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An Monza scheiden sich die Geister

Am 65. Grossen Preis von Italien werden im königlichen Park von Monza erstmals wieder Höchstgeschwindigkeiten von über 350 km/h erwartet.

Die Geschichte des Autodromo di Monza ist noch nicht fertig geschrieben. Der jetzt 5,7 Kilometer langen Rennstrecke droht nach dem Ablauf mehrerer Fristen nicht zum ersten Mal die Elimination aus dem Formel-1-Kalender. Der 2015 auslaufende Vertrag der Betreibergesellschaft mit Bernie Ecclestone ist noch nicht verlängert worden, weil die Italiener trotz grosser Zugeständnisse den finanziellen Verpflichtungen nicht immer nachgekommen sind und zudem die Infrastruktur in und um den faszinierenden Motorsporttempel in der Lombardei längst nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. Eine Interessengruppe um den früheren Grand-Prix-Fahrer Ivan Capelli bemüht sich jetzt, Ordnung ins bisherige Chaos und alle Parteien an den Verhandlungstisch zu bringen, um die Tradition längerfristig wahren zu können. An diesem Wochenende wird in Monza bereits zum 64. Mal um Formel-1-WM-Punkte gekämpft. Mit Ausnahme der Saison 1980, in der Imola den Vorzug bekam, ist der Hochgeschwindigkeitskurs seit dem WM-Start 1950 immer als GP von Italien berücksichtigt worden. Mit rund 70 Prozent Vollgasabschnitten, zwei DRS-Zonen und extrem harten Bremsmanövern bieten sich hier mehr Überholmöglichkeiten als andernorts. Da in der abschliessenden Parabolica im Interesse der Sicherheit als einzige richtige Investition das bisherige Kiesbett durch asphaltierte Fluchtwege ersetzt wurde, werden sich die Fahrer dort noch näher an die physikalischen Grenzwerte herantasten. Schneller als überall Die derzeitigen Rekorde sprechen Bände: Juan Pablo Montoya ist 2005 im McLaren-Mercedes am Ende der Zielgeraden mit 372,6 Stundenkilometern gemessen worden und hat ein Jahr zuvor im Williams-BMW mit 262,2 Stundenkilometern auch den höchsten Rundenschnitt erreicht. Das höchste Durchschnittstempo über die ganze Renndistanz schaffte Michael Schumacher 2003 im Ferrari mit 247,6. An diesen Bestleistungen wird diesmal nicht gerüttelt, die Techniker erwarten aber mit den neuen Turbo-Hybrid-Antriebssystemen markant höhere Spitzengeschwindigkeiten als im Vorjahr. Werte bis 355 werden aber nur den Piloten mit Mercedes-Power zugetraut. Alle Topspeedmessungen dieser Saison gehen auf ihr Konto. Die nach dem Zwischenfall in Francorchamps zur Räson gebetenen Mercedes-Werksfahrer Lewis Hamilton und Nico Rosberg waren erstaunlicherweise nur dreimal die Schnellsten. Sieben Bestleistungen gehen auf das Konto der Williams-Fahrer, bei den diese Zahlen nicht mit Ergebnissen übereinstimmen. Der erfahrene Felipe Massa war fünfmal der Schnellste, hat jedoch erst 40 Punkte auf dem Konto, der wesentliche jüngere Valtteri Bottas eroberte nur zwei Bestmarken, aber 110 Punkte. Je einmal am schnellsten gemessen wurden bisher Jan Magnussen im McLaren und Nico Hülkenberg im Force India, den beiden weiteren Mercedes-Kundenteams. Unter Erfolgsdruck Um den ganz speziellen Anforderungen gerecht zu werden, haben fast alle Teams neue Aerodynamikpakete nach Monza gebracht, die nachher nicht mehr benötigt werden. Das widerspricht zwar den verkündeten Sparbemühungen, ist aber unumgänglich für gute Resultate. Nach den zwei unerwarteten Erfolgen von Daniel Ricciardo und Red-Bull-Renault in Ungarn und Belgien und der dar­auf entstandenen Ursachenforschung steht das Mercedes-Duo unter Erfolgsdruck. Das Verhältnis zwischen dem derzeit mit 29 Punkten voraus liegenden, in den Social Media eher zurückhaltenden Nico Rosberg und seinem mit der Öffentlichkeit spielenden Widersacher Lewis Hamilton wird nie mehr dasselbe sein wie in den unbeschwerten Jugendjahren. Sie werden sich mindestens in den Startphasen künftig zwar nicht mehr im Wege stehen, dürfen aber weiter um den Sieg kämpfen – und so sind weitere peinliche Zwischenfälle nicht ausgeschlossen. Ihre grössten Gegner sind diesmal nicht bei Red Bull Racing auszumachen, obwohl Sebastian Vettel mit einem neuen Chassis den bisherigen Saisonverlauf vergessen machen will und entgegen den Befürchtungen auch noch nicht auf einen sechsten Renault-Motor zurückgreifen muss, der ihn zehn Startplätze kosten würde. Da die Streckenführung ihren extrem schnellen Fahrzeugen zusagen müsste, wollen die Williams-Piloten den durch die jüngsten Vorkommnisse verunsicherten Titelanwärtern den Kampf ansagen. Felipe Massas letzter Sieg liegt allerdings schon sechs Jahre zurück und der zuverlässigere Valtteri Bottas wartet nach zwei unerwarteten zweiten Plätzen in Silverstone und Hockenheim immer noch auf die Premiere. Kaum etwas mit dem Ausgang des 13. WM-Laufes zu tun haben wird wegen des aktuellen Triebwerk-Mankos Ferrari. Die Hoffnungen der längst nicht mehr in früherer Zahlen aufmarschierenden Tifosi ruhen trotz Kimi Räikkönens Saisonhöhepunkt in Spa allein auf den Schultern von Fernando Alonso, der trotz der aktuellen Schwäche und der lukrativen Abwerbungsversuche von McLaren und Honda bleiben will. Der Spanier hat 2010 für den ersten Heimsieg gesorgt und ist seither immer aufs Podest geklettert. Ausser ihm haben vom diesjährigen Startfeld nur Vettel dreimal und Hamilton einmal das traditionelle Bad in der Menge geniessen können.

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