Landluft

Frisches von der Gemüsefront

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«Es gärt unter Zürcher Gemüsebauern», vermeldete der «Landbote» vor zwei Wochen. Grund waren nicht die steigenden Temperaturen, sondern der Streit um die Swissness der Anbauflächen ennet der Grenze. Nicht überall, wo «Suisse Garantie» draufstehe, sei auch Schweizer Qualität drin, argwöhnte ein Produzent aus Gütighausen. Denn sogar Früchte von deutschem Boden, die mit deutschem Wasser genährt wurden, dürfen dem Schweizer Verbraucher als Landsleute vorgestellt werden.

Der eigentliche Skandal besteht darin, dass ausländisches Gemüse klammheimlich, ohne jede Sprach- und Landeskenntnisse, eingebürgert wird. Von Integrationsbemühungen keine Spur. Egal, schenken wir den Salat­köpfen, Karotten und Tomaten doch einfach die Schweizer Staats­angehörigkeit! Dafür dürfen sie dann zollfrei über die grüne Grenze transportiert werden. Doch was die Initianten des Verschärfungsantrags verschweigen: Sie haben vielleicht noch keine Schweizer Wurzeln, die Gemüsesetzlinge, die ins Ausland geschafft werden – wohl aber Schweizer Gene. Was nicht falsch verstanden werden darf: Schliesslich ist Suisse Garantie gentechfrei.

Eine Frage aus dem Aargauer Einbürgerungstest lautet: Was ist ein wichtiges Merkmal der Demokratie? Achtung: Die Antwort D, «Der Markt reguliert die Wirtschaft», ist falsch. Ebenso wären Sie durchgefallen, wenn Sie die Antwort C, «Die Menschen dürfen frei reisen», angekreuzt hätten. Letzteres gilt nur für Auslandschweizer Gemüse.

Das Sprichwort vom dümmsten Bauern, der die dicksten Kartoffeln habe, hat sich noch nie bewahrheitet. Trotzdem sollten die deutschen Nachbarn weiterhin bei der Produktion mithelfen dürfen. Dass zu viel Swissness zu einem Grounding führen kann, musste die Schweiz ja bereits schmerzvoll erleben. Wobei ein Grounding im Bereich der ­Gemüseproduktion vielleicht nicht das Schlimmste wäre. Die Erdbeeren sollen ja am Boden ­bleiben.? (landbote.ch)

Erstellt: 03.07.2015, 08:52 Uhr

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