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Alles ist spitze!

«Everything Sucks!»: Die humorvolle Serie über die grösseren und kleineren Katastrophen im Leben von Jugendlichen im Jahr 1996.

In den neunziger Jahren musste noch mit Videokassetten hantiert werden. Nostalgiker kommen in «Everything Sucks!» auf ihre Kosten.
In den neunziger Jahren musste noch mit Videokassetten hantiert werden. Nostalgiker kommen in «Everything Sucks!» auf ihre Kosten.
imdb

Nostalgie ist gerade hoch im Kurs. Eigentlich ist Nostalgie immer hoch im Kurs, nur das Jahrzehnt, welches gerade verklärt wird, wechselt immer wieder. Da waren zum Beispiel die Achtziger, deren Rückkehr sich modisch zum Beispiel in Form von Leggins äusserte. Auch filmisch waren und sind sie immer noch hoch im Kurs, etwa mit der Fortsetzung von Indiana Jones und dem Remake von «RoboCop». Nicht zu vergessen, der Netflix-Hit «Stranger Things», der an die Blütezeit von Steven Spielberg erinnert. Doch dabei belässt es die Streamingrossmacht nicht, sondern hat bereits die Neunziger im Visier.

Die neue Netflix Serie heisst «Everything Sucks!» (dt. Alles ist scheisse!) und spielt 1996. Im Gegensatz zu Stranger Things, fehlt hier allerdings das übernatürliche Element. Stattdessen drehen sich die zehn Folgen der Comedyserie um den Alltag in diesem amerikanischsten aller Biotope, der Highschool, in einer Stadt namens Boring (dt. langweilig).

Luke(Jahi Di'Allo Winston), McQuaid (Rio Mangini) und Tyler (Quinn Liebling) haben soeben an die Highschool gewechselt, sind also etwa 14 Jahre alt. Um Anschluss zu finden, schreiben sie sich für den AV-Club ein, der die morgendliche Nachrichtensendung der Schule produziert. Da geht es um solch spannende Themen, wie das Mittagsmenü der Kantine oder das Vorsprechen für die Theatergruppe. Nicht gerade die coolste Truppe, doch, so die Überlegung, man muss halt dorthin, wo man sich auskennt: Das Trio dreht selbst auch Filme. Dass der AV-Club der Place-to-be ist, wird Luke noch klarer, als er dort Kate kennenlernt. Für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick. Leicht problematisch ist nur, dass sie die Tochter des Rektors ist. Und dass ihr gerade bewusst wird, dass ihr Mädchen wohl besser gefallen als Jungs.

«Everything Sucks!» spielt gekonnt auf der Klaviatur der Nostalgie. Bereits in der Eröffnungsmontage folgt Zaubertroll auf Skateboard auf Holzfällerhemd auf Hacky Sack. Danach wird diskutiert, ob Alanis Morisette recht hat, und es wirklich ironisch ist. Luke fragt Kate, ob sie seine Freundin sein will, indem er das Wonderwall Video von Oasis nachstellt. Das könnte alles etwas viel sein, und wenn nicht mehr dahinter stecken würde, hätte man als Zuschauer schnell genug davon.

Liebenswerte Charaktere

Doch glücklicherweise überzeugt die Serie nicht nur mit ihrem Humor, sondern auch mit toll geschriebenen Charakteren, und zwar von den Kindern bis zu den Erwachsenen. Da ist zum Beispiel der Rektor Herr Messner (Patch Darragh) zu erwähnen. Er ist ein wenig tollpatschig, absolut durchschnittlich und total liebenswert. Sein Innenleben wird beinahe so gut ausgeleuchtet, wie dasjenige der Schüler.

Luke und Kate ist klar, dass das Ortschild die grösste Attraktion an ihrer Heimatstadt Boring (dt. langweilig) ist.
Luke und Kate ist klar, dass das Ortschild die grösste Attraktion an ihrer Heimatstadt Boring (dt. langweilig) ist.

Besonders Kateund Luke stehen bei den Jugendlichen im Mittelpunkt. Wie Kate sich Schritt für Schritt an ihre sexuelle Identität herantastet, wird mit Feingefühl gezeigt. Auch Lukes komplizierte Beziehung zu seinem abwesenden Vater verleiht der Comedyserie Bodenhaftung. Jahi Di'Allo Winston spielt Luke brilliant. Der 14-Jährige überzeugt mit seinem Schalk und seinem Charme, brilliert aber auch, wenn es um die schwierigen Seiten des Jungen geht. Während die Hauptfiguren also nichts zu wünschen übrig lassen, sind einige der Nebenfiguren, wie zum Beispiel Lukes Freunde, ein wenig oberflächlich ausgefallen.

«Everything Sucks!» ist - auch weil die Folgen mit knapp 30 Minuten relativ kurz sind - eine dieser Serien, die in einem Rutsch geschaut werden können/dürfen/müssen. Dann kann man sich fragen, ob es nicht ironisch ist, dass wir alle damals so schnell wie möglich ins coole neue Millenium und raus aus den neunziger Jahren wollten, und nun nicht genug davon kriegen können.

Everything Sucks! ist auf Netflix zu sehen.

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