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150 Jahre alt und immer noch aktuell

Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums blickte der Kaufmännische Verband Winterthur zurück: Der Fokus lag zwar immer auf der Bildung, doch übernahm der Verein auch gewerkschaftliche Aufgaben und sieht sich heute zusätzlich als Dienstleistungsanbieter.

Der kaufmännische Angestellte ist ein kleinkarierter Bürolist. Dieses Image hat Komödiantin Elke Schneebeli-Schranz an der Feier zum 150. Geburtstag des Kaufmännischen Verbands (KV) Winterthur zumindest teilweise widerlegt. Während des Apéros in der Alten Kaserne schlüpfte sie in die Rolle einer «10 vor 10»-Reporterin und knöpfte sich einige Gäste vor.

Dabei kamen pikante Details ans Tageslicht wie etwa die Vorliebe von Schulratsmitglied Hans-Jürg Schilling für Batik-Krawatten. KV-Mitglied und Stadträtin Yvonne Beutler (SP) musste zugeben, die Generalversammlung im Vorfeld der Feier geschwänzt zu haben. Beutler weigerte sich aber, einen ABBA-Song vorzusingen: Schliesslich wolle sie wiedergewählt werden.

Zeiten grosser Veränderungen

Die KV-Mitglieder liessen sich mit Gelassenheit hochnehmen und als die «10 vor 10»-Parodie im gut gefüllten Saal vorgeführt wurde, bogen sich die Gäste vor Lachen. Auch wenn die Kaufmänner und Kauffrauen Bürolisten sind: Ihr Sinn für Humor stellte an diesem Donnerstagabend ihre angebliche Engstirnigkeit bei Weitem in den Schatten.

«Den kaufmännischen Beruf gibt es seit dem Mittelalter», sagte Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) in seiner Grussbotschaft. Durch die Industrialisierung habe der Berufsstand einen enormen Wachstumsschub erfahren. So ist es kein Zufall, dass die Gründung des Winterthurer «Vereins junger Kaufleute» am 11. November 1863 in eine Zeit fiel, in der sich die Schweiz im Wandel vom Agrarstaat zu einem Land der Industrie und des Handels befand.

Die zwanzig Gründerväter verfolgten das Ziel, die Kaufleute untereinander zu vernetzen und Ausbildungen anzubieten. Bereits nach ein paar Jahren vertrat der Verein die Interessen der Kaufleute aber auch auf politischer Ebene: «1927 hatte man noch Arbeitszeiten von neun drei viertel Stunden und nur 3 bis 14 Tage Ferien pro Jahr», sagte Yvonne Beutler in ihrer Rede. «Unter solchen Umständen müssen heute in Winterthur glücklicherweise nur noch Stadträtinnen und Stadträte arbeiten», so Beutler. Bis zum arbeitsfreien Samstag, der 40-Stunden-Woche, geregelten Ferien, einer Unfall- und Krankenversicherung sowie einer Altersvorsorge für alle sei es ein steiniger Weg gewesen. Die Kaufmännischen Vereine hätten die Interessen der Arbeitnehmer «beharrlich, aber nicht penetrant» vertreten.

Erfolgreiche Pionierarbeit

«Das Schwergewicht lag seit jeher auf der Bildung», sagte Peter Fischer, Präsident des 2002 in «Kaufmännischer Verband Winterthur» umbenannten Vereins. Und auf diesem Gebiet wurde Pionierarbeit geleistet: 1895 führte der Verband erstmals Lehrabschlussprüfungen durch. Vier Jahre später gab es etwa 200 Schüler und 1911 nahm die Schule die erste weibliche Lernende auf. Heutzutage sind am KV jährlich etwa 1000 Personen in der Grundausbildung und 700 in der Weiterbildung.

«Der Kaufmännische Verband hat die Grundausbildung so stark geprägt, dass bis heute alle nur vom KV sprechen», sagte Nationalrat Daniel Jositsch (SP) in seiner Grussbotschaft. Gemäss dem Präsidenten des KV Schweiz ist dies aber auch ein Nachteil: Neben der Grundausbildung biete der KV auch vielfältige Dienstleistungen – von der Weiterbildung bis zur persön- lichen Beratung – an. Der KV Winterthur mache dies bestens, sagte Jositsch. Dar­über sei er sehr froh: «Wir vom Gesamtverband sitzen eigentlich auf der Trainerbank, das Spiel macht jedoch der Sektionsverband auf dem Platz.»

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