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Al-Sisi auf dem Weg zum Pharao

Kairo. Ägyptens heimlicher Herrscher Abdel Fattah al-Sisi möchte nun auch offiziell Präsident werden. Die Wahl dürfte er spielend gewinnen – die eigentlichen Probleme beginnen erst danach.

Der Bräutigam hat endlich Ja gesagt. So könnte man die Ankündigung des ägyptischen Armeechefs Abdel Fattah al-Sisi beschreiben, bei der kommenden Präsidentschaftswahl anzutreten. Monatelang hatte das Militär in Zusammenspiel mit den staatlich gelenkten Medien die Spekulation um Sisis Zukunftsabsichten als Tanz zweier Verliebter inszeniert. Plakate mit dem Armeechef als siegreichem Feldherrn, der mit der Prinzessin auf dem Schoss in den Sonnenuntergang reitet, schmückten die Strassen in Kairo. Die Prinzessin, ein Symbol fürs ägyptische Volk, umgarnte den General mit regelmässigen Massenkundgebungen. Sisi zierte sich zwar etwas länger als im Drehbuch vorgesehen, am Mittwochabend zur besten Sendezeit hatte das Warten dann aber ein Ende: «In aller Bescheidenheit bewerbe ich mich um die Präsidentschaft», liess er in einer aufgezeichneten Rede wissen. «Ich stehe heute das letzte Mal in Militäruniform vor Ihnen.»

Breite Unterstützung

Ein Hochzeitstermin steht zwar noch nicht, soll aber in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden. In die Abstimmung wird Sisi als haushoher Favorit gehen. Als einflussreichste In­sti­tu­tion des Landes hat die Armee Sisi schon vor Wochen zu ihrem Kandidaten ausgerufen. Dass dieser nun seine Uniform an den Nagel hängt, um wie von der Verfassung vorgeschrieben als Zivilist anzutreten, ändert daran wenig. Auch zahlreiche Wirtschaftsgrössen sowie die zwei wichtigsten religiösen In­sti­tu­tio­nen des Landes – die sunnitische Al-Azhar-Universität sowie die koptisch-orthodoxe Kirche – haben sich offen für Sisi ausgesprochen. Und die Medien gefallen sich ohnehin seit Monaten in der Rolle der Armee-Cheerleader.

Die wichtigste Oppositionsgruppe, die islamistische Muslimbruderschaft, ist ausser Gefecht gesetzt und will die Wahl boykottieren. Seit Sommer des vergangenen Jahres töteten Sicherheitskräfte landesweit Schätzungen zufolge etwa 2000 islamistische Demonstranten und nahmen über 15 000 fest. Dem ehemaligen Präsidenten Mohammed Mursi, den Sisi im Juli 2013 durch einen Armeeputsch aus dem Weg räumte, wird derzeit der Prozess gemacht. Erst am Montag verurteilte ein Gericht ausserdem 529 Mursi-Anhänger zum Tod.

Vage Versprechen

Stunden vor seiner Ansprache hatte Sisi noch einige Personalrochaden in der Armee durchgeführt. Mit Sedki Sobhi als neuem Verteidigungsminister installierte er einen engen Weggefährten an der Spitze der Streitkräfte. Zu seinem politischen Programm hat sich Sisi bislang nicht geäussert. In seiner 13-minütigen Ansprache am Mittwochabend blieb er vage. Amr Mussa, ein liberaler Politiker mit engen Beziehungen zu Sisi, teilte mit, dass die Bekämpfung der Armut oberste Priorität für den Armeechef habe. Mussa versicherte ausserdem, dass sich Sisi nicht in einen neuen Diktator verwandeln werde. Eine echte Alternative zu Sisi ist nicht in Sicht. Als bislang einziger Herausforderer hat der linksrevolutionäre Hamdin Sabahi seine Kandidatur bekannt gegeben. Sabahi schielt vor allem auf die Stimmen der jüngeren Wähler, die einen Präsidenten ohne militärischen Hintergrund bevorzugen. Experten trauen ihm aber bestenfalls einen Achtungserfolg zu.

Die eigentliche Herausforderung für Sisi dürfte erst nach der Wahl beginnen: Ägypten durchlebt gerade seine schwerste wirtschaftliche Krise der vergangenen Jahrzehnte, Arbeitslosigkeit und Inflation sind auf ein Rekordhoch geklettert. Viele Ägypter erwarten von ihrem künftigen Staatsoberhaupt nichts weniger als Wunder.

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