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Arbeiten lernen statt Sozialhilfe beziehen

Mit «Riesco» bietet die Technische Fachschule Winterthur Flüchtlingen eine Basisausbildung im Bereich Haus- und Automobiltechnik – auch dank Christoph Blocher.

Seit vier Jahren lebt Tesfalem Mengstab als Flüchtling in der Schweiz. Arbeit hat der 27-jährige Familienvater nicht gefunden. Er ist kein Einzelfall. Wie eine Studie des Bundesamtes für Migration zeigt, gehen nur 19 Prozent der arbeitsfähigen Flüchtlinge, die in den letzten fünf Jahren aufgenommen wurden, einer Arbeit nach, 90 Prozent beziehen Sozialhilfe («Landbote» von gestern). In Eri­trea hatte Mengstab als Schweisser und in einer Garage gejobbt. «Hier braucht man für alles ein Zertifikat», sagt er.

«In der Schweiz regiert das Papier», sagt auch Heinz Gerig, Ausbildungsleiter des Branchenverbands Hotel & Gastro – Formation. «Ohne Diplom oder Arbeitszeugnis eine Anstellung zu finden, ist oft ein Ding der Unmöglichkeit.» Dar­um hat Gerig «Riesco» entwickelt. Das Ausbildungsjahr soll Flüchtlinge auf den Schweizer Arbeits­markt vorbereiten. Den Anstoss gab 2005 der damalige Bundesrat Christoph Blocher, der sich für eine solche Basisausbildung im Gastrobereich einsetzte.

Erfolgsquote: 70 Prozent

Nach Blochers Abwahl wurde das Pilotprojekt von den Kantonen Luzern und Zürich weitergeführt. Die Ergebnisse lassen sich sehen: Von den Abgängern der seither durchgeführten acht Lehrgänge konnten über 70 Prozent im Arbeitsmarkt Fuss fassen. Statt von der Sozialhilfe zu leben, bestreiten sie ihren eigenen Lebensunterhalt.

Seit diesem Jahr gibt es «Riesco» auch für technische Berufe. Die Schweizerische Technische Fachschule Winterthur (STFW) im Schlosstal bietet einen kombinierten Lehrgang für Haus- und Automobiltechnik an. An vier Tagen pro Woche lernen zwölf Flüchtlinge aus Eritrea, dem Jemen und dem Kosovo hier, wie man schweisst und lötet oder kleine Servicearbeiten ausführt. Am fünften Tag besuchen sie einen Deutschkurs.

Im Schulzimmer F 103, das eher einer Werkstatt gleicht, fragt Ausbildner Andreas Schröder vor der aufgeklappten Motorhaube nach den verschiedenen Flüssigkeiten, die es in einem Auto zu kontrollieren gibt. Die meisten schaf- fen es, auch wenn Wörter wie «Servo­öl» oder «Bremsflüssigkeit» manchem schwer über die Lippen gehen.

«Wir fangen bei null an»

Im Vergleich zu seinen normalen Schülern, welche bereits mit drei Monaten Werkstatterfahrung ankommen, muss Schröder hier bei null anfangen. In den ersten Stunden lernten die Schüler erst einmal die in der Schweiz üblichen Autobezeichnungen wie Kleinwagen, Limousine, Kombi oder Cabrio. Neben dem fehlenden Vorwissen macht vor allem das Lesen Mühe. «Ich habe viele meiner Arbeitsblätter dar­um total umgestellt», sagt Schröder.

Bei allen Stolpersteinen findet Schrö­der den Kurs aber «definitiv sinnvoll». Im kommenden halben Jahr wird er alles unternehmen, seine zwölf Zöglinge auf den Stand zu bringen, wo sie einer Schweizer Autogarage als Handlanger oder Lehrling nützen können. Einer, der das Zeug dazu hat, ist Bakil Kasim. Der 19-jährige Jemenit ist der Jüngste der Gruppe, ein schmächtiger, gewitzter Krauskopf. Er spricht fast fliessend Deutsch und hilft seinen Kameraden beim Deutschlernen. Vor zwei Jahren kam er mit seiner Familie in die Schweiz, im Jemen hatte er ein Jahr als Velomechaniker gearbeitet. «Mir geht es gut in der Schweiz», sagt er, «das Einzige, was mir fehlt, ist eine Arbeit.»

Das sagt auch Tesfalem Mengstab. Er hat vor Kurzem erfolgreich sein ein­monatiges Praktikum bei einer Heizungsfirma abgeschlossen. Seine erste Arbeitsbestätigung hat er in der Tasche. Eine zweite wird Ende Jahr dazukommen, dazu ein Zeugnis von der Fachschule und ein Sprachdiplom. Eine gute Grundlage für weitere Bewerbungen.

Firmen loben die Praktikanten

Auch der STFW-Rektor Erich Meier ist zufrieden: «Die Rückmeldungen aus den Betrieben waren überwiegend po­sitiv. Viele meldeten Interesse an, ihren Kandidaten später weiter­zubeschäftigen, als Handlanger oder Lehrling.» Auch er selbst möchte mit «Riesco» in die Verlängerung. Be­willigt der Kanton weiteres Budget, soll es auch 2014 eine Flüchtlingsklasse an der Fachschule geben.

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