Zum Hauptinhalt springen

«40 Kartonschachteln Noten aus bald 150 Jahren Oratorienchor»

Was Rosa Gysi (66) auf der Konzertbühne erlebte.

Ich freue mich seit Wochen auf das Konzert vom Samstag. Dann führen wir mit dem Oratorienchor Winterthur und dem Musikkollegium ‹A Child of Our Time› auf, ein Oratorium des englischen Komponisten Michael Tippett, das er in den Jahren 1939 bis 1941 komponiert hat. Dafür haben wir seit Monaten geprobt. Unser Chor besteht aus rund 90 Sängerinnen und Sängern aller Stimmlagen. Dass wir auf ­hohem Niveau singen, haben wir unserem musikalischen Leiter Beat Fritschi zu verdanken. Er führt mit uns regelmässig eine gezielte Stimmbildung durch. Unser Repertoire umfasst das ganze Spektrum von der alten Musik in historischer Interpretation bis hin zu zeitgenössischen Chorwerken. Meist arbeiten wir mit Orchestern und Gesangssolistinnen und -solisten zusammen und führen zweimal pro Jahr ein Konzert auf. Ich singe seit vielen Jahren im Chor mit. Daneben spiele ich Bratsche im Kirchenorchester Oberwinterthur. Und dann gibt es noch unser Frauenchränzli, wo wir auf der Blockflöte musizieren. Die Musik und der Gesang haben in meinem Leben schon immer eine grosse Rolle gespielt. Schon mein Vater hat im Gemischten Chor Winterthur gesungen, aus dem später der Oratorienchor entstanden ist. Als Kinder haben wir ihn damals bewundert, wenn er hoch auf der Kirchenempore unter den Orgelpfeifen mit seinem Chor aufgetreten ist. Ich bin übrigens nicht die Einzige aus meiner grossen Familie, die im Oratorienchor mitsingt. Neben mir machen noch zwei Brüder und eine Nichte mit. Unser Chor ist heute ein fester Bestandteil des traditionsreichen Winterthurer Kulturlebens. Dabei stehen nicht nur die grossen und bekannten Komponisten der alten Musik im Vordergrund. Wir führen auch neue und zeitgenössische Werke auf und wollen damit unser Publikum begeistern. Zu Hause in meiner Wohnung bewahre ich zahlreiche Noten aus der bald 150-jährigen Geschichte des Chors auf, die momentan in 40 Kartonschachteln Platz gefunden haben. Beim grössten Teil handelt es sich um unsere Gebrauchsbibliothek, also um aktuelle Noten für Konzertaufführungen. Unter dem Rest hat es etliche nicht mehr benutzbare, teils uralte, rare und interessante Exemplare. Mein Ziel ist, dass diese auch künftig sorgsam aufgehoben werden. Seit ich pensioniert bin, gehe ich den Alltag ruhiger an. Ich habe ursprünglich Krankenschwester gelernt und war dann viele Jahre Stationsleiterin im Spital Wetzikon. Später war ich für die Spitex-Leitung in Neftenbach-Pfungen verantwortlich. Ich bin eine Urwinterthurerin und in einer grossen Familie zusammen mit fünf Brüdern in Veltheim aufgewachsen. Seit meiner Pension habe ich mehr Zeit für meinen Garten und meine Kakteensammlung. Besondere Freude habe ich an meiner ‹Königin der Nacht›. Jetzt freue ich mich aber vor allem auf das Konzert vom Samstag. Wir hoffen, dass möglichst viel Publikum kommt. Dann erhalten wir den verdienten Lohn für unser monatelanges Proben. Dass wir zusammen mit versierten Gesangssolistinnen und -solisten und dem Musikkollegium Winterthur auftreten dürfen, ist eine besondere Herausforderung und macht uns natürlich stolz. Der Oratorienchor führt «A Child of Our Time» zusammen mit ­Solisten und dem Musikkollegium am Samstag, 13. Dezember, um 19.30 Uhr im Stadthaus auf. Die Leitung hat Beat Fritschi.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch