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Auf dem Dach der Welt einen Lebenstraum erfüllt

Seuzach?Als 61. Schweizer hat der Seuzacher Hansruedi Büchi vor wenigen Tagen den höchsten Berg der Welt bezwungen. Ein Schneesturm hätte das Unterfangen beinah noch verhindert.

«Diesen Sonnenaufgang werde ich nie mehr vergessen. Wir hatten es geschafft. Wir standen auf dem höchsten Berg der Erde. Selbst die anderen 8000er lagen weit unter uns. Ein unglaubliches Gefühl, das wir 20 Minuten lang geniessen konnten.» So beschreibt Hansruedi Büchi den Moment, von dem er schon als 20-Jähriger geträumt hat. Am Sonntag, 25. Mai 2014, um 6.30 Uhr Ortszeit war es so weit und Hansruedi Büchi stand als 61. Schweizer auf dem Mount Everest, 8848 Meter über dem Meeresspiegel.

Andere Ziele vorrangig

Dass dieser Lebenstraum bis zu seinem 52. Lebensjahr warten musste, liegt daran, dass andere Ziele in Büchis Leben Vorrang hatten. Da war zunächst seine Karriere als Radprofi, dann die Familie, der Aufbau des eigenen Reiseunternehmens und der Bau und Betrieb eines Hotels in Südfrankreich. Erst letztes Jahr, als er mit seiner Frau Christine in einer finnischen Blockhütte den 50. Geburtstag feierte, nahm der Traum Gestalt an. Als sie ihn fragte, welche Ziele er im Leben noch habe, sagte er spontan: «Zwei Monate Auszeit nehmen und den Mount Everest besteigen.»

Es begann eine neunmonatige, intensive Vorbereitungsphase. Über die nötige körperliche Fitness verfügte der erfahrene Bergsteiger. Schliesslich stand er schon 48-mal auf dem Kilimandscharo, dem höchsten Berg Afrikas.

Aufstieg von der Nordseite

Büchi überliess nichts dem Zufall. So war für ihn klar, dass er den Aufstieg von China her in Angriff nehmen würde. Auf der Nordseite herrscht deutlich weniger Lawinengefahr. «Zudem ist das Essen besser, und die Gesundheit wird weniger strapaziert, weil auf der chinesischen Seite die Luftfeuchtigkeit viel geringer ist.» Deshalb war er auch nicht vom schweren Unglück im April betroffen, bei welchem 16 Personen ums Leben kamen. In der Folge sind vorerst alle Expeditionen auf der nepalesischen Südseite abgesagt worden.

Ausgangspunkt war ein Basislager auf 5200 Metern über Meer. Jeden zweiten Tag unternahm die Gruppe leichtere Touren, um den Körper zu akklimatisieren. Nach zwei Wochen ging es auf 6400 Meter zum ABC-Lager und weitere zwei Wochen später hinauf auf 7500 Meter. «Inzwischen hatte ich sechs Kilo Körpergewicht verloren», erzählt Büchi.

Zurück auf 5200 Metern, folgte das Warten auf das ideale, vier Tage anhaltende Wetterfenster. Nach zwei Wochen war es so weit: «Der Wind muss unter 30 Kilometer pro Stunde liegen, und die Temperatur auf dem Gipfel darf nicht unter minus 30 Grad fallen.» Der entscheidende Aufstieg konnte beginnen. In drei Tagesetappen ging es hinauf bis auf 8300 Meter. Dort konnten die Bergsteiger zur Erholung ein letztes Mal ein paar Stunden dösen. Um 22 Uhr begann der Aufstieg, dies, obwohl überraschend ein Schneesturm eingesetzt hatte. «Es war die letzte Chance für diese Saison, deshalb wagten wir den Versuch trotzdem.» Um 4 Uhr klarte der Himmel auch wirklich auf und es wurde so kalt, dass selbst die Flüssigkeit in der Thermosflasche gefror. So blieben sein erfahrener Sherpa Lila Tamang und er 14 Stunden ohne Flüssigkeitsaufnahme.

Abstieg im Schneesturm

Nach den unvergesslichen Augenblicken auf dem Gipfel kam der Teil, vor welchem Büchi den grössten Respekt hatte – der Abstieg. Auf 8700 Metern ging dem Sherpa der Sauerstoff aus, weshalb es deutlich langsamer vorwärtsging als geplant. Nach 14 Stunden auf über 8300 Metern konnten Lila Tamang und Hansruedi Büchi im obersten Lager endlich wieder etwas trinken. Weil der nächste Schneesturm aufzog, stieg die Gruppe so schnell wie möglich ins Lager auf 7000 Meter ab. «Dort mussten wir unbedingt schlafen, weil wir schon 20 Stunden unterwegs waren und das bevorstehende Abseilen noch einmal grösste Kon­zen­tra­tion erforderte.» Als die beiden um 4.30 Uhr aufwachten, lagen 50 Zentimeter Neuschnee, und die Lawinengefahr war beträchtlich. «Wir mussten so rasch wie möglich das unterste Basislager erreichen.» Das war noch einmal ein Kraftakt, denn auch der 25 Kilometer lange Rückweg war zugeschneit. Im Basislager angekommen, brachte ein Geländewagen die beiden zur nepalesischen Grenze.

Mit der Ankunft in Nepals Hauptstadt Kathmandu kehrten die Bergsteiger langsam wieder in das gewohnte Leben zurück. «Endlich konnten wir wieder normal essen und trinken. Es war, wie wenn man einer welken Blume Wasser gibt: Wir blühten wieder auf.» Daniel Frei

Im Basislager stärken sich Hansruedi Büchi und Lila Tamang, bevor sie den Aufstieg zum Gipfel des Mount Everest wagen. pd

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