Ölkürbis

A bisserl Steiermark im Weinland

Heute Abend ist Halloween und am Wochenende die Kürbisbeleuchtung in Rudolfingen. Doch es gibt einen Kürbis, der einmal etwas anderes bietet als orange Suppe und Schnitzereien.

Die grünen Kerne verbergen sich im orangen Fruchtfleisch. Nach dem Waschen werden sie getrocknet.

Die grünen Kerne verbergen sich im orangen Fruchtfleisch. Nach dem Waschen werden sie getrocknet. Bild: Markus Brupbacher

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Wie orange Bocciakugeln liegen sie verstreut im krautigen Grün. Auf mehreren Äckern um Ossingen wurden auch dieses Jahr wieder Ölkürbisse angebaut. Wenn die Kugeln reif sind, werden sie in einer Linie aufgereiht und von den Metallstiften der Erntemaschine aufgespiesst.

Wie dickwandige Tonscherben bleiben die aufgebrochenen Kürbisse auf dem Feld als Dünger zurück – geerntet werden nur die flachen, grünen Kerne. Diese werden getrocknet verkauft oder zu dunkelgrünem Kürbiskernöl gepresst.

Laune der Natur als Ursprung

Eine kleine Informationstafel am Ossinger Feldrand informiert den Passanten über die besondere Kultur. Etwa zehn Biobauern aus den Kantonen Zürich, Schaffhausen und Thurgau bauen in der Region Ölkürbisse an und produzieren so rund 20 Tonnen Kerne. Deren Abnehmer ist die Schaffhauser Bauernfamilie Brütsch, die als Pioniere des Schweizer Ölkürbis-Anbaus gilt. Das überdurchschnittlich warme Klima im Weinland ist der Grund, weshalb man dort den speziellen Kürbis immer häufiger sieht. Denn es gilt: Wo der Wein gut wächst, tut es auch der Ölkürbis.

Besonders an diesem Kürbis ist, dass seine Kerne keine Schale haben wie die übrigen Kürbisse. Um sie zu essen, muss man sie also nicht zuerst aufknacken. Bloss ein hauchdünnes, durchsichtiges Häutchen umgibt den weichen, grünen Kern. Dass die verholzte, harte Schale fehlt, geht auf eine Laune der Natur zurück. So kam es etwa um 1880 in der Steiermark zu einer Zufallsmutation der Kerne. Die fehlende Schale ist beim Pressen der entscheidende Vorteil. Das steirische Kürbiskernöl ist ein Verkaufsschlager des österreichischen Bundeslandes und wird auch als «grünes Gold» bezeichnet.

Kostbares Kürbiskernöl

Der Anbau von Ölkürbissen in der Schweiz begann vor rund 20 Jahren. Im Jahr 1999 gründete die Schaffhauser Familie Brütsch eine Aktiengesellschaft, um die Ernte, Verarbeitung und Vermarktung der Kürbiskerne zu organisieren. Im gleichen Jahr kauften sie zudem eine Erntemaschine und eine Wasch- und Trocknungsanlage. Und dieses Jahr kam die eigene Ölmühle samt Röstofen hinzu – am 18. Juli 2017 floss das erste Öl aus der Presse. «Ein wunderbares Gefühl», wie es auf der Website www.kuerbiskern.ch heisst. Für einen Liter Kürbiskernöl werden zwischen 30 und 35 Kürbisse benötigt, wobei in einem Kürbis um die 400 Kerne drin sind. Entsprechend kostbar ist das Öl – einen halben Liter Schweizer Kürbiskernöl kostet um die 25 Franken.

Das Kürbiskernöl hat einen würzigen, nussigen Geschmack. Ausserdem gelten diverse Inhaltsstoffe der Kerne als gesundheitsfördernd. Die wohl bekannteste Wirkung ist jene gegen Prostatabeschwerden und Blasenleiden. Auch hervorgehoben werden etwa das viele Vitamin E, Eisen und die mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Auch von einer cholesterinsenkenden Wirkung und der Senkung des Risikos für Herzkrankheiten ist die Rede.

Rudolfinger Kürbisbeleuchtung: Am Freitag und Samstag, 3. und 4. November, leuchten in Rudolfingen (Gemeinde Trüllikon) wieder über 1000 geschnitzte Kürbislichter. Die Dorfbeleuchtung dauert von 18 bis 23 Uhr, die Beizli mit Kürbisspezialitäten sind bis 24 Uhr offen. Es wird geraten, mit dem ÖV anzureisen. (Der Landbote)

Erstellt: 30.10.2017, 18:38 Uhr

Ölkürbisse selber anbauen

Der Anbau von Ölkürbis ist auch im eigenen Garten nicht anspruchsvoll. Doch sollte ein sonniger Standort ausgewählt werden, damit die Kürbisse bis im Herbst gut ausreifen. Das Saatgut ist inzwischen auch in der Schweiz erhältlich. Selber geerntete Kernen sollten, wie bei allen Kürbissen, nicht gesät werden. Denn durch spontane Mutation oder Kreuzung mit anderen Kürbissen, zum Beispiel Zierkürbissen, könnten sich die Kernen genetisch verändert haben und die künftigen Kürbisse giftige Bitterstoffe enthalten. Am besten wird ab Mitte April je ein Samen in einem kleinen Topf mit Erde bedeckt und gleichmässig feucht gehalten. Die Keimtemperatur sollte etwa bei 20 Grad Celsius liegen. Nach draussen gepflanzt sollten die Kürbispflänzchen erst nach dem letzten Frost in Abständen von 80 bis 100 Zentimetern allseitig. Kühles Wetter mag der Kürbis nicht – schon bei Temperaturen unter 10 Grad kann es Schäden geben. Geerntet wird der Ölkürbis vor dem ersten Frost. Das reife Fruchtfleisch ist ziemlich faserig und daher nur bedingt zu gebrauchen. Herausgeklaubt werden die grünen Kerne, die dann gewaschen und gut getrocknet werden. mab

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