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Abschied vom Betreibungsamt

Heidi Rufer war fast 30 Jahre Betreibungsbeamtin. Dabei hat sie auch den Wandel der Gesellschaft im Umgang mit Schulden miterlebt. Gestern hat sie die Leitung des Betreibungsamts Elgg abgegeben.

Als Leiterin des Betreibungsamts und als Gemeindeammann hat Heidi Rufer so einiges an menschlichen Tragödien miterlebt. «Bei uns kommt niemand fröhlich herein», sagt sie. Der Umgang mit den Klienten sei anspruchsvoll. Für einige seien die Beamten die Klagemauer. Das sei nicht immer einfach zu ertragen. «Wir haben Verständnis dafür, dass die Menschen in der Klemme stecken.» Dennoch müsse sie, wenn nötig, auch Härte zeigen. «Das Betreibungsamt ist kein Kaffeekränzchen», sagt sie und lacht. Doch ihr Lachen ist schnell wieder verschwunden, wenn sie an den gesellschaftlichen Wandel denkt, den sie in den vergangenen 28 Jahren im Beruf miterlebt hat. Schulden zu haben, sei heute nichts Besonderes mehr. Alles werde auf Pump gekauft. Die Stimmung sei in den letzten Jahren zunehmend aggressiver geworden – bei Schuldnern und Gläubigern. Aber es gebe auch die andere Seite. Diejenigen, die dankbar seien um den Rat und die Hilfe, welche die Mitarbeitenden des Betreibungsamtes leisten könnten. «Es war immer schön zu sehen, wenn es jemand geschafft hatte, aus den Schulden herauszukommen.» Betreibungsamt zu Hause Ihre Lehre absolvierte Rufer auf einem Notariat. Als sie als alleinerziehende Mutter auf der Suche nach einer Stelle war, wurde sie von ihrer Wohngemeinde Els­au angefragt, ob sie nicht das Betreibungsamt übernehmen möchte und sich zur Wahl stellen wolle. Das kam ihr sehr gelegen, denn sie konnte das Amt von zu Hause aus führen. «Meine Kolleginnen haben damals im Scherz gesagt, sie würden nun nicht mehr bei mir klingeln, weil dann alle denken würden, sie müssten zum Betreibungsamt», erinnert sie sich und lacht. Doch die Arbeit passte ihr. Nach einigen Jahren hat sie weitere Ämter übernommen und die dreijährige höhere Fachausbildung absolviert. Jedes Mal wurde sie vom Volk gewählt. 2010 kam der Zusammenschluss zu Betreibungskreisen. Seither sind Rufer und ihre Mitarbeitenden für die Gemeinden Elgg, Elsau, Hofstetten, Hagenbuch, Schlatt, Wiesendangen/Bertschikon, Ellikon an der Thur, Altikon und Rickenbach zuständig. Zudem hat sie als Leiterin des Betreibungsamtes gleichzeitig das Gemeindeammannamt inne. In dieser Funktion ist sie unter anderem für den Vollzug von zivilrechtlichen Gerichtsentscheiden zuständig, für freiwillige Versteigerungen von Immobilien oder für Ausweisungen von säumigen Mietern. Die Kombination dieser Ämter habe eine Fülle an Aufgaben mitgebracht, die Spannung und Abwechslung gebracht hätten. Mit schönen Seiten befassen «Ich habe meinen Beruf immer mit viel Leidenschaft ausgeübt», sagt sie. Doch diese Leidenschaft habe auch ihre Schattenseiten gehabt. Oft habe sie noch nach Feierabend über ihre Fälle nachgedacht. «Man muss sich abgrenzen können, was nicht immer ganz so einfach ist.» Der Beruf ist sehr einnehmend. Um den Kopf freizukriegen, ist sie am Wochenende meist in die Berge gefahren. Doch Heidi Rufer hat nun genug geholfen, beraten, gekämpft und hart durchgegriffen. Gestern hat sie ihr Amt an ihren Nachfolger Hans-Peter Sutter abgegeben. Die 60-Jährige geht nun in Pension. «Ich möchte mich mehr mit den schönen Seiten des Lebens befassen», sagt sie. In ihrem Fall sind das ihre vier Enkel, mit denen sie künftig viel Zeit verbringen will. Ines Rütten

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