Jan van Berkel ist der letzte Ironman-Champion Zürichs

Mit dem Start-Ziel-Sieg verteidigt er den Titel erfolgreich, Sven Riederer glänzt beim Karriereende.

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Als das Adrenalin langsam aufhörte zu fliessen, zeigte Jan van Berkel die erste Schwäche an diesem Tag: Der 33-jährige Sieger und erfolgreiche Titelverteidiger bat im Zielgelände auf der Zürcher Landiwiese um eine Sitzgelegenheit und sackte dann im Liegestuhl zusammen.

Davor hatte Van Berkel ein grandioses Rennen gezeigt, in dem er vom Start bis ins Ziel unverwundbar schien. Er war als Erster vom Schwimmen aus dem Wasser gestiegen, führte danach auf dem Rad eine Fünfergruppe mehrheitlich an und schlüpfte später als Erster in die Laufschuhe. Auf der Marathonstrecke schloss zwar auf den ersten Kilometern Sven Riederer zu ihm auf, der Olympiabronze-Gewinner von 2004 auf der Kurzdistanz. «Wir unterhielten uns kurz und fanden es ziemlich cool, diesen Wettkampf gemeinsam anzuführen», sagte Van Berkel. Diesem Zustand setzte er dann zu Beginn der zweiten von vier Laufrunden ein abruptes Ende. «Plötzlich attackierte er, und ich wollte und konnte seinen Rhythmus nicht mitgehen», beschrieb Riederer den Moment.

«Mister Ironman» wird 5.

Van Berkel gelang ein kontrollierter Wettkampf vom Start bis ins Ziel, er musste nie auf aufrückende Konkurrenten reagieren, nie auf einen Plan B zurückgreifen. Er führte sein immenses Selbstvertrauen auf seinen letztjährigen Sieg zurück, der ihm nach zwei zweiten und zwei dritten Plätzen viel Druck genommen habe. Er verwies aber auch auf sein Training: «Physiologisch gibt es einen klaren Unterschied zu früheren Jahren.» Den Marathon absolvierte er als stärkster Läufer in 2:46 Stunden.

Ronnie Schildknecht, «Mister Ironman» schlechthin und der Publikumsliebling, blieb damit der 10. Sieg verwehrt. Der 40-Jährige verlor bereits beim Schwimmen 4 Minuten auf Van Berkel, auf dem Rad weitere 3 und im Marathon 13. Er wurde Fünfter.

Riederers Shirt am Nagel

Van Berkel ist damit der letzte Champion auf der Landiwiese, der Ironman zieht nach 22 Jahren um nach Thun. Der Zürcher Unterländer erklärte, Zürich habe für ihn immer eine spezielle Bedeutung gehabt: «Hier habe ich meinen ersten Ironkids-Triathlon absolviert, hier bin ich 2014 zusammengebrochen, hier habe ich meine Frau kennen gelernt (die einstige Eiskunstlauf-Europameisterin Sarah Meier), hier war mein Vater nie, weil er viel zu nervös wird dabei.»

Während er im Herbst auf Hawaii die WM bestreiten wird, verzichtet Riederer auf den gewonnenen Startplatz. Der 38-Jährige tritt nach langer, erfolgreicher Karriere zurück – und seine Kollegen bereiteten ihm einen rührenden Abgang. Ruedi Wild, der bereits zu Beginn der Radstrecke nach Defekt aufgegeben hatte, hatte das erste offizielle Wettkampftrikot Riederers mitgebracht. Dieser durfte es an einem eigens dafür eingeschlagenen Nagel aufhängen.

Erstellt: 21.07.2019, 10:38 Uhr

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