Ein Brummer auf Samtpfoten

Ausschlafen wird in Winterthur einfacher: Die Stadt hat den leisesten Kehrichtsammelwagen der Schweiz gekauft. Er wird mit Strom betrieben, tankt aber trotzdem Diesel.

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Wer das Glück hat, unter der Woche hin- und wieder einmal ausschlafen zu dürfen, dem konnte es bis anhin passieren, dass er unsanft geweckt wurde: Heult vor dem offenen Fenster der Motor des Kehrichtsammelautos auf, so ists vorbei mit Träumen. Das ändert sich jetzt. Winterthurer Langschläfer dürfen sich freuen, seit dieser Woche kurvt das leiseste Kehrichtsammelauto der Schweiz durch die Stadt. Der Entsorgungsdienst hat vor Kurzem den ersten Hybrid-Sammelwagen in Betrieb genommen. Gestern fuhr er durch die Altstadt. Ein Hörtest beweist, das Fahrzeug ist kaum lauter als die Elektrotöffs der Pöstler. Selbst das Heben der Container, bei dem der Motor bei gängigen Fahrzeugen besonders laut wird, geschieht nun, elektrizitätsbetrieben, fast lautlos.  Allerdings kommt der Mercedes-Lastwagen nicht ohne Diesel aus. Den Strom liefert ein Dieselgenerator, der im Aufbau hinter der Fahrerkabine versteckt ist. Er speist sogenannte «SuperCaps», das sind Kondensatoren, die die elektrische Ener­gie­ für kurze Zeit speichern und zügig wieder abgeben können. Die Ener­gie­ wird zum Beschleunigen benötigt und sie fliesst in die Hy­draulik-Pumpe, mit der die Container geleert werden. Zum Zurücklegen längerer Distanzen steht auch ein gewöhnlicher Dieselmotor zur Verfügung.  Ein Drittel weniger Treibstoff  Der elektrische Antrieb sei für ein Kehrichtsammelauto, das beim Sammeln oft anhält und wieder beschleunigt, besonders geeignet, sagt Jürg Stünzi, Leiter der Entsorgung. «Der Elektromotor arbeitet in diesem Stop-and-Go effizienter als der Dieselmotor.» Es lasse sich im Vergleich zu herkömmlichen Dieselfahrzeugen rund 30 Prozent des Treibstoffs einsparen, und dies, obwohl der gesamte Strom aus dem Dieselaggregat stammt und das Fahrzeug nie via Steckdose «aufgetankt» wird. «Ein herkömmlicher Lastwagen verbraucht beim Sammeln rund 100 Liter Diesel auf 100 Kilometer», sagt Stünzi, «mit dem Neuen sind es zwischen 60 und 70.» Das Hy­bridfahrzeug ist sparsamer, weil der Dieselgenerator regelmässig läuft und keine Leistungssprünge machen muss. Wird viel Ener­gie­ benötigt, etwa beim Anfahren oder Anheben der Last, so kommt diese aus den Kondensatoren. Zudem nutzt das Fahrzeug die Ener­gie­, die beim Bremsen freigesetzt wird.  Gekostet hat der Wagen 530 000 Franken, das sind rund 15 Prozent mehr, als man für einen konventionell betriebenen Wagen vor einem Jahr zahlte. «Mit der Anschaffung dieses Autos leisten wir auch Pionierarbeit», sagt Stünzi. «Und wir setzen darauf, dass wir bedeutend Treibstoff sparen können.» Neben diesem Vorteil hat der neue Wagen aber womöglich auch einen Nachteil: Es besteht die Gefahr, ungewollt den Tag zu verschlafen. 

Erstellt: 05.07.2013, 00:00 Uhr

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