Zum Hauptinhalt springen

Albanische Euphorie

Luzern. Albaniens Fussballer hoffen heute auf eine nächste Überraschung – nach dem Startsieg gegen Zypern.

Die Euphorie war, so wird berichtet, riesig im Nationalstadion Qemal Stafa in Tirana, als Albaniens «Adler» mit zwei späten Toren ihr Startspiel gegen Zypern für manche überraschend 3:1 gewannen. Zwei eingewechselte Spieler, Edgar Cani (zuletzt Polonia Warschau) und Erjon Bodgani von Siena, trafen. Der 35-jährige Bodgani ist mit nun 17 Toren Rekordschütze der «Skipetaren», gegen Zypern spielte er zum 71. Mal. Stunden vor dem Match war seine Grossmutter gestorben, die Nachricht aber wurde ihm erst nach Spielschluss überbracht.

Siege wie dieser sind für Albanien, zurzeit nur Nummer 84 der Weltrangliste, zwischen Weissrussland und Georgien, eine Rarität. Als seine Fussballer in der Ausscheidung zur WM 1966 in England erstmals international auftraten, war Albanien unter der Diktatur Enver Hodschas noch ein völlig abgeschottetes Land. Für die Schweizer, einen ihrer damaligen Gegner, war es eine Reise ins Ungewisse. Aber sie siegten, auch dank einem Penalty Köbi Kuhns, 2:0; sie gewannen später, wieder dank eines Penaltys Kuhns, in Genf 1:0 und reisten schliesslich nach England.

Bescheidener Klubfussball

Zwei Jahre später, in der Ausscheidung zur EM, versperrten die Albaner mit einem 0:0 in Tirana den Deutschen den Weg in die Viertelfinals; die Jugoslawen erreichten diese. Und der vielleicht grösste Sieg war das 4:2 gegen die Griechen im Herbst 2004 in einem WM-Ausscheidungsspiel kurz nach deren Titelgewinn an der EM in Portugal. Aber trotz dieser vereinzelten guten Resultate, zu denen auch das 1:1 gegen die Schweiz auf deren Weg an die EM in Portugal gehört, kamen die Albaner nie in die Nähe einer Endrundenqualifikation.

Bescheiden ist auch das Niveau des Klubfussballs. Die besten Spieler wirken im Ausland oder sind gar dort geboren oder zumindest aufgewachsen. Die aktuellen Europacup-Wettbewerbe finden längst ohne albanische Beteiligung statt. Meister Skenderbeu scheiterte bei erster Gelegenheit; von den drei Kandidaten für die Europa League kam einzig der FK Tirana gegen den CS Grevenmacher aus Luxemburg weiter, ehe er mit dem Gesamtskore von 1:6 vom kleinen norwegischen Verein Aalesund gestoppt wurde. Teuta Durres, einer der Traditionsklubs, schied gegen Georgier mit 1:9 Toren aus …

Fakten wie diese zeigen, welche Aufgabe sich der altgediente italienische Trainer Gianni De Biasi (56) bei seinem Amtsantritt im vergangenen Dezember aufgebürdet hat. In der Heimat führte er mal Modena von der Serie C1 in die Serie A; er war auch kurze Zeit Chef Gökhan Inlers bei Udinese und holte Blerim Dzemaili zu Torino. Jetzt freut er sich über den guten Start gegen die Zyprioten. Aber er glaubt weiterhin, seine Mannschaft stehe zwar auf Augenhöhe mit den Zyprioten und den Isländern. Die drei andern Teams der Gruppe seien für Albanien auf Dauer aber zu stark.

Der Captain aus der Romandie

Besonderen Bezug zur Schweiz hat natürlich Burim Kukeli, den De Biasi gegen Zypern im defensiven Mittelfeld debütieren liess. Hierzulande spielen aber auch Jahmir Hyka vom FC Luzern, den De Biasi gegen die Zyprioten als Ersten einwechselte, und Stürmer Armando Sadiku, der das 1:0 schoss, aber nach einer Stunde Hyka weichen musste. Sadiku, der nach wenigen Runden der Challenge League von Locarno nach Lugano zügelte, ist der klassische «Knipser». Vor zweieinhalb Wochen war er auf der Schützenwiese allerdings chancenlos, als sein FC Lugano gegen den FCW 1:3 verlor.

Eng mit der Schweiz verbunden ist aber auch Lorik Cana (29), der bei Lazio Rom unter Vertrag ist. Er kam einst mit seiner Familie aus Pristina im Kosovo in die Westschweiz, ging als 14-Jähriger zu Lausanne-Sport und zog als 19-Jähriger weiter zu Paris St-Germain. Kurz nach dem Debüt dort begann er in der albanischen Nationalmannschaft aufzutreten – beim 2:3 gegen die Schweiz im Juni 2003 in Genf! In England, der Türkei und nun eben in Italien unterschrieb er Verträge, in der Nationalmannschaft ist der harte Fighter Captain und Chef der Defensive.

Nicht zuletzt gegen ihn müssen sich die Schweizer heute durchsetzen, wollen sie Tore schiessen. (hjs)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch