Ballett

Am schönsten sind die Momente, in denen sie sich völlig vergessen kann

Naomi Kamihigashi tanzt im Stück «Hieronymus B.», das vom Maler Hieronymus Bosch inspiriert ist. Die Dance Company Nanine Linning gastiert damit im Theater Winterthur.

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Nicht zum ersten Mal tanzt Naomi Kamihigashi (kleines Bild) auf der Bühne des Theaters Winterthur. Doch diesmal ist es anders. Denn der Tanz ist nicht mehr nur eine lustvolle Freizeitbeschäftigung für die Winterthurerin, sie hat ihn zu ihrem Beruf gemacht. Kamihigashi ist heute bei der Dance Company Nanine Linning am Theater Heidelberg engagiert, ihre Tournee mit dem Stück «Hieronymus B.» führt die 25-jährige Tänzerin zurück nach Winterthur. Sie freut sich besonders, für das hiesige Publikum zu tanzen, das ihr vermutlich sehr vertraut sein wird: Ihre Mutter habe schon vor einem Jahr begonnen, Werbung für das Stück zu machen.Dass Kamihigashi Tänzeringeworden ist, hat sie auch ihrerFamilie, allen voran ihrer Mutter Ursula, zu verdanken. Diese schickte sie als Vierjährige ins Aha!-Studio für Tanz und Bewegung. Dort habe sie ihre Freude an der Bewegung ausleben können, sagt die Tänzerin.

Konfliktsituationen aushalten

Als Kind trainierte sie auch in der Geräteriege und machte Sport­akrobatik. Das mehrfache Engagement führte zu Konflikten mit Trainern und Lehrern, etwa wenn Tanzvorstellungen und Trainingslager zur selben Zeit stattfanden. «Diese Auseinandersetzungen endeten hin und wieder in Tränen», erinnert sich Kamihigashi.

Im Alter von elf Jahren entschied sie sich, ihre Leidenschaft für den Tanz auf professionellem Niveau weiterzuverfolgen. Sie pendelte nach Zürich, um an der Ballettschule für das Opernhaus zu trainieren, und besuchte das Kunst- und Sportgymnasium Rämibühl. Damit stiegen die schulischen Anforderungen – sie musste Prioritäten setzen. Kamihiga­shi entschied sich für den Tanz und gegen das Turnen.

Nach der Maturität im Sommer 2012 war sich Kamihigashi allerdings nicht mehr sicher, ob sie wirklich eine Laufbahn als Tänzerin wagen sollte. Die japanisch-schweizerische Doppelbürgerin nahm sich eine Auszeit und wohnte für sieben Monate bei ihrem Vater in Japan. Um erste Arbeitserfahrungen zu sammeln, wurde sie Flugbegleiterin. Nach zwei, drei Jahren ohne Tanzen merkte sie aber, wie sehr sie es vermisste.

Also kontaktierte sie ihre ehemalige Tanzlehrerin am Opernhaus, Denise Lampart, welche ihr anbot, bei sich zu Hause zu trainieren. Lampart wusste, dass ein Studienplatz im neuen Studiengang «Bachelor in Contemporary Dance» an der Zürcher Hochschule der Künste frei geworden war, und schlug Kamihigashi als Studentin vor. Sechs Wochen nach dem Gespräch mit dem Direktor der Tanzabteilung war sie zurück im Tanzstudio.

Im zweiten Studienjahr wurde ihr von der Choreografin Nanine Linning ein einjähriges Praktikum in Heidelberg angeboten. «Von da an war ich überzeugt, dass ich das Tanzen zum Beruf machen kann», sagt Kamihigashi. Heute ist sie festes Mitglied der Company.

Grosse Momente

Sie habe lernen müssen, wie wichtig es sei, dem Körper Sorge zu tragen und ihm auch Ruhe zu gönnen. «In diesem Job sind Schmerzen leider kaum vermeidbar, weil die körperlichen Belastungen gross sind.» In schwierigen Momente helfe ihr die Unterstützung durch Freunde und Familie.

Die schönsten Momente seien jene, sagt Kamihigashi, in denen sie sich völlig vergesse und sich so frei fühle, dass sie ihren Kollegen zuschauen und gleichzeitig selbst voll Elan tanzen könne. «Diese Momente sind so gross, dass ich sie nicht begreifen kann, sie geben mir ein Gefühl, dass es um etwas Grösseres geht. Dieses Gefühl ist die grösste Belohnung.» In «Hieronymus B.» sei das zu Beginn des zweiten Teils der Fall, wenn sich alle unter einem Baum einfinden: «Sobald die Musik erklingt, spüre ich von der ganzen Gruppe, dass wir uns nicht mehr auf dieser Erde befinden.» Die fantastischen Bühnenrequisiten, die Musik und die Kostüme schaffen eine aufregende Atmosphäre, in der Publikum und Darsteller in die Welt der Engel und Dämonen eintauchen und sich im Tanz verlieren.

Dienstag/Mittwoch, 19.30 Uhr, Theater Winterthur. (Der Landbote)

Erstellt: 27.05.2018, 17:39 Uhr

Theater Winterthur

Nanine Lining

Die junge Niederländerin Nanine Linning zählt zu den spannendsten Choreografinnen der Gegenwart. Für ihre Berner Produktion «Requiem» wurde sie 2015 mit dem Schweizer Tanzpreis ausgezeichnet. Ihr Stück «Hiernoymus B.» wird im Theater Winterthur in der Reihe «Winterthur fliegt» gezeigt, in der zum Ende der Saison vier internationale Produktionen zu sehen sind. Den Abschluss macht am Freitag und Samstag das Wiener Burgtheater mit der Komödie «Das Konzert» von Hermann Bahr. dwo

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