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Alles selbst gemacht: Genüsslich tafeln in der Bauernstube

Bäuerinnen und Landfrauen bewirten bei sich zu Hause, im stimmungsvollen Ambiente des eigenen Bauernhofs, Gäste. Auf den Tisch kommt dabei ausschliesslich Selbstgekochtes, mit Produkten vom Hof oder aus der Region.

Mitten im Neubaugebiet am östlichen Stadtrand von Kloten hat sich ein einzelnes, altes Bauernhaus erhalten: der Hof der Familie Bücheler. Landwirtschaft wird hier aber keine mehr betrieben, da strengere Bestimmungen für die Tierhaltung grössere Umbauten erforderlich gemacht hätten. Während Maya Bücheler in ihrem Elternhaus wohnen geblieben ist, wurde der Landwirtschaftsbetrieb vor etwa zehn Jahren in die Nähe von Gerlisberg umgesiedelt, wo ihn ihr Bruder – unterstützt von den Eltern – weiter führt. Doch auch Maya Bücheler hat alle Hände voll zu tun, allerdings in der Küche. Denn in anderthalb Stunden werden zum ersten Mal fünf Swiss-Tavolata-Gäste bei ihr am Tisch sitzen. Noch aber wäscht, putzt, rüstet sie Gemüse und Salat – unterstützt von ihrer Tochter Laura. Wieso tut man sich so etwas an? «Weil ich gerne koche und gerne viele Leute am Tisch habe», sagt sie. Und ihre Tochter hilft ihr, weil heute Premiere ist. Es gibt ein Herbstmenü: zur Vorspeise Gemüsequiche mit Salat, danach Rindsrahmragout mit Spätzli und Kürbis, zum Abschluss Rotweinzwetschgen mit Glace – bis auf Letzteres ist alles hausgemacht. Gegen die Leere am Esstisch Auf die Swiss Tavolata gestossen ist Maya Bücheler, als sie in der «Bauernzeitung» eher zufällig ein Kleininserat entdeckte, in dem Gastgeberinnen gesucht wurden. «Da hat es bei mir gleich klick gemacht», sagt sie. «So etwas – etwa eine Besenbeiz – schwebte mir schon lange vor.» Denn einen Tisch voller Leute, das vermisse sie halt ein bisschen: «Ich bin in diesem Haus aufgewachsen, da waren immer sieben Leute am Tisch, oft auch noch Gäste», sagt sie. «Nun werden die Kinder grösser, und die Familie schrumpft immer mehr …» Nach dem Besuch einer Informationsveranstaltung des neu gegründeten Vereins Swiss Tavolata besiegelte sie die Zusammenarbeit vertraglich; allerdings musste sie ihre Kochkünste bei einem Testessen noch unter Beweis stellen. Das fand sie «schon etwas komisch», denn sie koche ja schon «sehr lange, sehr gerne und mit sehr viel Herzblut». Förderung des Regionalen Den Absatz von saisonalen Produkten des eigenen Hofes und aus der Region zu fördern, ein Zusatzeinkommen für Bäuerinnen und Landfrauen zu generieren und «authentische» Schweizer Gastfreundschaft erlebbar zu machen, das sind die erklärten Ziele des Vereins. Die Vorgabe an die Gastgeberinnen lautet denn auch, dass drei Viertel der Produkte vom eigenen Betrieb oder aus der ­Region stammen müssen. Dies ist bei Maya Bücheler klar gegeben, da sie «eigentlich fast alles» vom Hof ihres Bruders beziehen kann: Mais, Lauch, Zucchetti, Tomaten, Rüebli, Salat. Das Fleisch stammt vom Aentschberghof in Bas­sersdorf (den die Familie ihrer Cousine bewirtschaftet) und die Eier werden sogar noch bei ihr «vor Ort» gelegt, denn die Hühner sind bei ihr in Kloten geblieben. Im Kachelofen prasseln und knacken munter die Scheiter, richtig gemütlich ist es in der Küche des Bauernhauses. Maya Bücheler hantiert mit Geräten und Pfannen – und ist dabei die Ruhe selbst. Zwischendurch delegiert sie Arbeiten an ihre Tochter. Und diese streicht auf einer Liste laufend ab, was erledigt ist, oder mahnt, etwa wenn etwas in den Ofen geschoben werden sollte. «Ich bin ein bisschen chaotisch», sagt die Mutter lachend über sich selber – dieser Eindruck entsteht jedoch überhaupt nicht. Trotzdem hat sie zweifellos eine scharfäugige Assistentin zur Seite. Erinnerungen an früher Da die Buchung über die Website von Swiss Tavolata erfolgt, weiss Maya Bücheler nicht, wer sich heute Abend an ihren Tisch setzen wird. Fünf Personen werden es sein, und eine von ihnen feiert Geburtstag. Wegen der Koope­ration von Swiss Tavolata mit Schweiz Tourismus und der Nähe zum Flughafen könnten es auch ausländische Touristen sein. Punkt sieben Uhr läutet es: Die Gäste sind da – aber Klaus, Caroline (das Geburtstagskind), Dario, Sandra und Marco stammen alle aus der Region Zürich. Für das neue Angebot haben sie sich entschieden, weil sie risikofreudig sind und an ihrem Geburtstag «mal etwas Spezielles ausprobieren» wollten. «Das Angebot weckte bei uns Kindheitserinnerungen, denn wir haben eine bäuerliche Verwandtschaft», erzählt Caroline. «Auch fanden wir es schöner, unter uns zu sein und nicht in einem Restaurant.» Dort sei man zudem schon des Öfteren enttäuscht worden, weil man spürte, dass das Essen vor­fabriziert war: «Man muss es doch selber machen!», entsetzt sich Klaus, der selber Koch ist, und Marco doppelt nach: «Mir fällt auf, dass im Ausland auch in ganz normalen «Beizen» viel besser – nämlich frisch – gekocht wird», sagt er, «Man hat den Eindruck, dass hier die Identifikation mit dem Beruf und der Berufsstolz verloren gegangen sind.» Umso mehr loben sie das selbst gemachte Früchtebrot, das sie zum Apéro genossen haben. Fröhliches Gelächter und an­geregte Gespräche ertönen anschliessend bei der Vorspeise in der gemütlichen Bauernstube. Und auch danach zeigen sich die Gäste rundum zufrieden: «Schon farblich war es sehr anmächelig, und dass der Nüsslisalat aus dem eigenen Garten stammt, das schmeckte man», lobt Caroline. «Auch der rohe Randensalat war exzellent, genau wie die Quiche.» Dabei kommt da noch einiges: Der Hauptgang schmort im Ofen – und duftet bereits höchst verführerisch.

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