Zum Hauptinhalt springen

Auf dem richtigen Weg

WINTERTHUR. Auch im zweiten Heimspiel innert vier Tagen war der FC Winterthur erfolgreich: Nach dem 2:1 gegen Lugano bezwang er Chiasso 3:1 (2:1).

«Es war ein souveräner Sieg», freute sich FCW-Trainer Boro Kuzmanovic. Zu Recht. Anders als beim 2:1 am Mittwoch gegen zehn Luganesi kam sein Team gestern vor 2000 Zuschauern auf der Schützenwiese gegen Chiasso nicht mehr ins Zittern, sondern absolvierte die Schlussphase als unzweifelhafter Sieger. Der FCW stellte eine gewisse Heimstärke unter Beweis: Es war in der Rückrunde der dritte Sieg im dritten Spiel vor eigenem Publikum und, um den statistischen Teil zu vervollständigen: Die Bilanz des FCW gegen Tessiner Klubs steht jetzt bei neun Siegen und einem Unentschieden.

Es gab Parallelen zwischen dem Match gegen Lugano und demjenigen gegen Chiasso: In beiden Partien führte die erste gelungene Offensivaktion des FCW zu einem Penalty und zur Führung. Luca Radice wurde in der 20. Minute von Tito Tarchini im Strafraum gefoult. Anstelle des gesperrten Kris Kuzmanovic trat Remo Freuler zur Ausführung an – und verwandelte ebenso sicher. Nur vier Minuten später bereits das 2:0: Wieder war Freuler der Torschütze, diesmal von der perfekten Vorarbeit Marco Aratores profitierend.

Mit der Zweitoreführung war Chiassos Strategie durchkreuzt: Die Tessiner traten in einem 3-4-3-System auf, das bei gegnerischem Ballbesitz sehr defensiv interpretiert wurde, standen doch praktisch fünf Verteidiger vor Goalie Stefano Noseda. Allerdings stellten die Aussenläufer bei Ballbesitz sehr schnell auf Offensive um. Trotz der Führung hatte der FCW in der ersten Halbzeit damit ab und an Mühe. Prompt fiel bereits in der 32. Minute Chiassos Anschlusstor: Luis Felipe Pimenta umspielte Nick von Niederhäusern, lief allen anderen davon und traf zum 1:2. «Ein unnötiges Gegentor», fand FCW-Trainer Kuzmanovic. Einerseits liess sich von Niederhäusern gar einfach ausspielen, andererseits war es taktisch naiv, mit einer 2:0-Führung im Rücken in einen Konter zu laufen.

Die Entscheidung gesucht

Wie gegen Lugano, als man mit einem Mann mehr auf dem Feld das 1:1 kassierte, konnte der FCW auch diesmal auf den Rückschlag reagieren. Zu einer klaren Torchance kam Chiasso nämlich im ganzen Match nicht mehr. Im Gegenteil waren es die Winterthurer, die das Spiel wieder unter Kontrolle bekamen und die Führung noch vor der Pause hätten ausbauen können. Doch Patrick Bengondo brachte zuerst eine Hereingabe Aratores drei Meter vor dem Tor nicht unter Kontrolle und wurde kurz dar­auf von Chiassos Captain Sandro Reclari auf dem Weg zum Tor gefoult. Schiedsrichter Sandro Schärer hätte Reclari vom Platz stellen können, beliess es aber bei einer Verwarnung, weil ein weiterer Verteidiger in der Nähe war. Einzugreifen hätte der aber kaum noch vermocht.

Richtigerweise verschanzte sich der FCW trotz der Führung auch in der zweiten Halbzeit nicht im und am eigenen Strafraum, sondern spielte weiter nach vorne. In der 65. Minute trug ihm diese Einstellung das 3:1 ein, auf das Chiasso nicht mehr reagieren konnte: Beg Ferati erzielte das Tor per Kopf nach einem Corner Jonas Elmers. Es war der erste Treffer des Baslers im Dress des FCW. Auch am 1:0 war er massgeblich beteiligt gewesen, indem er Radice vor dem Penaltyfoul ideal lanciert hatte. Auf der Negativseite von Feratis Tagesbilanz steht die vierte Verwarnung im sechsten Spiel, womit er am Ostermontag im Auswärtsspiel gegen Biel gesperrt sein wird.

Dennoch war Ferati einer der herausragenden Akteure in einem guten FCW-Team an diesem Nachmittag. Prunkstück war aber das Mittelfeld, das einen Gegner weitgehend kon­trol­lier­te, der in den vorangegangenen Spielen Teams wie Aarau, Wil und Vaduz geschlagen und gegen Bellinzona ein Unentschieden erreicht hatte. Trainer Boro Kuzmanovic nominierte anstelle seines gesperrten Sohnes Kris Denis Simijonovic, der zusammen mit Freuler das zentrale Mittelfeld bildete, während Radice auf die rechte Flanke auswich.

Freuler bester Mann

Simijonovic war stärker als in seinem ersten Rückrundenmatch gegen Aarau, als er mit zwei Verwarnungen vom Platz gestellt wurde. Freuler, womöglich beflügelt von seinem ersten Aufgebot für die U21-Nationalmannschaft Pierluigi Tamis für die Partien dieser Woche gegen Deutschland, avancierte zum besten Mann auf dem Platz. Er war viel ballsicherer als zuletzt und leitete immer wieder gute Angriffe ein – oder er schloss erfolgreich ab. Auffällig und spielentscheidend waren auch Radice und Aratore, die auf den Seiten viel Druck entwickelten. Aratore bereitete ein Tor vor und hatte weitere gute Szenen. Radice war gar an allen drei Treffern beteiligt. Es stellt sich die Frage, ob er mit seinem Drang nach vorne und seinen manchmal unorthodoxen, die Gegenspieler überraschenden Entscheidungen nicht die beste Wahl auf der rechten Seite ist.

Trotz vielen Vorstössen über die Flügel konnte allerdings Bengondo noch zu selten in Abschlussposition gebracht werden. Verbesserungsfähig bleibt auch die Defensivarbeit: Viele Tore kassiert der FCW zwar auch in der Rückrunde nicht, aber nur einmal, beim 1:0 gegen Wohlen, blieb die Weste sauber. Immerhin gelang es den Winterthurern in der zweiten Halbzeit, den Gegner weitgehend fern vom eigenen Tor zu halten.

Insgesamt können die Winterthurer mit dem Gefühl in die zweiwöchige Nationalmannschaftspause gehen, auf dem richtigen Weg zu sein. Die Automatismen spielen sich immer besser ein, man findet den Weg in den gegnerischen Strafraum deutlich öfter und man nutzt die Chancen, die sich bieten, relativ gut. Das gilt jedenfalls für die Heimspiele. Der nächste Meisterschaftstermin ist indes auswärts: Am Ostermontag trifft der FCW auf der Neuenburger Maladière auf Biel.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch