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An der Schule Wiesendangen rumort es

Erneut verlässt wichtiges Personal die Oberstufe Wiesendangen: der Schulleiter und zwei langjährige Lehrer. Vielen Eltern reicht es. Sie äussern ihre Kritik nun laut und öffentlich.

Es ist etwas faul an der Oberstufe Wiesendangen. Erneut verlassen drei wichtige Personen die Schule: Schulleiter Matthias Gutmann wird Wiesendangen bereits nach einem Jahr wieder verlassen. Er wird Leiter einer Sonderschule in Graubünden. Neben ihm haben auch zwei langjährige und beliebte Sek-B-Lehrer gekündigt. Der eine unterrichtete 10 Jahre in Wiesendangen, der andere 17 Jahre.

Erst ein Jahr zuvor war eine richtige Kündigungswelle über die Schule hinweggeschwappt: Zwölf Lehrpersonen hatten die Gemeinde verlassen. Neun davon waren an der Oberstufe tätig. Bei rund 18 Stellen entspricht das einer Fluktuation von 50 Prozent. Laut Schulexperten liegen 10 bis 15 Prozent in einem normalen Rahmen.

Nun haben etliche Eltern genug und treten mit ihrer Kritik an die Öffentlichkeit, Conny Häne zum Beispiel, Mutter zweier Oberstufenschüler. Sie ist besorgt um die Qualität der Sekundarschule. «Die vielen Wechsel können nicht gut sein», sagt sie. Die Kritik aus den Reihen der Eltern trifft ausschliesslich Schulpflege, -leitung und -verwaltung. Im Zen­trum steht nicht ein Hauptvorwurf, sondern es sind einzelne Ärgernisse, die in der Summe auf die Stimmung drücken. Sie betreffen die gesamte Schule, aufgebrochen ist der Konflikt aber an der Oberstufe. Die Vorwürfe der Eltern werden von aktuellen und ehemaligen Lehrpersonen und Angestellten der Schule geteilt. Die meisten möchten anonym bleiben.

«Lehrerzimmer-Verbot»

Einer, der kein Blatt mehr vor den Mund nimmt, ist Jürg Stutz. Der Reallehrer ist seit fünf Jahren in Pension und erzählt: «Nachdem ich an der Gemeindeversammlung vom Juli dem Schulpräsidenten Fragen zu den vielen Abgängen gestellt hatte, wurde ich gebeten, das Lehrerzimmer nicht mehr zu betreten.» Vorher hatte er seine Ex-Kollegen dort ab und zu besucht.

Die Vorwürfe an die leitenden Gremien – die Schulpräsident Ueli Christen bestreitet (siehe Interview) – lassen sich in folgende Punkte gliedern:

KEigenmächtiges Handeln: Schulpflege und -verwaltung handelten eigenmächtig und würden Lehrerinnen und Lehrer zu wenig in Entscheidungen miteinbeziehen, heisst es. Dies sogar auch, wenn es sich um pädagogische Fragen handle. Als es um den Wechsel zu einem neuen Schulmodell ging, habe die Schulpflege sich gegen den Wunsch der Lehrerschaft für gemischte A/B- und B/C-Klassen entschieden.

Die Eltern fühlten sich ebenfalls nicht ernst genommen, sagt Jasmin Wuhrmann, Mutter zweier Primarschulkinder. Im Herbst entschied die Schulpflege nach einer konsultativen Umfrage, die Sportferien 14 Tage nach vorne zu schieben. Eine knappe Mehrheit hatte Ja gesagt zur Verschiebung. Wuhrmann war empört, vielen sei die Wichtigkeit der Umfrage nicht klar gewesen. Sie sammelte über 200 Unterschriften und forderte eine Abstimmung. «Es sollten auch Eltern künftiger Schulkinder mitreden können.» Die Schulpflege liess sie jedoch abblitzen.

KKritikunfähigkeit: Sah sich die Schulpflege in der Vergangenheit mit Kritik konfrontiert, verpasste sie nicht n ur Lehrpersonen, sondern auch Eltern einen Maulkorb, etwa als sich eine Mutter nach dem Grund der Kündigungswelle erkundigte.

KMachtballung: Die Schulverwalterin habe zu viel Macht, heisst es von Lehrpersonen und Eltern. Sie rede auch in pädagogischen Fragen wie der Klasseneinteilung mit.

KIntransparente Kommunikation: Eltern und Lehrpersonen reagierten irritiert, als sie aus der Zeitung «Südostschweiz» erfuhren, dass Schulleiter Matthias Gutmann eine neue Stelle im Bündnerland antritt. Auch dass alle Kinder künftig unabhängig von ihrem Wohnort in Schulhäuser eingeteilt werden, kommunizierte die Schulpflege über die Medien. Viele Eltern waren empört.

Schulpräsident Ueli Christen räumt ein, dass der Schulpflege bei der Mitteilung von Schulleiter Matthias Gutmanns Kündigung ein Fehler passiert ist. Sonst versuche sie aber «offen und transparent zu kommunizieren».

Lehrpersonen und Eltern sind enttäuscht, dass die Leitung der Schule Wiesendangen gute Lehrpersonen einfach ziehen lässt. Die vielen Wechsel würden für sich sprechen, sagt eine Insiderin. Unter Lehrern, die eine Stelle suchten, habe Wiesendangen bereits einen schlechten Ruf.

Auch Mutter Conny Häne fürchtet um das Image der Schule, wenn auch mehr für ihre Kinder. «Früher bedeutete es etwas, wenn man in Wiesendangen die Oberstufe besucht hatte, heute nicht mehr.» Auch Jasmin Wuhrmann sagt: «Ich ging hier selbst zur Schule, die einen guten Ruf hatte. Den hat sie seither definitiv verloren.»

Nicht zuletzt hat die Unruhe an der Sekundarschule einen negativen Einfluss auf Schülerinnen und Schüler. Offenbar haben einige von ihnen deswegen selbst das Gespräch mit dem Schulsozialarbeiter gesucht. Jugendarbeiter Andi Petro sagte kürzlich ge­gen­über dem «Wisidanger», er habe gespürt, dass die vielen Wechsel die Jugendlichen beschäftigten.

Christen tritt 2014 nicht mehr an

Wie sich die Si­tua­tion an Wiesendangens Oberstufe konkret verbessern liesse, vermögen nur wenige der Kritiker zu sagen. Eine Lehrperson, die Wiesendangen verlassen hat, sagt: «Es braucht eine Schulpflege, die für das Wohl der Kinder handelt.» Eltern wie Häne und Wuhrmann haben den Schritt an die Öffentlichkeit auch deshalb gewagt, weil sie die Wiederwahl zumindest einiger Schulpfleger im Frühling 2014 in Frage stellen wollen.

Schulpräsident Ueli Christen wird ohnehin nicht mehr antreten. Zwölf Jahre seien genug, sagt er.

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