gestern nicht überrascht. «Ich bin zufrieden, habe aber eigentlich nie daran gezweifelt, dass die Beschwerde abgewiesen wird.» Es sei klar, dass diese Form von Humor in einem Comedyauftritt Platz haben müsse. Dennoch habe ihn aber der «Shitstorm», der direkt nach der Klage auf ihn eingeprasselt sei, schwer getroffen. Tschäppät hatte bei seinem Comedyauftritt unter anderem Bezug auf den schweizerischen Fichenskandal genommen. Er zitierte aus einer Fiche, wonach ein eingebürgerter Neapolitaner besonders vielen Nebenbeschäftigungen nachgehen würde. Scherzhaft fragte Tschäppät das Publikum: «Jetzt sagen Sie mir ehrlich, ein Neapolitaner mit zu vielen Nebenbeschäftigungen... Können Sie sich das vorstellen? Ein Süditaliener, der zu viel chrampfet?» Im gleichen Auftritt machte sich Tschäppät unter anderem auch über die «langsamen» Berner lustig. Mit dem Obergericht hat bereits die zweite Instanz die Beschwerde gegen Tschäppät abgewiesen. Theoretisch kann der Beschwerdeführer – ein Anwalt aus Basel – seine Beschwerde bis ans Bundesgericht weiterziehen. Er war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Italiens Ehrengast

Auf diplomatischer Ebene blieb der Witz offenbar folgenlos. Alexander Tschäppät war nämlich am italienischen Nationalfeiertag in diesem Jahr Ehrengast in der italienischen Botschaft.

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