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«Auch Elefanten nehmen Drogen»

Auf der Flucht vor der Polizei hat ein Mann auf dem Dach des Güterbahnhofs nicht nur seine beiden 9- und 7-jährigen Söhne massiv gefährdet, sondern auch zwei Polizeibeamte verletzt. Das Zürcher Bezirksgericht entscheidet heute über das Strafmass.

Halsbrecherische Szenen ereignen sich am 5. Januar 2012 beim Güterbahnhof Zürich. Ein 38-jähriger Mann aus Zürich randaliert in einem mehrstöckigen Gebäude. Er schreit und wirft Gegenstände aus dem Fenster einer Wohnung, die nicht ihm, sondern einer Wohngemeinschaft gehört. Dann flieht er mit seinen beiden Söhnen im Alter von neun und sieben Jahren vor der alarmierten Polizei auf das feuchte und rutschige Schrägdach. Der arbeitslose und unter Drogen stehende Mann hätte an jenem Tag das Besuchsrecht für seine beiden Kinder wahrnehmen sollen, die bei der Mutter in einer Zürcher Gemeinde ausserhalb der Stadt wohnen. Beim Versuch, seine Kinder zu schützen, bringt der Mann sie jedoch in grosse Gefahr. Er rutscht mit ihnen bis zur Dachkante, wo er die Kleinen nacheinander an den Armen vom Dach hebt und aus rund vier Metern Höhe auf einen Vordachplatz fallen lässt. Die beiden Kinder kommen unverletzt und mit dem Schrecken davon. Zwei Polizeibeamte, die mit Hilfe eines Pfeffersprays den aggressiven Vater überwältigen wollen, haben weniger Glück. Der Mann bewirft einen Ordnungshüter mit einem Balken und verletzt ihn an den Rippen. Dann attackiert er den zweiten Polizisten mit einer Eisenstange und verletzt ihn trotz Helm leicht am Kopf. Erst danach kann er durch weitere Polizeibeamte überwältigt werden.

Ermittlungen ergaben, dass der Obdachlose bereits früher diverse Delikte verübt hatte. Er übernachtete jeweils auf dem Areal des Güterbahnhofs in einem Kellerverlies und hielt sich mit Diebstählen sowie Einbrüchen über Wasser. Nicht gerade vorbildlich verhielt er sich auch ge­gen­über seinen beiden Söhnen. Er besprayte mit ihnen zwei Baubaracken und einen Bagger. Der Sachschaden betrug über 6000 Franken.

Verminderte Schuldfähigkeit

Gestern musste sich der geständige Vater vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten und hinterliess nicht den besten Eindruck. Auf die Frage des Richters, weshalb er am 5. Januar 2012 eine fast tödliche Dosis Amphetamin geschluckt habe, antwortete er, dies sei seit Menschengedenken normal – selbst Elefanten würden Drogen nehmen.

Die Staatsanwaltschaft lastete dem verwirrten Mann mehrfache Gefährdung seiner Kinder, Gewalt und Drohung gegen Beamte, Körperverletzung sowie diverse weitere Gesetzesverstösse an. Allerdings hielt ihm der Ankläger wegen des erheblichen Drogenkonsums eine verminderte Schuldfähigkeit zugute, was zu einem Antrag von 30 Monaten Freiheitsstrafe teilbedingt führte. 14 Monate davon sollte er verbüssen. Diese hat er allerdings bereits abgesessen. Die Verteidigung ging bei den Hauptdelikten vom 5. Januar von einer völligen Schuldunfähigkeit aus. So habe sich der ohnehin psychisch angeschlagene Vater infolge einer Amphetamin-Vergiftung in einer seelischen Ausnahmesi­tua­tion befunden. Ein Polizeibeamter habe als Zeuge angegeben, dass der Täter etwas von Dämonen gefaselt habe, plädierte seine Anwältin. Das Gericht entscheidet heute über das Strafmass.

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