Tod eines Museums

Gestern schloss das Museum Briner und Kern im Rathaus – für immer. Ein Anlass, um Grundsätzliches zu sagen zur musealen Zukunft.

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Wenn ein Museum schliesst, sei das «auch ein heilsames Korrektiv in unserem überreichen Kulturangebot». Denn die Musealisierung habe ein «historisch beispielloses Ausmass» erreicht. Es ist kein ultraliberaler Kulturabbauer, der gestern solches sagte. Es ist Marc Fehlmann, der Chef des Museums Oskar Reinhart am Stadtgarten, der gleichzeitig Konservator des Museums Briner und Kern ist. Oder war. Denn gestern wurde das Requiem auf dieses Kleinod gesungen. Der Stadtrat hatte entschieden, das Museum zu schliessen. Fehlmann verwies in seiner Rede auf andere Museumsschliessungen unserer Zeit und wagte kritische Einwürfe: «Der Wahn, alles und jedes musealisieren zu wollen, entspringt der Illusion, dass man so die Vergänglichkeit überwinden kann.»  Keine superreichen Sammler  Die beiden Stifter der nun heimatlosen Sammlungen, Jakob Briner und Emil Kern, hatten Winterthur als Museumsort gewünscht. Briner war 1882 am Obertor zur Welt gekommen als Sohn eines einfachen Bahnhofangestellten. Er lernte Elektriker, ar­bei­te­te als Leitungsmonteur für Trams in Frankreich und Italien, bevor er in Basel und dann in Zürich als Zollbeamter tätig war. Seine Freizeit widmete er seiner Sammlung. Nicht grosse Kunst, grosse Namen und grosse Umwälzungen faszinierten Briner, sondern das Liebenswürdige, das Präzise, die holländischen Kleinmeister. Die Eröffnung «seines» Museums 1970 im Rathaus erlebte er nicht mehr, er starb 1967.  Emil S. Kern hingegen (geboren 1914) hat «seinen» Teil des Museums noch selber miteröffnet. Der Arzt aus Horgen hat seine über 600 Bildnisminiaturen (auf Elfenbein oder in Emailtechnik) 1998 der Stadt Winterthur geschenkt. Eine Sammlung, die – wie es immer wieder hiess – mit jenen im Louvre, in New York oder in London vergleichbar sei.  Keine 1000 Besucher pro Jahr  Nur: Diese globale Bedeutung hat nie zu Touristenströmen geführt. «Das Museum Briner und Kern ist zeitlebens ein Mauerblümchen geblieben», sagte gestern Beat Wolfer, der Briner-Stiftungs-Präsident. Weniger als 1000 Besucher jährlich würden den Betrieb nicht mehr rechtfertigen.  Eigentlich ist seit fünf Jahren geplant, dass die Bilder aus dem Rathaus im Museum am Stadtgarten eine neue Bleibe (und vielleicht mehr Publikumsinteresse) finden – doch wurden dort bisher keine Räume dafür hergerichtet. «Das bereitet mir Sorge», sagte Wolfer und liess offen, ob die Werke in Winterthur bleiben oder als Dauerleihgaben in andere Museen gehen. Zumindest vorläufig finden sie am Stadtgarten Unterschlupf; ab Ende Monat teilweise in der Ausstellung «Oranje».

Erstellt: 01.11.2014, 00:00 Uhr

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