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Angeklagter Pornoproduzent versteht das Frauen-Quälen als Kunst

Er hat Frauen gefilmt, die er knebelte, quälte und einsperrte. Bis zur Lebensgefahr, zeigt die Strafuntersuchung; bis sie nein sagten, behauptet der Angeklagte. Das Bezirksgericht schliesst eine Persönlichkeitsstörung nicht aus und will es nicht bei einer milden Strafe belassen.

Er habe sich regelrecht zwingen müssen, diese Szenen anzuschauen, sagt der Gerichtspräsident zum Angeklagten. Und der gerichtsmedizinische Gutachter, der wahrlich schon viel Übles gesehen habe, brauchte bei der Visionierung längere Erholungsphasen. Zu krass war, was der Mediziner da sah. Die Anklageschrift gibt wörtlich wieder, was der heute 35-Jährige zwischen 2005 und 2009 im Tresor-Club beim Hauptbahnhof Winterthur trieb mit seinen «Damen», wie er sie nennt. Von Erstickungsgefahr, Bewusstlosigkeit, Stromstössen, Knebelung, Klarsichtfolie und vielem mehr ist die Rede. Vor Gericht erklärte der Angeklagte, Lebensgefahr bestehe bei diesen Spielen zu keinem Zeitpunkt. Im Vertrag mit den «Damen» werde jeweils festgelegt, wie weit man gehe, und stets werde ein «Safe Word» vereinbart, ein Code, wenn es der Gequälten zu viel wird: Chihuahua oder ror oder einfach Stopp. Er verhehlte indes nicht, dass er der Aktive war und freie Hand hatte, «aber stets im Einverständnis der Dame», beteuerte er. Und ja, er empfinde dabei Lust, «wenn die Dame auch Lust hat». Die Damen fand er auf einschlägigen Plattformen, 1200 Vereinbarungen habe er getroffen, 150 Filme gedreht. Nicht alle verstehen die «Kunst» Was ist ihr Motiv, das zu tun, fragte der Richter. «Kunst.» Er wisse, dass nicht alle diese Kunst verstünden, aber so sei es auch mit abstrakter Malerei. Auf jede Frage des Richters hatte er eine dieser Antworten bereit: Horrorfilme schauen, Achterbahn fahren, auch das täten Menschen, die sich davor fürchten. Und er liess keine Zweifel offen, dass er mit den Praktiken nicht aufhören wird: «Aber ich werde mich an den Rahmen des gesetzlich Erlaubten halten.» Das Bezirksgericht traute den Beteuerungen des Angeklagten aber offensichtlich nicht. Es wies die Einigung im abgekürzten Verfahren, die der Staatsanwalt mit dem Täter geschlossen hatte, zurück und besteht auf weiteren Untersuchungen. 1500 Franken Geldstrafe und 15 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung, darauf mochte das Gericht nicht eingehen. Das sei keine Bagatelle, sondern ein gravierender Fall, da ein Todesfall nicht ausgeschlossen werden könne, sagte der Gerichtspräsident. Und er frage sich, «ob eine Persönlichkeitsstörung vorliegt, die abgeklärt werden muss». Ausserdem sei das Geständnis «nicht überzeugend». Im Besonderen verwies er auch auf ein nicht näher erklärtes «Sanktionensystem», womit der Angeklagte seine Angestellten im Tresor Club kontrollierte. Der Club war in den Jahren um 2006 und später wiederholt von der Polizei überprüft worden, was der nun angeklagte Chef als Schikane empfand. Zigarren rauchen, trinken, Erotic Nights und Porno-Drehs standen dort auf dem Programm. Seit 2012 ist der Club zu. Seinem Hobby geht der frühere IT-Mann inzwischen in einem Studio in Kollbrunn nach, das er gemietet hat. Filme und Fotos sind weiterhin auf dem Internet erhältlich – gegen Bezahlung. Seine Wohnung in einem Dorf der Region werde er räumen müssen, weil er die 3000 Franken Miete nicht mehr bezahlen könne, sagte er. Aufgrund eines Verfahrens wegen Versicherungsbetrugs habe er den Job verloren. Geblieben ist ihm nur noch seine «Kunst».

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