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«Jeder ging mit sich ins Gericht»

Nationalcoach Ottmar Hitzfeld zeigt sich zwischen Vorrunde und Achtelfinal zwar enttäuscht von den Kritiken nach der Niederlage gegen Frankreich. Er sieht darin aber keinen Einfluss auf seine Mannschaft.

Knapper Sieg, klare Niederlage, klarer Sieg – das war der Weg, den Hitzfeld mit den Schweizern durch die Vorrunde in den Achtelfinal gegen Argentinien ging. Es war vielleicht ein etwas grösseres Auf und Ab als erwartet, am Ende aber wurde das anvisierte Ziel erreicht – «und nun steht uns ein grossartiges Spiel gegen Argentinien bevor», wie der Trainer sagt. Er spricht auch davon, wie er und die Mannschaft den nicht einfachen Weg durch die Vorrunde gingen und wie sie auf die Kritiken nach dem Match gegen die Franzosen reagierten. Gestern gönnte Hitzfeld seiner Mannschaft einen freien Freitag. Heute beginnt auf dem Trainingsplatz die konkrete Vorbereitung des Achtelfinals, am Sonntagnachmittag fliegt die Schweizer Delegation nach drei Wochen in Porto Seguro nach São Paulo – und am Mittwoch entweder weiter zum Viertelfinal nach Brasilia oder nach Hause. Ottmar Hitzfeld, welchen Platz in der Erfolgsgeschichte Ihrer Karriere hat dieser Achtelfinal mit der Schweiz? Ich bin kein Freund von Hitlisten in derartigen Zusammenhängen. Für mich ist die Qualifikation für die Achtelfinals an der WM-Endrunde 2014 einfach ein sehr schöner, ein weiterer Erfolg. Aber ich möchte ihn nicht gegen andere abwägen oder gar werten. Was war die grösste Schwierigkeit, die Sie in den letzten Tagen zu meistern hatten – zwischen 2:5 gegen Frankreich und 3:0 gegen Honduras? Es war ziemlich anspruchsvoll für uns alle, dass wir uns nicht von den zahlreichen und teilweise massiven äusseren Einflüssen aus dem Konzept bringen liessen. Die Mannschaft zeigte sofort eine tolle Reaktion. Niemand suchte nach Ausreden oder Fehlern bei anderen. Jeder ging mit sich ins Gericht, alle waren selbstkritisch, niemand versteckte sich, sondern zeigte schon im ersten Training danach einen unbedingten Willen, dieser Niederlage gegen Frankreich einen Sieg gegen Honduras folgen zu lassen. Hat Sie überrascht, wie massiv teilweise die Kritiken auf die Niederlage gegen die Franzosen ausfiel? Die Vehemenz der Kritik war eher enttäuschend als überraschend, aber sie spielte im Wesentlichen überhaupt keine Rolle für mich oder fürs Team. So ein Spiel wie Schweiz – Frankreich kann es im Fussball immer geben, selbst an einer WM. Das haben andere Nationen auch erlebt. Die eine Mannschaft begeht Fehler, gerät früh in Rückstand, die andere doppelt nach und spürt, dass an diesem Tag alles gelingen kann. Was in den meisten Medien unterging, war, dass wir den Anschlusstreffer erzielten und folglich gut reagierten. Aber dieser wurde vom Schiedsrichter nicht gegeben, dafür fiel kurz vor der Pause noch das 0:3. Trotzdem gelangen uns noch zwei Tore, die Mannschaft gab sich nie auf. Jetzt geht es also gegen Argentinien. Waren Sie als Trainer schon mal erfolgreich aus seiner solchen Aussenseiterposition, wie sie die Schweiz am Dienstag einnimmt – ausgenommen natürlich das Spiel gegen Spanien vor vier Jahren? Ich habe gelernt, dass es wenig bringt, gewisse Si­tua­tio­nen miteinander zu vergleichen und gegeneinander abzuwägen. Jede Si­tua­tion ist für sich speziell, jede hat ihre Besonderheiten, die Umständen, Zeiten und anderen Faktoren geschuldet sind. Was sind für Sie die wichtigsten Aspekte dieser WM? Ich habe nie verhehlt, dass ich die südamerikanischen Teams an einer WM auf dem südamerikanischen Kontinent im Vorteil sehe ge­gen­über europäischen Teams. Und das meine ich nicht bloss in Bezug auf klimatische, sondern auch auf emotionale Aspekte. hjs

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