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«Action» im Toblerone-Quartier

Der erste Auftritt an diesem Morgen gehört einem gelben Alfa-Romeo-Cabrio. Das Auto muss im «Toblerone-Quartier» an der Säntis­strasse in Brütten ins richtige Licht gerückt werden. Über Funk wird die Fahrerin instruiert: «Einen Meter zurück, noch näher an den Randstein», lauten die präzisen Kommandos. Dann ist das Requisit für die erste Filmszene endlich in Position. Ein weiterer Drehtag für den Schweizer Fernsehfilm «Der Hamster», den Schweizer Radio und Fernsehen und Zodiac Pictures produzieren, kann beginnen. Kamera, Monitor und Ton sind längst installiert. Die rund 20-köpfige Filmcrew ist für eine erste Probe bereit. Fehlt nur noch der Hauptdarsteller: Schauspieler Roeland Wiesnekker. Ausgerüstet mit Ohrenwärmern und Schal erscheint er dick eingehüllt auf dem Filmset. Trotz Sonnenschein und blauem Himmel ist es noch immer recht frisch. «Jetzt ist deine grösste schauspielerische Leistung gefragt», witzelt Regisseur Tom Gerber. Wiesnekker muss mit einer Tasche auf dem Rücken und einem Hamsterkäfig in der Hand einige Meter auf einem Mountainbike zurücklegen. Nach einer kurzen In­struktion ist auch schon das erste «Action» zu hören. Wiesnekker fährt los, die Kamera schwenkt ihm nach. Der Balanceakt gelingt – doch Regisseur Gerber entdeckt ein störendes Bild­element: «Könnten wir die hässlichen Pfosten nicht entfernen?», fragt er. Gemeint sind die Pfeiler für den Winterdienst, die neben der Strasse in der Wiese stecken. Sofort eilen zwei Helfer in orangen Westen herbei, die während des Drehs die Strasse sperren, um die Pflöcke herauszuziehen. Dann gilt es erstmals ernst. Wiesnekker entledigt sich seiner wärmenden Kleider, zieht dafür eine Velojacke und einen Helm an. Zwei Helfer zupfen seine Kleider zurecht. Ein weiterer verkabelt den Hauptdarsteller. Dann läuft alles wie im Film ab: «Ruhe bitte! Wir drehen», warnt der Aufnahmeleiter ein letztes Mal. Das Kommando «Ton ab» wird von den Technikern mit «Ton läuft» quittiert. Ein Crewmitglied hält die Klappe in die Kamera. Und «Action». Wiesnekker braust auf seinem Mountainbike an der Kamera vorbei und steigt wenig später beim Alfa Romeo ab. Nach einigen Sekunden ist bereits ein «Cut» zu hören. Die Szene wird noch einmal wiederholt. Dann ist Regisseur Gerber bereits zufrieden: «Super, danke.» Jetzt folgen einige Detailaufnahmen. Die Tontechniker und Schauspieler Wiesnekker nutzen die Pause für einen kurzen Schwatz und eine Zigarette. Dann verschiebt sich der ganze Tross einige Meter trottoiraufwärts zu einem Gartentor. Während Regisseur und Kameramann die nächste Einstellung besprechen, fahren einige Autos vorbei. Von den Lenkern erntet die Filmcrew erstaunte Blicke. Diese lässt sich davon aber nicht beirren. Völlig unaufgeregt spult sie ihr Programm nach Plan ab. Jeder hat seine Aufgabe. Hektik kommt keine auf. Die Kommunikation läuft mehrheitlich über Funk. Immer wieder tauchen Helfer mit neuen Requisiten oder Zubehör auf. Wer auf dem Filmset Glamour à la Hollywood erwartet, wird enttäuscht. Regisseur und Hauptdarsteller haben nicht einmal einen angeschriebenen Klappstuhl. Ersterer sitzt stattdessen teilweise auf Holzkisten, die in gewissen Einstellungen mit Kissen belegt als Unterlage für die Kamera dienen. Nun folgt der nächste Einsatz für Wiesnekker. Er muss interessiert durch die Scheibe des Ca­brios hineinschauen und mit den Fingern verspielt über die Motorhaube tippen. Doch dieses Mal klappt nicht alles auf Anhieb. Einmal ist das Mikrofon, das ein Mitarbeiter am langen Stab hält, im Bild. Ein anderes Mal sitzt der Velohelm zu tief im Gesicht von Wiesnekker. Und dann gibt der Regisseur seinem Schützling zusätzliche Anweisungen: «Du musst ein bisschen mehr Freude zeigen.» Schliesslich ist aber auch diese Szene nach einigen weiteren Versuchen im Kasten. Und die Filmcrew kann zum nächsten Drehort im Haus wechseln.

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