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Anna und der König

Opposition aus den eigenen Reihen ist sich Peter Schröcksnadel nicht gewöhnt. Nun lehnt sich Anna Fenninger gegen den Präsidenten des ÖSV auf.

In Österreich ist der Skisport ein Kulturgut von nationaler Bedeutung. Wer Erfolg hat, darf sich weit über die Karriere hinaus über hohe Resonanz und materielle Sicherheit freuen. Der ÖSV ist der einflussreichste Sportverband im Land. Er kennt sogar so etwas wie eigene Gesetze – ungeschriebene, versteht sich. So pflegen die Besten Atomic-Ski zu fahren und auf dem Kopf das Logo einer grossen Bank zu tragen. Und über allem thront Peter Schröcksnadel, ein 73-jähriger Unternehmer, der den Verband seit 1990 präsidiert. Die Vermarktung der Galionsfiguren übernimmt er persönlich.

Opposition ist der ungekrönte Skikönig nicht gewohnt, nun jedoch sieht er sich damit konfrontiert. Anna Fenninger ist eine zurückhaltende Frau – «aber keine, die zu allem Ja und Amen sagt», wie sie vor der WM verlauten liess. Sie ist gut mit Lara Gut befreundet. Die Begabten verbindet das Bedürfnis, ihre Vorstellungen zu verwirklichen und sich auf die Hinterbeine zu stellen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen.

Gut eckt immer mal wieder an, kriegt in der Regel jedoch zumindest einen Teil von dem, was sie fordert – nicht zuletzt, weil sie oft aus der Position der Stärke agiert, für Swiss-Ski eine Art Lebensversicherung darstellt. Fenninger wird nicht von Atomic, sondern von Head ausgerüstet; und die 25-Jährige beschäftigt mit Klaus Kärcher einen unabhängigen Manager. Das Geschäftsmodell des Schwaben sieht vor, pro Sportart nur einen Athleten zu betreuen, was Fenninger imponiert, «weil er auf diese Weise Interessenkonflikte verhindert. Das ist mein Weg, und ich gehe ihn – egal, ob das andere gut oder schlecht finden.»

Der auslaufende Vertrag

Auslöser des Zwists mit dem ÖSV ist Fenningers auslaufender Kopfsponsorvertrag mit erwähnter Bank. Diesen zu verlängern, will sie offensichtlich nicht, was Schröcksnadel missfällt. Fenninger ist «pfeilschnell, hübsch, intelligent – sie bietet das gesamte Paket», so Kärcher. Zusammengefasst lässt sich sagen: Die Super-G-Olympiasiegerin wird zusehends stärker, der Einfluss des Verbands geringer.

In Österreichs Medien wird das Thema in relativ bescheidenem Rahmen abgehandelt. Das Onlineportal der Boulevardzeitung «Österreich» verbreitete das Gerücht, wonach Fenninger bald für Deutschland starten würde, was diese als absurd bezeichnete. Und die «Krone», das meistgelesene Blatt des Landes, ist mit dem ÖSV über eine Medienpartnerschaft verbunden. Den Verband dürfen die Schreiber also nicht zu harsch kritisieren; der populärsten Sportlerin auf die Füsse zu treten, käme andererseits bei der Leserschaft wohl nicht sonderlich gut an.

Die Parteien sind übereingekommen, die Debatte bis Saisonende auf Schnee zu legen. Es ist im Interesse aller Beteiligten, dass sich die Hauptdarstellerin auf ihre Kernaufgabe kon­zen­trie­ren kann. Auf Kärcher angesprochen, resümierte Fenninger vor den Titelkämpfen, er halte alles von ihr fern. Das Rezept führt zum Erfolg. Und dieser hievt sie in eine Position der Stärke, die sich bei den im Frühling anstehenden Diskussionen als Vorteil erweisen wird. Micha Jegge

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