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Auftakt zum Prozess gegen Adoboli

LONDON. Gestern hat in London der Prozess gegen den früheren UBS-Händler Kweku Adoboli begonnen. Er verursachte der Bank einen Milliardenverlust.

Der Prozess gegen den früheren UBS-Trader Kweku Adoboli (Bild) ist gestern nicht über Formalien hinausgekommen. Weil die potenziellen Geschworenen erst auf etwaige Verbindungen zur Schweizer Grossbank befragt und überprüft werden müssen, vertagte der Vorsitzende Richter Brian Keith das Verfahren im Krongericht von Southwark auf Freitag. Dann wird die Anklage zu Wort kommen. Dem 32-jährigen Wertpapierhändler wird zweifacher Betrug sowie vorsätzlich falsche Bilanzierung in zwei Fällen vorgeworfen. Bei einer Verurteilung droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe.

«Unangenehm für die UBS»

Der Fall Adoboli hatte vor Jahresfrist das Londoner Bankenviertel erschüttert. Der Händler ar­bei­te­te bei der UBS in der Abteilung für Währungsgeschäfte. Dort blieben seine waghalsigen Geschäfte lange unentdeckt. Als der in Ghana geborene und seit 20 Jahren in England lebende Mann aufflog, war laut UBS ein Verlust von 2,3 Milliarden Dollar entstanden. Vor Gericht drohen dem Finanzhaus bohrende Fragen und unangenehme Enthüllungen. Der Prozess werde «für die UBS unangenehm werden», glaubt der Vorstandsvorsitzende Sergio Ermotti, der dem Skandal seinen Job verdankt: «Kultur und Praktiken» im rund 6000 Mitarbeiter starken UBS-Investmenthaus an der Liverpool Street Station kommen unter die Lupe.

Allerdings weist die Grossbank gern dar­auf hin, dass in Southwark nur Adoboli auf der Anklagebank sitzt. Im Gerichtssaal 3 steht diese innerhalb eines schusssicheren Glaskastens, in dem der Angeklagte gestern Platz nahm. Adoboli trug eine rote Krawatte zum dunkelblauen Anzug und zeigte keinerlei Emotionen. Er kam ebenso wenig zu Wort wie die Vertreter von Verteidigung und Anklage. Richter Keith unterbrach das Verfahren, weil die Geschworenen noch nicht zur Verfügung standen. Das Krongericht ruft jeden Montag mehrere Dutzend Bürger zusammen, aus denen dann die zwölf Jurymitglieder ausgewählt werden. Für ein auf acht Wochen angelegtes Verfahren verkleinert sich der Kreis der möglichen Laienrichter ohnehin rapide, weil beispielsweise Freiberufler ihre Freistellung beantragen können. Im Fall Adoboli geht es zusätzlich um mögliche Befangenheiten ge­gen­über dem jenseits des Flusses liegenden Finanzzentrum City of London und ge­gen­über der UBS.

Die UBS kann die negative Publizität rund um den Prozess schlecht gebrauchen. Vor Jahresfrist, als der Fall Adoboli aufflog, bezeichnete der liberaldemokratische Wirtschaftsminister Vincent Cable die UBS als «Schurkeninstitution», die den Staat «dem Risiko finanzieller Massenvernichtungswaffen» aussetze. Umfragen zufolge brach das Ansehen der Bank ein, hat sich seither aber wieder erholt. In einem Klima, in dem der deutsche SPD-Chef Sigmar Gabriel die UBS und andere Schweizer Banken der «bandenmässigen Steuerhinterziehung» bezichtigt, kommen die Erinnerungen an kriminelle Machenschaften ungelegen.

Weitere krumme Geschäfte

Dar­über hinaus steht auch der Bankensektor insgesamt auf dem Prüfstand, schliesslich beschränken sich die krummen Geschäfte nicht auf die UBS. Im Mai flog der Derivate-Händler Bruno Iksil bei JP Morgan auf: Er hatte das New Yorker Unternehmen binnen sechs Wochen zwei Milliarden Dollar gekostet. Im Juli führte der Skandal um die Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor zum Rücktritt der Konzernspitze der Barclays Bank. In den Libor-Skandal sind ausser Barclays weltweit bis zu 20 grosse Banken verwickelt. Dass auch die UBS auf der Anklagebank sitzt, hat der britische Finanz- minister George Osborne bestätigt.

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