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1:0 statt 6:0

Der FCW siegte gegen den FC Chiasso viel zu knapp. Aber seine Leistung war auch im zweiten Heimspiel unter Jürgen Seeberger erfreulich.

Als Erstes muss man der Berichterstattung von diesem Match wohl eine Definition des Begriffs «klare» oder gar, wie es der Jargon gerne nennt, «hundertprozentige» Torchance voranstellen. Dann würde man wohl sagen, es habe eine Chance dieser Art, wer frontal vor dem Tor, nur noch den Goalie vor sich zum Abschluss ansetzen könne – aus höchstens fünf Metern per Kopf, aus höchstens zwölf mit dem Fuss. Diese – durchaus strenge – Definition war an diesem Samstagnachmittag auf der Schützenwiese neunmal erfüllt, stets für den FCW. Viermal, ein erstes Mal schon nach fünf Minuten, stand Amin Tighazoui alleine vor An­drea Guatelli. Zuerst schoss er drüber, dreimal wehrte Guatelli ausgezeichnet ab, einmal mithilfe der Latte. Einmal, nach 18 Minuten, konnte Patrick Bengondo aus fünf Metern aufs leere Tor köpfeln – und traf darüber. Immerhin mit viel Wucht. João Paiva – die Ausnahme Viermal, das erste Mal schon nach zehn Minuten, bot sich João Paiva eine Chance dieser Qualität. Beim vierten Versuch, in der 67. Minute, landete der Ball wieder an der Latte. Aber João Paiva machte eben doch die spielentscheidende Ausnahme, in jener Szene nach 23 Minuten, als der Ball doch nicht anders konnte, als im Tor zu landen: Tighazoui hatte Bengondo mit präzisem Pass auf der rechten Seite eingesetzt. «Bengo» setzte sich in der stärksten seiner vielen starken Szenen souverän gegen einen Verteidiger durch, passte den Ball von der Grundlinie scharf an Guatelli vorbei auf den Fuss João Paivas – und der konnte aus zwei, drei Metern das Tor nun wirklich nicht mehr verfehlen. «Bengo, Bengo, spiel, spiel» In dieser Aufzählung kommen zwei Szenen nicht vor, die ebenfalls Erwähnung verdienen. Gar ins Kuriositätenkabinett gehörte diese nach knapp einer Stunde: Guatelli griff sich den Ball nach einem Corner. Wohl im Glauben, der Schiedsrichter habe gepfiffen, legte er – auf der Fünferlinie – den Ball auf den Boden; einen Meter neben Bengondo. Der erfasste die Si­tua­tion zwar sofort, getraute sich aber nicht, den Ball einfach ins Tor zu schlagen. «Ich habe keinen Pfiff gehört», sagt Bengondo, «aber ich war mir nicht sicher. Und weil ich schon verwarnt war, wollte ich das Risiko nicht eingehen, vom Platz gestellt zu werden.» Dabei habe ihm João Paiva noch «gerufen, Bengo, Bengo, spiel, spiel …» Erst als Bengondo sah, dass der Schiedsrichter winkend signalisierte, man solle weiterspielen, wollte Bengondo zum Schuss ansetzen. Aber da hatte auch Guatelli die Gefahr erfasst und sich den Ball gerade noch rechtzeitig gegriffen. Bengondo aber griff sich noch mehr als einmal an den Kopf … Erwähnenswert ist auch der Beitrag, den der Österreicher Marco Köfler in seinen ersten Minuten für den FCW leistete: Kaum auf dem Platz, lief er entschlossen über die linke Flanke, passte präzis und flach auf Tighazoui zurück – und der scheiterte ein letztes Mal an Guatelli. Wenig später legte Bengondo den Ball in den Lauf Köflers, dessen Schuss dann aber am Tor vorbeiflog. Weil der Winkel in diesem Fall nicht ganz ideal war, durfte man diese Chance auch nicht den hundertprozentigen zurechnen. Aber 90 Prozent waren es mindestens … Die Effizienz im Abschluss war also ungenügend, statt 1:0 hätte der FCW bei auch nur durchschnittlicher Chancenauswertung 5:0 oder 6:0 gewonnen. Beim 4:0 vor zwei Wochen gegen den FC Wil hatten die Winterthurer klar weniger Möglichkeiten. Weil sie also in dieser Beziehung patzten und der gegnerische Torhüter neben Glück auch sehr gute Tagesform mitbrachte, blieb der Ausgang des Spiels bis zum Schluss ungewiss. Es war einfach so, dass eine Szene, ein Aussetzer beispielsweise, gereicht hätte, den Spielverlauf auf den Kopf zu stellen. Man hat derlei oft gesehen. Aber nach 94 Minuten konnte man guten Gewissens sagen, diese Gefahr sei nur virtuell gewesen. Denn die Tessiner kamen zu keiner Torchance. Die einzige Gefahr, die sie je erzeugten, war ein Schuss Alberto Regazzonis kurz vor der Pause. Torhüter Matthias Minder lenkte den Ball zur Ecke. Es gab hinterher auch keinen Tessiner, der die Berechtigung des FCW-Sieges anzweifelte. Für Gianluca Zambrotta war es, im vierten Anlauf, die erste Niederlage gegen Winterthur, die erste überhaupt in dieser Saison. Aber seine Mannschaft war offensiv zu wenig fähig, und defensiv wurde sie teilweise hoffnungslos überfordert. Allerdings hatte man erwartet, der FC Chiasso versuche, ein Bollwerk hinzustellen. Dar­auf verzichtete er. Kuzmanovic und Vaduz Es war dann wie schon gegen Wil so, dass der FCW seinen Zuschauern mit hoher Laufbereitschaft und bemerkenswerter Passgenauigkeit und Kultur im Spiel nach vorne gefiel. Es passten Bengondo und João Paiva wieder zusammen. Alle sechs Saisontore wurden vom einen oder andern erzielt, in vier Fällen war der eine oder der andere auch an der Vorbereitung beteiligt. Bengondo profitiert besonders, er spielte so gut wie schon seit langem nicht mehr. Kommt Tighazoui hinzu, der an diesem Tag mehr als ein Tor hätte erzielen müssen. Er sieht manchmal den Nebenmann zu wenig, und dennoch ist er mit seiner Schnelligkeit und Dribbelfertigkeit sehr oft eine Gefahr für den Gegner. Die Abwehr war wieder diszipliniert, leistete sich wenige Fehler, auch mit Rückkehrer Stefan Iten im Zen­trum oder mit Manuel Akanji als Stellvertreter des angeschlagenen Rechtsverteidigers Paulo Menezes in der zweiten Halbzeit. Patrik Schuler und Antonio Marchesano waren eine gute «Doppelsechs». Der Trainer hatte also wenig zu kritisieren. Natürlich die Mängel im Abschluss, dazu die Qualität der Standardsi­tua­tio­nen. Vor allem die Freistösse waren selten gut getreten. Früher schlug die oft Kris Kuzmanovic. Der gehört seit zehn Tagen nicht mehr zum Kader – und wird auch nicht zurückkehren. So, wie es aussieht, ist es nur eine Frage von Tagen, bis sein Transfer zum FC Vaduz gemeldet wird. hjs

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