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Auf den Palast folgt der Tempel

Das geplante Fussballmuseum entsteht nicht am Zürichberg, sondern in einem ehemaligen Bürohaus in der Enge. Wenn alles nach Plan verläuft, soll es im Frühling 2015 eröffnet werden.

Rund ein Jahr ist es her, als die Fifa ankündigte, neben ihrem luxuriösen Hauptquartier beim Zoo Zürich ein Museum zu eröffnen. Statt Begeisterung gab es Kritik am Bauvorhaben: Es gebe schon zu viele Autos auf dem Zürichberg, war zu lesen. Als die Fifa gestern nun ihr geplantes Museum vorstellte, stand es überraschenderweise bereits, allerdings nicht beim Zoo, sondern neben dem Bahnhof Enge. Zwar habe die Stadt in Bezug auf den Standort beim Zoo mit sich reden lassen, sagte Fifa-Präsident Sepp Blatter an der Medienkonferenz, doch die Auflagen des Kantons hätten das Projekt zu stark beeinträchtigt.

Stattdessen mietet der Weltfussballverband nun ein bestehendes, mit dem ÖV bestens erschlossenes Bürogebäude mitten in der Stadt und baut es um. Zumindest die Gebäudehülle bleibt erhalten, eine zusätzliche Baubewilligung sei nicht nötig, berichtete der Architekt, Sacha Menz, lediglich eine für die Nutzungsänderung. Anstelle eines Prunkbaus auf der grünen Wiese erhält Zürich nun ein Fussballmuseum in einer ehemaligen Pick-Pay-Filiale. Wobei diese Aussage natürlich eine masslose Untertreibung darstellt: Denn Geld spielt bei der Fifa neben König Fussball bestenfalls eine Nebenrolle.

Kostenpunkt: 30 Millionen

So mietet die Fifa das gesamte Büro- und Gewerbegebäude aus den Siebzigerjahren von Eigentümerin Swiss Life – und baut es für geschätzte 70 bis 80 Millionen Franken um. Das Museum allein dürfte laut Fussballverband um die 30 Millionen kosten. In den oberen Stockwerken entstehen Büros und – südseitig –Wohnungen.

Für die Swiss Life ist dieser Mietvertrag ein Glücksfall. Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig sagte gestern, das Geschäft entspreche seiner Anlagephilosophie. Die Fifa wird die Liegenschaft für 40 Jahre mieten, eine Sanierung durch die Eigentümerin Swiss Life entfällt damit. Mit diesem Schritt nimmt die Fifa den Hauptkritikpunkt am bisherigen Projekt auf: die Angst vor Mehrverkehr. Denn mit Trams, Bussen und S-Bahn vor der Haustüre und lediglich 19 Besucherparkplätzen im Souterrain dürften sich zumindest in Sachen Verkehrsaufkommen kaum Gegner finden.

2015 soll das Museum eröffnet werden. Dass es plötzlich so schnell geht, hat auch mit Blatters Amtszeit zu tun, die just im Eröffnungsjahr endet. Blatter hatte das Projekt nach eigenen Angaben vor wenigen Tagen dem Zürcher Stadtrat vorgestellt. «Ich hatte auch ein Gespräch mit der Stadtpräsidentin», so Blatter, «und bei der Stadt ist sogar ein gewisser Enthusiasmus zu spüren», sagte er mit ironischem Unterton. Es soll, so Blatter, nicht nur ein Museum für die Fifa, sondern auch eines für die Sportstadt Zürich sein, betonte er.

Auch ein Blatter-Museum

Der Weltfussballverband schätzt, dass rund 200 000 Personen pro Jahr das Museum besuchen werden. Die Büros dürfte der Verband gleich selber nutzen, zu den Wohnungen war noch nichts Genaues zu erfahren. Das Museum selber wird mehrere Stockwerke einnehmen; vom zweiten Untergeschoss bis zum ersten Stock. Thematisiert werden sollen etwa die Geschichte des Fussballs, die Entstehung der Spielregeln und berühmte Personen, die sich für die Sportart eingesetzt haben; auf einer an der Medienkonferenz gezeigten Visualisierung war beispielsweise Fifa-Präsident Sepp Blatter als solche zu erkennen.

Ebenfals geplant ist ein Café oder ein Restaurant. Das Gebäude soll ein Ort der Begegnung werden.

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