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Auf Kuschelkurs

Seit November gibt es sie auch in Winterthur: Kuschelabende. Unter Anleitung geschulter Kuscheltrainer holen Menschen hier mit Wildfremden nach, was ihnen im Alltag oft fehlt: Nähe und Geborgenheit. Die Organisatoren sind überzeugt: Kuscheln ist ein «Urbedürfnis». Im Bekanntenkreis des Stadtverbesserers trifft das Angebot aber auf Naserümpfen. Warum eigentlich? Eins scheint klar: Kuscheln hat ein Imageproblem. In den letzten Jahren haben sich «Kuschelpädagogik» und «Kuscheljustiz» als Kampfbegriffe bewährt. Niemand will als «Kuschler» gelten – denn kuscheln heisst kuschen. In der harten Realität sind nicht sanfte Hände, sondern spitze Ellbogen gefragt. Doch was, wenn sich Gruppen in kämpferischem Gerangel selbst lähmen? Dann scheint Besänftigung plötzlich effizient. Die sonst streitlustige Piratenpartei hat sich intern einen Kuschelkurs verordnet: Die «Arbeitsgruppe Flausch» setzt zur Hebung der Parteimoral Massagesessel, Kuscheldecken und sogar Ballbäder à la Kinderparadies ein. Der Spott der etablierten Parteien war ihnen gewiss. Zu tief sitzt offenbar die Furcht, vor lauter Flausch in kindliche Bewusstseinsstadien zu regredieren. Doch es gibt eine gesellschaftlich akzeptierte Ausnahme: Haustiere. Diese Woche zeigte Biologe Dennis C. Turner an einem Vortrag im Zen­trum Obertor wissenschaftlich auf, was wir unwissenschaftlich alle ahnten: Kraulen beruhigt. Beim Streicheln einer Katze wird Oxytocin ausgeschüttet. Das Hormon wirkt stressmildernd und fördert die soziale Bindung. Dieser Wohlfühleffekt lässt sich auch kommerziell nutzen: In Wien buhlt neuerdings ein Katzencafé mit Streichel-Wellness um Kunden. Bei allen Sparbemühungen sollte sich die Stadt überlegen, wenigstens eine neue Stelle zu schaffen: die der Ratskatze. Wenn die Emotionen hochgehen, wie im jüngsten Budgetstreit, könnte sie zur Beruhigung der Gemüter beitragen. Streicheln vor dem Streiten: Mit Oxytocin im Blut denkt es sich klar, doch die Bereitschaft zu trotzigen Verhinderungsgefechten sinkt. Wer mit Katzen auf Kuschelkurs geht, muss also keinen Kater fürchten. Etwa 100 Franken kostet die Haltung einer Katze im Monat. Kann sie auch nur eine unsachliche Interpellation verhindern, macht sich die Investition bereits bezahlt. Verrückt? Mitnichten. Im Städtchen Talkeetna in Alaska hat es Kater Stubbs sogar zum Bürgermeister geschafft und regiert seit 15 Jahren. stadtverbesserer@landbote.ch

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