Zum Hauptinhalt springen

Agilität fehlt einzig dem Verdeck

Zürich. Zwei Jahre nach Markteinführung hat Nissans Porsche-Jäger 370Z Roadster wenig von seiner Attraktivität eingebüsst. Nur die Steuerung für das Verdeck sollten die Japaner besser bald nachbessern.

Die Cabriosaison in der Schweiz ist kurz, und dar­um ist oft schon ein kleiner Wetterwechsel Grund genug, das Verdeck zwischen Haupt und Himmel wegzuzaubern. Wer im Nissan 370Z Roadster unterwegs ist, sollte sich allerdings zweimal überlegen, wo er den Faltprozess einleitet. Denn eine normale Schweizer Rotphase ist für die 20-Sekunden-Prozedur schnell einmal zu kurz. Und anfahren während der Verwandlung geht nicht: Im 370Z ist der Verdeckmechanismus bei Fahrt gesperrt. Wer an der Kreuzung alle Bedenken in den Wind schlägt und den Knopf für die Verdecköffnung trotzdem drückt, muss mit einem Hupkonzert rechnen – das sich offen aber immerhin umso besser geniessen lässt.

Der Klappmechanismus des ansonsten tadellosen und gut isolierenden Verdecks ist eines der wenigen Details, welche die Japaner gelegentlich nachbessern müssen, wenn sie mit der Konkurrenz Schritt halten wollen. Allen voran ist das beim 370Z Roadster der Porsche Boxster, der gerade neu aufgelegt wurde und auch dar­um einen kleinen technischen Vorsprung geltend machen kann.

Der Boxster öffnet das Verdeck in nur 9 Sekunden – freilich auch bei langsamer Fahrt –, und er hat auch in Sachen Leistungsdaten die Nase vorn. Zwar verfügt der Nissan dank seinem 3,7-Liter-V6 über 328 PS und damit fast 60 PS mehr als sein deutscher Konkurrent. Den Sprint von 0 auf Tempo 100 absolvieren aber beide in identischen 5,8 Sekunden. Und weil der Nissan bei 250 Stundenkilometern abregelt, gewinnt der Boxter auch diese Kategorie. Bei alledem ist der Zuffenhausener auch noch sparsamer: 10,9 Liter gönnt sich der 370Z laut Werk auf 100 Kilometern, beim neuen Boxter sind es über drei Liter weniger.

Den Nissan, welcher der Mitte seines Lebenszyklus entgegenfährt, deswegen abzuschreiben, wäre jedoch naiv. Denn beim Preis ist er nach wie vor ungeschlagen. Für ein Eintrittsgeld von 67 660 Franken gibt es den 370Z Roadster praktisch in Komplettausstattung, nur Metallic-Lackierung, Navigationssystem und Lederpaket sind noch extra zu berappen. Das ist bei Porsche anders: Der Boxster dreht auch beim Preis locker hoch, von 65 300 auf schnell einmal 90 000 Franken. In Sachen Fahrvergnügen und Materialanmutung steht der Nissan seinem ärgsten Konkurrenten zudem in nichts nach. Wenig Plastik, viel Leder und hübsches Leichtmetall prägen das Interieur. Die Sportsitze passen wie ein Massanzug, lassen sich beheizen und sogar kühlen – ein Feature, das auch im Luxussegment nur wenige Modelle anbieten.

Alle technischen Features arbeiten perfekt, von der Soundanlage bis zum Sieben-Gang-Automatikgetriebe, das die Gänge zügig und unbemerkt wechselt. Der 370Z liegt, wie man es von einem sportlichen Roadster erwartet, immer tadellos auf der Strasse, lenkt willig ein, vermittelt über das Volant eine gute Rückmeldung und federt trotz aller Sportlichkeit die meisten Bodenwellen gut weg. Bei alledem ist er kein Alltagsverächter: Auf der Ablage hinter den Sitzen finden Hand- und Umhängetasche genügend Platz, und auch der Kofferraum reicht für einen Wochenendausflug oder den Einkauf eines Zweipersonenhaushaltes aus. Nur volle Papiertragtaschen passen nicht rein – wer einen 370Z fährt, füllt den Migros-Sack eben zu drei Vierteln.

Vor allem aber ist der Nissan rundum hübsch anzusehen und nach ersten Retouchen im letzten Jahr optisch auf der Höhe der Zeit. Und die Japaner bleiben dran: Das Blechkleid des Coupés wird aufs Modelljahr 2013 nachgeschärft, mit neuen LED-Kiemen für die Front, die auch dem Roadster gut stehen würden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch