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An der Schnittstelle

Szene, Klang, Wort und Bewegung, das ist alles das Theater am Gleis. Das neue Saisonprogramm ist eine Verheissung. Und lässt auch die Vergangenheit eines Hauses neu entdecken.

Seit einem Jahr führt Marina Santella das Sekretariat des Theaters am Gleis, und es ist eigentlich nicht besonders üblich, dass eine Mitarbeiterin des Backoffice das Wort an einer Pressekonferenz erhält. So ist es aber gestern zur Saisonvorschau gewesen, und Marina Santella sagte, sie habe schon gestaunt, was hier alles in einer Spielzeit auf die Beine gestellt werde, dies mit den Mitteln, die dem Haus zur Verfügung stehen: «In Zürich gibt es das nicht.»

Zürich steht für: Kleine Gruppen haben dort keine Möglichkeiten, sich zu präsentieren, die Stars der Zürcher Szene bekommen immer den Vorzug. Im Theater am Gleis ist das aber ein bisschen anders, es ist ein offenes Haus, immer offen für das Neue – und das seit mehr als dreissig Jahren. Kontinuität im Wandel, das ist hier das eigentliche Programm, Platz hat es da für grosse und kleine Sachen: für neue Musik, für zeitgenössischen Tanz, für das Theater der Gegenwart. Und auch Künstlerinnen und Künstler, deren Weg in die Zukunft erst begonnen hat, finden hier ihren Ort. Das Gleis bietet ihnen eine erste Heimat.

Wahrheit und Zerstückelung

Florian Toberer ist so ein Künstler, der seit seinen Anfängen vom Theater am Gleis gefördert wurde. In Winterthur ist er aufgewachsen, in Brüssel hat er sich zum Tänzer ausbilden lassen. Und noch bevor eine Produktion von ihm auf der Bühne zu sehen war, bekam er schon einen Förderbeitrag des Theaters am Gleis. Das Risikokapital war gut investiert. «Aussenseiter Häuser» war ein faszinierendes Debüt, ein Theater mit einer ganz eigenen Bildersprache, und mit «Ein Gescheiter» setzte Florian Toberer im Gleis seine Suche nach anderen Ausdrucksformen fort. Jetzt kommt sein neues Projekt «In Lügen die Wahrheit und Zerstückelung» im Oktober im Theater am Gleis auf die Bühne, es ist wieder ein Stück an den Schnittstellen der Kunst: mit Bewegung, Musik, Video und Sprache.

Neu im Theaterprogramm ist auch das Stück «Tod meiner Stadt» von Daniela Janjic, die 2010 mit dem Carl-Heinrich-Ernst-Preis ausgezeichnet wurde, es ist die Weiterentwicklung von «Der Fremde ist nur in der Fremde fremd». Die Schriftstellerin, die in Bosnien und Herzegowina aufgewachsen und in den Neunzigerjahren nach Winterthur gekommen ist, beschreibt hier eine Familie, die durch den Krieg auseinandergerissen wurde. «Umsetzung noch offen», steht in der Vorschau für das Förderprojekt.

Komplett durchprogrammiert ist aber schon der erste Teil der Saison. Gleich zu Anfang gibt es zwei Premieren im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters. Das Theater Katerland zeigt «Der fliegende Koffer» nach dem Märchen von Hans Christian Andersen (ab sechs Jahren) und das Junge Theater bringt schwerere Kost: «Die schwarze Spinne» nach Jeremias Gotthelf. Zum Beginn gehört auch eine Zürcher Dernière: Die Schauspielerin und Sängerin Cornelia Montani und der Klarinettist Daniel Schneider verabschieden sich in Winterthur von ihrem sehr schönen Stück «New York einfach».

Im Transitland

Das erste Tanzstück ist dann «Noru Ka Soru Ka – Take the Leap», ein Projekt zweier japanischer Bewegungskünstler zusammen mit dem amerikanischen Gitarristen Mike Nord und dem Zürcher Schlagzeuger Georg Hofmann. Der Tanz steht überhaupt in dieser Saison im Zeichen des Transits. Zu sehen sind unter anderem die Lausanner Compagnie Utilité Publique und die Zürcherin Brigitta Schrepfer mit ihren Stücken «Eigenbrötler und Les amuse bouches». Auch ein Jubiläum ist im Gleis zu feiern: Zehn Jahre ist Solodanza in Winterthur am Werk. Der Stücktitel heisst: «Toast – Die Effizienz oder ist Minimalismus genug?» – mit der Anmerkung: «Weitere Infos folgen».

Zu entdecken ist viel in dieser Saison, auch der Bereich der Musik (siehe unten). Am Schluss werden mehr als hundert Vorstellungen zusammengekommen sein. «So etwas gibt es nicht in Zürich», hat Marina Santella gesagt. Aber gleich nach Winterthur zügeln will sie doch nicht. Der Grund: «Eine zu gute Wohnung.»

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