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Ana Blandiana, Diktator Ceau?escu und der Kater Arpagic

Die Tschechoslowakei hatte Havel, Polen Wa?esa, und Deutschland hat Gauck. Rumänien aber hat Ana Blandiana. Zwar hat es die heute 72-Jährige am 27.Dezember 1989 abgelehnt, Vizepräsidentin zu werden. Ihre Unabhängigkeit zu bewahren, war ihr auch zwei Tage nach der Hinrichtung von Diktator Nicolae Ceau?escu wichtiger. In ihrer Heimat aber kennt jeder die populäre Schriftstellerin und streitbare Bürgerrechtlerin. Sie ist durch ihre Standhaftigkeit zur moralischen Instanz geworden. Nach 1989 wurde sie beim Aufbau der Zivilgesellschaft zu einer Schlüsselfigur. Und fast jeder in Rumänien kennt Arpagic, jenen von ihr 1988 in einem Kindergedicht erfundenen Kater, in dem sich Diktator Ceau?escu wiedererkannte und der ihr Publikationsverbot und andere Repressalien einbrachte. Ana Blandiana hat bisher über 30 Bücher veröffentlicht, ihre Romane, Erzählungen und Gedichte sind in 24 Sprachen übersetzt worden. Bereits 1982 wurde sie in Wien mit dem Herder-Preis ausgezeichnet. Im Gespräch erwähnt Blandiana auch düsterste Dinge mit einem entwaffnenden Lächeln. Sie kennt die Repression im Realsozialismus und die feineren Spielarten der Manipulation im Kapitalismus. Inzwischen gehört Rumänien seit 10 Jahren der Nato an und ist 2007 EU-Mitglied geworden. Ihre luzide Analyse der aktuellen politischen Lage in Europa und in Rumänien, wo Anfang November Präsidentschaftswahlen stattfinden, unterbricht Blandiana selbst immer wieder temperamentvoll durch Anekdoten aus ihrem Leben und durch Exkurse, die weit hinein in die Geschichte und in die Seele ihres Volkes führen. Im Rahmen der Rumänischen Kulturtage in Bern, die das Rumänische Kulturinstitut Berlin 25 nach der Wende organisiert hatte, war Blandiana kürzlich in der Schweiz. Geboten wurde in Bern dabei mit elf Veranstaltungen an fünf Tagen ein neugierig machender Querschnitt durch Film, Musik, Folklore und Literatur. asr

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