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Abschied von Arbeiter Ambühl

ZÜRICH. Andres Ambühl geht heute in seine letzten Playoffs mit den Lions, danach kehrt er zu Viertelfinalgegner Davos zurück.

Glücklich ist, wer ihn in der Mannschaft hat. Das konnten sich bisher – ausser den New York Rangers – alle Teams sagen, bei denen Andres Ambühl spielte. Der HC Davos, wo er gross wurde, die Schweizer Nationalmannschaft und seit 2010 die ZSC Lions. «Ambühl hat so viel Ener­gie­­, der wird nie müde», hat der frühere Nationalcoach Ralph Krueger einst zum Stürmer festgehalten.

Den Mann aus dem Sertig, der im September auch schon 30 Jahre alt wird, als Arbeiter zu bezeichnen, wird ihm auf den ersten Blick vielleicht nicht gerecht. Aber ein Künstler ist Ambühl nicht, sondern eben einer, der Tag für Tag höchst zuverlässig seine Eishockey-Arbeit auf sehr hoher Ebene abliefert – und diese Verlässlichkeit mit dem grösstmöglichen Engagement garniert. Kämpfer alleine würde ihm nicht gerecht werden.

Diese Grundeinstellung erklärt auch, dass er sich aus der Viertelfinalserie ZSC Lions – HC Davos nichts Besonderes macht, obwohl es dazu durchaus sehr viele Gründe gäbe. Denn nach drei Jahren in Zürich kehrt er für die nächste Saison zum HCD zurück. Die Möglichkeit, dass er doch noch eine Chance in der NHL erhält, ist nicht sehr gross. Bei Ambühl hätte man sich eigentlich vorstellen können, dass er der erste Schweizer Stürmer wird, der sich in der NHL durchsetzen kann. Doch der Kämpfer bekam bei den Rangers gar nie eine Gelegenheit, sich zu präsentieren, der Winter 2009/10 wurde für ihn ein verlorener und trauriger in der AHL mit Hartford.

Playoff-Topskorer

Die ZSC Lions sind mit Ambühl, der sein erstes NLA-Tor überhaupt gegen die ZSC Lions erzielte (2001), durchaus glücklich geworden. Wie alle andern Rückkehrer aus der NHL benötigte er im ersten Jahr eine gewisse Anlaufzeit, dazu war die Trainerposition in Zürich mit Colin Muller nicht gerade optimal besetzt. Seine beste Qualifikation spielte er im Meisterwinter 2011/12, die 31 Skorerpunkte sind bisher sein zweitbester Wert in der NLA. Im letzten Davos-Jahr vor dem Nordamerika-Abstecher kam er auf 41 Punkte.

Den Helm des Top­sko­rers überlässt er meistens anderen. Aber im vergangenen Playoff war er nicht nur bester Punktesammler der ZSC Lions, sondern zusammen mit dem Berner J.P. Dumont erfolgreichster Skorer überhaupt. Beide kamen auf 14 Punkte (6 Tore/8 Assists), Ambühl bestritt 15 Partien. Und Ambühl war selbstverständlich auf dem Eis, als der entscheidende Treffer im siebten Spiel in Bern fiel. Er leistete die Vorarbeit zum 2:1 (durch Steve McCarthy), das den Titel bedeutete. Auch zur 1:0-Führung der Zürcher (durch Mark Bastl) assistierte er, weil er sich durch unermüdliches Nachsetzen den Puck erar­bei­te­te.

Bereits fünf Meistertitel sammelte Ambühl, vier mit den Davosern (2002, 2005, 2007, 2009), einen mit den ZSC Lions. Vor einem Jahr schalteten die Zürcher auf dem Weg in den Final von Rang 7 aus gleich zwei Topteams aus: zuerst den HCD, danach Qualifikationssieger Zug.

Dieses Jahr, so denkt auch Ambühl vor seiner letzten Serie gegen die Bündner, ist der HCD stärker als 2012. «Damals litten sie unter den vielen Verletzten.» Damals aber waren die ZSC Lions auch – nach einer durchzogenen Saison – auf die Playoffs hin extrem diszipliniert und in der Defensive fast unüberwindbar geworden. Obwohl sie damals in der Offensive höchst bescheidene Werte vorwiesen, holten sie in den letzten zehn Qualifikationsspielen 22 Punkte. Dieses Jahr, mit einer viel offensiveren Spielweise, gab es 20 Punkte. Das sind immerhin fünf Zähler mehr, als die Davoser gewannen. Doch die letzten drei Duelle in diesem Winter entschieden die Davoser für sich.

In dieser Serie werden die Zürcher sicher mehr Chancen kreieren als die Gegner. Doch das zählt am Ende wenig. Von Bedeutung ist, wer seine Chancen nützt, wer 60 Minuten oder länger alles gibt, was er hat.

Und da ist die Mannschaft, die An­dres Ambühl in ihren Reihen hat, sicher nicht im Nachteil. (jch)

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