Zum Hauptinhalt springen

Abschuss soll Wölfe retten

Stockholm. Trotz EU-Artenschutz beginnt heute in Schweden die Jagd auf Wölfe. Die Regierung will Klagen entgehen, indem nur schwache Tiere getötet werden. Kritiker reden von einer «Mogelpackung».

Die Wolfsjagd ist in Schweden traditionell ein Politikum. Dementsprechend stark waren die Reaktionen, als Schwedens Radio gestern enthüllte, dass die Jagd auf die massiv vom Aussterben bedrohten Vierbeiner bereits heute statt morgen Freitag eröffnet wird.

Bis zum 20. Februar sollen 16 Wölfe geschossen werden. Das klingt zunächst nach weniger, als es ist. Insgesamt haben sich 2011 und 2012 in Schweden und Norwegen gerade mal 260 bis 330 Wölfe aufgehalten. Dies laut den optimistischen Schätzungen des Landesnaturschutzamtes.

Mit der Wolfsjagd nimmt Stockholm nicht nur den Zorn schwedischer Tierschützer auf sich. Die sonst so EU-regeltreue bürgerliche Vierparteienregierung riskiert auch eine Klage vor dem EU-Gerichtshof. Erst im Dezember hatte EU-Umweltkommissar Janez Potocnik einen Gerichtsgang angedroht, sollte die ländliche Zen­trumspartei erneut die Wolfsjagd in Schweden zulassen.

2010 waren 27 Wölfe erstmals seit 45 Jahren zur Jagd freigegeben worden. 2011 durften 20 Wölfe erlegt werden. Jedes Mal unter heftiger Kritik aus Brüssel. Laut Tierschützern versucht die Regierung die bei ländlichen Wählern populäre Wolfsjagd auf dem Umweg des Artenschutzes wieder einzuführen.

Die skandinavischen Wolfsrudel leiden durch Inzest unter grosser genetischer Armut. «Dadurch, dass wir einige Leittiere durch die Jagd entfernen, schaffen wir die Möglichkeit für neue, genetisch bessere Wölfe, sich zu etablieren», verteidigte Maria Ågren, Generaldirektorin des Naturschutzamtes, gestern den Beschluss.

Auf Stimmenfang

In jedem Rudel soll demnach ein Alphatier geschossen werden. Allerdings wurden bislang keine genetisch frischeren Alphatiere ausgesetzt, kritisieren Tierschützer. Der angebliche Kompromiss sei deshalb eine «Mogelpackung für Brüssel». «Es geht hier schon längst nicht mehr um die Wölfe, um deren Zukunftssicherung oder um eine nachvollziehbare Furcht der ländlichen Bevölkerung vor zu vielen Wölfen», unterstellte die schwedische Boulevardzeitung «Aftonbladet» gestern der Umweltministerin. Die Zen­trumspartei wolle ländliche Wähler zurückerobern. In Umfragen landet die Partei nur noch bei knapp drei Prozent.

Tiefe Ängste

Die Frage zum Umgang mit den Raubtieren ist zum Konflikt zwischen ländlichen und städtischen Bewohnern geworden. Erstere werfen Letzteren vor, dass sie auch nicht erbaut wären, wenn sie auf dem Weg zum Bioladen auf Wölfe treffen würden.

Heute werden schwedische Grundschüler aufgeklärt, dass Wölfe menschenscheue Wesen sind. Die Ängste sind aber tief verankert. Schon in Selma Lagerlöfs Nationalklassiker «Gösta Berling» waren Wölfe das Sinnbild des Teufels.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch