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Auf Schatzsuche im eigenen Handy

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und der Umwelt ist das oberste Ziel der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz. Um dies zu erreichen, setzt die Stiftung mit ihrem Umweltunterricht bereits bei den jüngsten Zeit- genossen an – so auch bei einer Sekundarklasse in Wädenswil.

Sie sind sich alle einig: Das Handy ist der wichtigste Begleiter in ihrem Alltag. In der dritten Sekklasse von Lehrer Marc Hartmann im Wädenswiler Schulhaus Untermosen will keiner der 16 Schüler mehr auf das Mobiltelefon verzichten. Doch der Besitz eines ebensolchen macht die Jugendlichen gleichzeitig zu Konsumenten. Dies ist nur eine der Botschaften, die sich Edith Häusler an diesem Dienstagmorgen in ihren pädagogischen Rucksack gepackt hat. Denn sie ist eine von rund 70 Umweltlehrpersonen, die im Auftrag der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) an Schweizer Schulen und Kindergärten unterrichten. Abfallunterricht, um genau zu sein. An diesem Morgen für drei Lektionen.

Gold und Silber

«Die Jugendlichen sollen lernen, dass die Produkte, die sie konsumieren, eine ener­gie­- und rohstoffintensive Geschichte hinter sich haben», erklärt Häusler. Und lenkt direkt wieder auf der Jugend liebstes Spielzeug: das Mobiltelefon. Denn darin würden sich unsichtbare Schätze verbergen, versucht sie die Neugierde der Jugendlichen zu wecken. «In allen elektronischen Geräten befinden sich Gold und Silber», so Häusler. Diese Tatsache mache das ausgediente Handy zu einer wertvollen Rohstoffquelle. Doch wie werden diese Rohstoffe zurückgewonnen und die eingesetzten Ressourcen wiederverwertet werden? Auf diese und andere Fragen liefern die Umweltlehrpersonen von Pusch während des Abfallunterrichts Antworten, und zwar in mittlerweile 14 Kantonen. Pusch hat die Ziele und Inhalte des Unterrichts «Abfall, Konsum und Littering» für jede Schulstufe definiert und auf die kantonalen Lehrpläne abgestimmt.

Trennen mit Magneten

Dass selbst die Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) den bereits verbrannten Müll noch einmal auf wiederverwertbare Rohstoffe untersuchen, wird von Edith Häusler ebenfalls thematisiert. Sie hält einen komplett verkohlten, als solchen jedoch noch erkennbaren Locher in die Höhe. «In den KVAs entwickeln sich Temperaturen von 800 bis 1000 Grad Celsius.» Das reiche leider nicht, um gewisse Metalllegierungen aufzulösen, erklärt sie. Michael, einer der Schüler, weiss jedoch: «Um das Metall von der Schlacke zu trennen, werden Magnete eingesetzt.»

Um die Jugendlichen an diesem Morgen für die Rohstoffe, deren Herkunft und Verarbeitung zu sensibilisieren, müssen sie Bilder von Rohstoffen nach deren Herkunft, Produktionsprozess und Endprodukt ordnen. «Keine leichte Aufgabe», wie Klassenlehrer Marc Hartmann resümiert. Und tatsächlich: Die Jugend­lichen müssten Bilder wie beispielsweise jenes einer Bauxit­mine, deren Rohstoff, das Bauxit, wie auch das Endprodukt – zum Beispiel eine Büchse – richtig zuordnen. Die Schüler haben sich zu Dreiergrüppchen formiert und brüten über den Bildern. Letzten Endes schaffen alle die Zuordnung. Dass für Bauxitminen weltweit unzählige Wälder gerodet werden, sei denn auch die Kehrseite dieses Rohstoffes, hält Edith Häusler fest. Um die Wichtigkeit der Wälder weiss auch die Schülerin Yasmina: «Die Bäume der Wälder wären eigentlich dazu da, dass Kohlendioxid in Sauerstoff umgewandelt wird.» Dass diese Rodungen schwerwiegende Konsequenzen für die Umwelt haben, hebt Häusler dar­um noch einmal hervor.

Hoch entwickelte Schweiz

«Ebenfalls ganz oben auf der Recyclingliste steht das Kupfer», erklärt Edith Häusler der dritten Sekundarklasse. Allein in einem Auto befinden sich 25 Kilogramm dieses Rohstoffes. Ein Rohstoff, der auch in der Schweiz in hohem Masse wiederverwertet wird. «Auch wenn unser Land nicht sehr reich an Bodenschätzen ist, so sind die Technologien in der Schweiz hoch entwickelt», erklärt die Umweltlehrerin den Schülern.

«Es geht mir in diesem Unterricht vor allem auch darum, das Bewusstsein der Jugendlichen für die Ressourcenproblematik zu schärfen.» Denn die jungen Erwachsenen seien Konsumenten. Und jeder Konsum habe nun einmal Konsequenzen für die Umwelt. Doch klar scheint diese Tatsache den Wädenswiler Klassenmitgliedern allemal. Als sie auf einer Weltkarte die Kontinente und Regionen definieren müssen, auf denen die meisten Menschen wohnen, und welche Nationen am meisten konsumieren und Abfall produzieren, ist allen klar: Proportional am meisten Menschen leben in Indien. Und zu den Verschwendernationen gehören sicher die Vereinigten Staaten. «In unserem Unterricht reflektieren die Kinder und Jugendlichen ihr eigenes Verhalten als Konsumenten und hinterfragen die Konsequenzen ihres Tuns», konstatiert Häusler.

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