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Am grossen Ziel

Nach einem 2:2 und einem 4:1 im Elfmeterschiessen gegen die Tottenham Hotspurs ist der FCB erstmals in seiner Vereinsgeschichte Halbfinalist in einem Europacup-Wettbewerb.

Alex Frei, der am Sonntag gegen den FC Zürich seine Karriere als Spieler abschliesst, war acht Minuten vor Schluss der Verlängerung, die Tottenham kurz vor Schluss mit seinem 2:2 erzwungen hatte, eingewechselt worden. Vielleicht würde ja ihm noch das Siegestor gelingen – auf jeden Fall könnte er in einem Elfmeterschiessen hilfreich sein. Das mochte sich FCB-Trainer Murat Yakin in jenen Momenten gedacht haben. Nach einer torlosen Verlängerung kam es dann auch zum Elfmeterschiessen, aber nicht mehr zum Eingreifen Alex Freis. Der war als letzter Schütze vorgesehen, aber einen fünften Schützen brauchten die Basler nicht mehr für den grössten internationalen Erfolg ihrer Klubgeschichte. Denn es verwerteten ihre ersten vier Schützen allesamt souveräm. Fabian Schär, Marco Streller, Fabian Frei und Marcelo Diaz. Auf der andern Seite aber scheiterte der erste Schüze, Tom Huddlestone, am Spezalisten Yann Sommer und es drosch der dritte, Emmanuel Adebayor, den Ball weit über die Latte. Also hat der Schweizer Fussball erstmals seit 35 Jahren, seit den Grasshoppers im Uefa-Cup, wieder einen Europaup-Halbfinalisten. Noch zehn Minuten vor Ende der regulären Spielzeit hatte fast alles danach ausgesehen, als sei der FCB auf bestem Weg, sein grosses Ziel zu erreichen – und dies verdientermassen. Noch immer führte er 2::1, nachdem er einen frühen Rückstand korrigiert hatte. Zwar hatten die physisch eher stärkeren Londoner zugesetzt. Aber die Verhältnis der Spielanteile entwickelte sich gewiss auch deshalb zugunsten der Briten, weil sich die Basler zunehmend dar­auf verlegt hatten, den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Zehn Minuten ... Und wäre es noch zehn Minuten länger bei diesem 2:1 geblieben, hätte man guten Gewissens bilanzieren können, es habe sich mit dem Schweizer Meister die in 180 Minuten bessere Mannschaft qualifiziert. Die Basler hatten beispielsweise auch fertig gebracht, jenen Rückschlag wegzustecken, den ihnen ihr in letzter Zeit so sehr gerühmte österreichische Innenverteidiger Aleksandar Dragovic eingebrockt hatte. Dragovic wollte einen Steilpass auf Tottenhams Amerikaner Clint Dempsey, den Vertreter des verletzten Stars Gareth Bale, etwas gar leichtfertig unterbinden. Das missglückte grandios, Dempsey konnte alleine auf Yann Sommer zulaufen und den Ball ins verlassene Tor schieben. Aber nur vier Minuten später waren die Basler wieder im Vorteil, nach einer Balleroberung Mohamed Elnenys mitten in der Londoner Platzhälfte und einem schnellen Zuspiel Marco Strellers kam Mohamed Salah in die Position, in der er an der White Hart Lane wiederholt gewewsen war und die er nie hatte nutzen können. Wieder also stand der schnelle Ägypter alleine vor dem US-Veteranen Brad Friedel (im Mai 42) im Tor der «Spurs»; und diesmal nutzte er seine Chance, als wäre das für einen wie ihn das normalste der Welt. Fortan war der FCB zwar nicht die ganz so dominante Mannschaft wie zeitweise während des Hinspiels. Aber er war doch stark genug, wieder erkennen zu lassen, dass er gut genug war, diesem prominenten Gegner Paroli zu bieten. Die Basler hatten vor allem in der Offensive die wirkungsvolleren, die schnelleren Spieler, mit einem sehr starken Streller, einem sehr starken Valentin Stocker, aber auch Salah. Und sie hatten in der Defensivarbeit erneut einen Fabian Frei, der die Rolle des «Sechsers» in diesem 4-1-4-1 sehr ballsicher interpretierte. Ganz auf dem Weg zum Triumph wähnte man die Basler dann ab der 49. Minute, als – ausgerechnet – Dragovic gar das 2:1 gelungen war. Nach einem Eckball Stockers, den Fabian Schär mit dem Kopf verlängert und Friedel abprallen lassen hatte, nutzte der Österreicher den Rebound. Das war viel wert, denn ohne Bale schien den Londoner doch jene Qualität in der Offensive zu fehlen, die sie zu einer entscheidenden Reaktion befähigen würde. Die «Spurs» spielten zwar insgesamt etwas stabiler als an der heimischen White Hart Lane und der FCB brillierte auf Dauer nicht in jenem Masse, aber man begann doch immer mehr mit dem Erfolg der Basler zu rechnen. Immerhin, in einer Beziehung überzeugten die Briten – mit ihrer Kampfkraft, ihrem physischen Vermögen. Also kamen jene letzten Minuten der regulären Spielzeit, in der sie überlegen wurden – und in denen den Baslern nach der wenig zwingenden Auswechslung Stockers durch den Defensivspieler Markus Steinhöfer auch ein wichtiger Wert für die Entlastung zu fehlen begann. Und so begab sich dann in der 82. Minute, dass Dempsey dem in diesem Moment unaufmerksamen Park enteilte und aus spitzem Winkel ausglich. Die Verlängerung liess sich also nicht vermeiden, immerhin brachte die 90. Minute den Baslern doch noch einen Vorteil: Tottenhams belgischer Innenverteidiger Jan Vertonghen wurde nach einer Notbremse an Streller vom Platz gestellt. Ein Mann in Überzahl reichte dann auch, dass die Basler die Overtime klar beherrschten und dem wohl entscheidenden 3:2 näher kamen. Aber es fiel nicht; zu viel war das zweite Tor, das die Basler im 12. Heimspiel unter Murat Yakin kassiert hatten, nach elf Matches ohne Gegentreffer. Das Ende aber – nach den Elfmetern – war dann doch glücklich. Und dies vor der Muttenzerkurve ...

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