Auf dem Golfplatz lebt es sich teuer

In Rossberg entstehen zurzeit vier umstrittene Mehrfamilienhäuser. Trotz der idyllischen Lage: Wohnen auf dem Golfplatz ist nicht jedermanns Sache und hat seinen Preis.

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Am 1. Oktober sollen die vier Mehr­familienhäuser auf dem Golfplatz Kyburg im Weiler Rossberg bezugsbereit sein – nach sieben Jahren Planung und einem rechtlichen Hickhack.

Kurz nachdem der Bauherr Daniel Weber von der Golf Kyburg AG das Baugesuch eingereicht hatte, hagelte es Einsprachen. Unter anderem kritisierten die Gegner, insbesondere die Umweltverbände, dass der geltende Gestaltungsplan für den Golfplatz im Weiler Rossberg nur ausnahmsweise den Bau eines Klubhauses erlaube. Dies sei mit dem Bau des Klubhauses im Jahr 2004 schon erfüllt worden, folglich seien keine weiteren Neubauten zu erlauben gewesen. Der Zürcher Heimatschutz zog seinen Rekurs gar bis vor Bundesgericht – blieb aber erfolglos. Die vier Wohnhäuser auf dem Golfplatz durften gebaut werden.

Die Verzögerungen hätten ihn vor allem Ener­gie­ gekostet, die er lieber in das Projekt als in den Rechtsstreit ­investiert hätte, sagt Daniel Weber. «Wir hatten im Vorfeld zwar mit Einsprachen gerechnet; dass es so lange dauern würde, war aber nicht vorherzusehen.» Er habe sich mit der Si­tua­tion arrangiert: «Ich konnte sie ja nicht ändern.» Eine detaillierte Auflistung der entstandenen Mehrkosten hat Weber nicht erstellt. «Das würde mich nur sauer machen», flachst er.

Noch nicht alles vermietet

Der erwähnte Gestaltungsplan sieht vor, dass das bäuerliche Erscheinungsbild des Weilers gewahrt würde. Der Erhalt des charakteristischen Gesamtbildes sei auch ihm ein grosses Anliegen gewesen, beteuert Weber. «Wir hätten auch ohne Auflagen nicht anders gebaut. So wie die Häuser jetzt gebaut sind, werten sie das Rossberger Ortsbild auf.»

Wer sich fürs Wohnen im «Resort Kyburg» entscheidet, sucht den Reiz einer ungewöhnlichen Wohnlage. Der Weiler ist nicht ans Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen und wird es gemäss dem städtischen Bausekretär Fridolin Störi auch künftig nicht werden. Ausserdem frequentieren zwischen Frühling und Herbst täglich Dutzende Golfspieler das Areal. Der Golfplatz und die Überbauung würden unabhängig voneinander geführt, sagt Weber. «Die Anwohner werden durch den Spielbetrieb nicht beeinträchtigt, können im Gegenzug aber von der Infrastruktur profitieren.» Das Vereinshaus des Golfklubs verfügt über ein öffentliches Restaurant sowie eine Lounge. Die potenziellen Mieter seien eher gut verdienende Einzelpersonen und kinderlose Paare. «Aber keine Golfer», beschreibt Weber seine Zielgruppe. «Diese Kreise schätzen es, wenn sie Möglichkeiten zum Essen in der Nähe wissen.»

In den vier Mehrfamilienhäusern werden Zweieinhalb- bis Viereinhalb-Zimmer-Wohnungen angeboten. Die Mietzinse bewegen sich mit rund 1800 bis 3400 Franken «zwar im höheren Bereich, aber nicht im Hochpreissektor», wie Weber betont. Der Standard der Wohnungen rechtfertige einen ­gewissen Preis. So handle es sich bei allen Häusern um sogenannte Miner­gie-P-zertifizierte Passivhäuser, dem Baukonzept, das höchste Ener­gie­effizienz vorsieht.

Bisher sind erst 6 der insgesamt 22 Wohnungen vermietet. Ist das nicht zu wenig für ein solches Projekt? «Nein», erwidert der Bauherr. «Die Ver­mietung der Wohnungen verläuft planmässig. Wir hatten kurz nach der Ausschreibung der Wohnungen im Herbst viele Anfragen, und wir erwarten im Frühjahr noch einmal eine Zunahme der Anfragen von Interessenten, wenn der Bezugstermin absehbar wird.» Ein solcher Prozess sei bei Mietobjekten üblich.

Zweifel noch nicht ausgeräumt

Für die einstigen Rekurrenten ist das Thema noch nicht vollständig vom Tisch. «Wir mussten den Entscheid des Bundesgerichts akzeptieren. Es gibt aber auf dem Areal des Golf-Resorts nach wie vor Mängel und Infra­struktur, die nicht dem Gestaltungsplan entspricht», sagt Andri Bry- ner vom Umweltverband AquaViva-Rhein­aubund. Er habe ausserdem die Befürchtung, dass der Weiler immer mehr privatisiert werde. «Unser Ziel ist es, dass der Platz möglichst ökologisch unterhalten wird. Da lohnt es sich manchmal, den Betreibern ein ­wenig auf die Finger zu schauen.»

Erstellt: 18.01.2013, 00:00 Uhr

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