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Auf dem Grat zwischen Regel und Spiel

Klagen über die Jugend gehören offensichtlich zur Menschheit. Davon kann auch der beliebte Jugendtreff in Neftenbach ein Lied singen, der sein zehnjähriges Bestehen feiert.

Die erste überlieferte Klage über das flegelhafte Verhalten der Jugend liegt weit zurück. Der griechische Philosoph Sokrates soll sie vor rund 2400 Jahren vorgebracht haben: Die Jugend liebe den Luxus, habe schlechte Manieren, verachte die Autorität und habe keinen Respekt mehr vor älteren Leuten. Seitdem – und vermutlich auch schon davor – beklagten sich unzählige Generationen über das Verhalten der Jugend. «Auch mir geht es schon manchmal wie Sokrates und ich reagiere wie seinerzeit meine Eltern», gesteht Mathias Suremann lachend ein. Wenn alle Welt um ihn herum nur noch von «Hey Alter» spricht, wie das etwa in der TV-Soap «Berlin – Tag und Nacht» vorgelebt wird, kann das dem 37-jährigen Leiter des Jugendtreffs Inpoint zwar auf den Wecker gehen. Wirklich stressen kann es ihn aber nicht. «Es ist halt so. Alles wiederholt sich.» Seit vier Jahren ist Suremann Jugendarbeiter in Neftenbach. Seit letztem Sommer leitet der ausgebildete Sozialdiakon das vierköpfige Team des Neftenbacher Jugendtreffs, der am kommenden Freitag sein zehnjähriges Bestehen feiert (siehe angehängter Artikel). Über die Jugendsprache sieht Suremann hinweg, wenn es um die Beziehungsarbeit mit den jungen Menschen geht. Für seine «Kundschaft» hat er stets ein offenes Ohr. «Es ist manchmal aber schon heavy, was uns da anvertraut wird», sagt der Thurgauer. Bei sehr schwierigen Problemstellungen vermittelt er den Jugendlichen auch mal eine andere Anlaufstelle. «Unser grosses Plus ist die Niederschwelligkeit unseres Angebotes.» Viele kommen regelmässig Über mangelndes Interesse am Jugendtreff Inpoint können sich die Neftenbacher Jugendverantwortlichen nicht beklagen. Zurzeit gehen laut Suremann etwa 40 Jugendliche aus der Oberstufe hier ein und aus. Vor allem am Freitagabend ist der Treff gut besucht. Dann kreuzen bisweilen auch Ehemalige, die inzwischen in der Lehre sind, im Flachdachhaus an der Seuzachstrasse 31 auf. «Die obere Altersgrenze beträgt aber eigentlich 18 Jahre», sagt der Jugendarbeiter, der es auch als gutes Zeichen nimmt, wenn junge Menschen weiterhin den Kontakt pflegen. Doch die Jüngeren stossen bereits nach: «Am Mittwochnachmittag kommen jeweils etwa 20 Fünft- und Sechstklässler zu uns.» Bei so viel Betrieb braucht es auch Regeln, ist die angehende Sozialpädagogin Carina Kramer überzeugt. Die gebürtige Neftenbacherin arbeitet zu 50 Prozent im Inpoint-Team mit. «Ich habe als Teenie seinerzeit auch den lokalen Jugendtreff besucht und kenne dar­um beide Seiten», sagt die 31-Jährige. Als Jüngste im Leiterteam – – fällt ihr der Zugang zu den Jugendlichen leicht. Das Lebender Jugend bedauert die ehemalige Coiffeuse, die im Winterhalbjahr jeweils am Mittwoch- und Freitagabend mit den Jugendlichen kocht«Sie wechseln sehr häufig Freunde und müssen alle möglichen ausprobieren. Aber verboten», betont Kramer. Während des Abendessens duldet sie auch keine Handys. Dass die jugendlichen Besucher auf dem Nachhauseweg Alkohol oder Drogen konsumieren und den Jugendtreff damit in Verruf bringen, ist ihrer Meinung nach schwierig zu kontrollieren. «Wir sprechen die Jugendlichen dar­auf an, sie kennen unsere Haltung.» Man wolle aber nicht stets mit dem Mahnfinger herumlaufen. «Unsere Aufgabe ist es, ihnen bei der Entscheidung zu helfen, was gut für sie ist und was nicht», sagt Carina Kramer.

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