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Auf Umwegen zu einem neuen Hardturmstadion

Der Zürcher Stadtrat startet einen neuen Versuch, um auf dem Hardturmareal nach der Abstimmungsniederlage doch noch ein Fussballstadion zu realisieren. Finanziert werden soll dieses von privaten Investoren – zumindest grösstenteils.

Vor rund einem Jahr haben die Stimmberechtigten der Stadt Zürich den Bau eines städtisch finanzierten Fussballstadions auf dem Hardturmareal mit 50,8 Prozent Nein-Stimmen knapp verworfen. Kritik geübt wurde vor allem an den hohen Kosten von über 200 Millionen Franken. Dem Bau einer städtischen Wohnsiedlung für rund 100 Millionen Franken auf dem Areal wurde hingegen mit einer Zweidrittelmehrheit zugestimmt. Doch die Wohnsiedlung alleine kann und will die Stadt nicht bauen – sie hat das Land von der Credit Suisse (CS) unter der Bedingung erworben, dar­auf ein Fussballstadion zu erstellen. Geschieht dies nicht, kann die CS bis ins Jahr 2035 ein Rückkaufsrecht geltend machen. Investorenwettbewerb Gestern hat der Stadtrat bekannt gegeben, wie auf dem Hardturmareal doch noch ein Fussballstadion gebaut werden könnte. Mit einem Investorenwettbewerb soll abgeklärt werden, ob ein neues Stadion von Privaten gebaut und betrieben werden kann. Laut Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) soll der Investorenwettbewerb nach Festlegung der Rahmenbedingungen ungefähr Mitte des nächsten Jahres starten. Basis dafür sollen die beiden bestehenden Projekte sein, über die im Herbst 2013 abgestimmt wurde – also eine Wohnsiedlung und ein Fussballstadion auf dem Hardturmareal. Während die Stadt die geplante Wohnsiedlung weiterhin mit eigenen Mitteln realisieren will, wird für das Stadion ein privater Investor gesucht, der auch die bisher für das Stadionprojekt aufgelaufenen Planungskosten von rund 6,5 Millionen Franken zu übernehmen hätte. Ganz ohne Geld aus der Zürcher Stadtkasse wird es voraussichtlich aber nicht gehen. Denn «ohne einen substanziellen städtischen Beitrag» dürfte laut der gestrigen Medienmitteilung kein Stadionprojekt realisierbar sein. Für Aussagen über die Höhe eines allfälligen finanziellen Engagements der Stadt sei es noch zu früh. Denkbar ist laut Leupi sowohl ein einmaliger Beitrag an den Bau des Stadions als auch ein wiederkehrender Beitrag an den Betrieb – abhängig von den zu erwartenden Kosten und Einnahmen eines konkreten Projektes. Denn nicht nur der Bau des Stadions, sondern auch die Finanzierung des Betriebs dürfte noch zu reden geben. Bestandteil der im September 2013 abgelehnten Vorlage war eine Defizitgarantie der Stadt in der Höhe von bis zu 8 Millionen Franken jährlich. Auch in diesem Punkt skizziert der Stadtrat mit seinem neuen Vorschlag eine Möglichkeit, um die Kosten für die Stadt zu minimieren: Das im Westen gelegene Baufeld beim Hardturmareal soll maximal ausgenutzt werden, sodass die Investoren damit den Betrieb des Stadions massgeblich quersubventionieren können. Beim verworfenen Projekt wäre dieses Baufeld gar nicht genutzt worden. «Volk nicht umgehen» Mit dem neuen Anlauf, den der Stadtrat jetzt nimmt, dürfte auch eine Frage wieder auftauchen, die bereits im Abstimmungskampf vor einem Jahr eine Rolle spielte: Braucht Zürich neben dem Letzigrund überhaupt ein weiteres Stadion, welches im Gegensatz zu diesem speziell auf den Fussballbetrieb ausgerichtet ist? «Mit dem jetzt aufgezeigten Vorgehen wollen wir ausloten, ob das möglich ist», sagt Leupi. Klar sei aber, dass die Stadt nicht der grosse Investor sein könne. Je nach Höhe der städtischen Beiträge an Bau und Betrieb eines neuen Stadions müssten das Parlament oder die Stimmberechtigten erneut befragt werden. «Wir wollen das Volk nicht umgehen», so Leupi.

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