Zum Hauptinhalt springen

An den Emotionen gescheitert

Kommentar von Fabio Mauerhofer Das Portemonnaie allein entscheidet noch lange keine Fusionsabstimmung. Die Gefühle sind mindestens so wichtig. Dies hat die Abstimmung über den Fusionsvertrag in Schlatt und Hofstetten gezeigt. Rein sachlich gesehen, sprachen nämlich keine Argumente gegen einen Zusammenschluss. Ganz im Gegenteil: Beide Seiten hätten davon profitiert. Die Partner wären sich auf Augenhöhe begegnet. Es wäre ein beispielhaftes Geben und Nehmen gewesen. Schlatt hätte seinen grossen Schuldenberg abbauen können, Hofstetten wäre die Sorge eines «Horror­steuerfusses» los gewesen. Der Regierungsrat war bereit, 2,4 Millionen Franken für den Zusammenschluss zu zahlen. Für alle Beteiligten war allerdings klar, dass dies nur ein erster Schritt in Richtung einer nachhaltigen Stärkung der Gemeindelandschaft im Eulachtal sein kann. Die Behörden konnten zwar den Beweis erbringen, dass auch zwei arme Gemeinden im Verbund überlebensfähig sind – zumindest für eine gewisse Zeit. Sie haben es aber verpasst, die Bevölkerung genug früh in den Fusionsprozess einzubeziehen. Zumindest die Hofstetter Stimmbürger haben es nicht goutiert, dass ihnen eine fixfertige Vorlage serviert wurde. Mit einer zweifelhaften Kam­pa­gne haben die Gegner die Diskussion auf die emotionale Ebene verlagert. Immer wieder haben sie die starke Verbindung zwischen Hofstetten und Elgg ins Spiel gebracht. Dies hat den Fusionsplänen letztlich das Genick gebrochen. Die Mehrheit der Hofstetter Stimmenden haben Schlatt als Partner abgelehnt. Damit hat man sich allerdings auch eine gute Verhandlungsposition verspielt. Hofstetten wird in keinem Verbund mehr ein gleichberechtigter Partner sein. Dass sich die Gemeinde bewegen muss, daran zweifeln selbst die Gegner nicht. Es ist aber ein absoluter Irrglaube, dass Elgg nur auf Hofstetten gewartet hat. Für die Talgemeinde bringt ein Zusammenschluss nur Nachteile. Dass es Zeit braucht, bis eine Fusion in den Köpfen reift, zeigt sich am Beispiel von Kyburg. Dort stemmte sich die Exekutive lange gegen eine Veränderung. Erst heftige Kritik aus der Bevölkerung führte bei der Behörde zum Umdenken. Die Fusionsdiskussion wurde dar­auf neu aufgegleist. Der Gemeinderat stellte zuerst die Grundsatzfrage. Nun sind die Kyburger bereits weiter: Ihnen ist bewusst, dass sie bei einem Zusammenschluss kein grosses Mitspracherecht haben.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch