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Aus dem Alltag einer Filmemacherin

Ein Portrait von Prisca Koller: Unternehmerin, Politikerin und Mutter.

Das Medium Film biete unendlich viele Möglichkeiten, sagt Prisca Koller über ihre grosse Leidenschaft. Der Ton, das Bild und die Story seien extrem wandelbar. Die 42-jährige Absolventin der Zürcher Hochschule der Künste produziert in ihrer selbst gegründeten Firma Auftragsfilme und -fotos. Von Politikerpor-träts über Imagefilme bis zu Katzenporträts hat das Kleinunternehmen «FlicFlacFilms & -Fotos» schon verschiedenste Aufträge bekommen. Die Filmemacherin musste klein anfangen. «Mein erstes Geld habe ich als 16-jähriges Mädchen im Coop Wülflingen in der Milchabteilung verdient», erzählt Koller. Vom Lohn habe sie sich ihre allererste Fotokamera gekauft. Nachdem sie während des Gymnasiums bei einem Fotografen in Winterthur schnuppern durfte, entschied sie sich jedoch zunächst gegen diese Laufbahn und studierte in St. Gallen Volkswirtschaftslehre. Doch irgendwie liess das bewegte Bild die Ökonomin nicht los. Koller besuchte in New York zwei Sommerkurse, in denen sie die Grundzüge des Filmens erlernte. Dort entstand dann auch ihr allererster Film. Der dauerte zwar nur acht Minuten, Koller schnitt jedoch ganze acht Monate daran. Damals noch mit Schere und Kleber – statt mit dem Computer wie heute. Zurück in der Schweiz, bewarb sie sich an der Zürcher Hochschule der Künste – und wurde angenommen. Vor bald zehn Jahren konnte sie ihr Regiediplom entgegennehmen. Zwei Monate später gründete sie ihre Firma. «Wir Künstler müssen eben auch leben», meint die Unternehmerin. Ihre Mitabsolventen sind heute in den verschiedensten Bereichen tätig. «Jeder schlägt sich irgendwie durch und versucht, eigene Filme zu machen.» Die Selbstständigkeit sei kein Zuckerschlecken. Gerade Imagefilme sind sehr konjunkturabhängig. «Wenn die Unternehmer pessimistisch werden, geben sie kein Geld mehr aus für Dinge wie Imagefilme.» So hat Koller die Wirtschaftskrise stark gespürt. Neben dem unternehmerischen Denken und der künstlerischen Art muss Koller auch fit sein im Umgang mit Technik. Sie sei ihre eigene Informatikerin. Sie zitiert gerne den französischen Regisseur Jean Luc Godard, der einmal gesagt hat: «Man ist kein Filmemacher, wenn man keine Kamera erfunden hat.» Dieser Satz sei krass formuliert, gibt Koller zu. Er mache aber deutlich, dass zum Filmen die Technik einfach dazugehöre. Trotz des kühlen Kopfes, den Koller im Arbeitsleben oft bewahren muss, lässt sie ihre Liebe zum Film nicht zu kurz kommen. Für sie muss ein Streifen vor allem eins: berühren. «Wenn der Film den Zuschauer in eine andere Welt entführt und man am Ende wie benommen ist, und wenn die Emotionen auch nach dem Schauen noch nachhallen, dann ist es ein guter Film», sagt Koller. In ihrer Freizeit sieht sie sich gerne kunstvolle Filme an. Doch auch Blockbuster wie «Ocean’s Eleven», den «Tatort» – oder Politsendungen. Die Politik ist nämlich eine weitere Passion der Filmemacherin. In der FDP Hettlingen ist Koller seit einigen Jahren Präsidentin und arbeitet Teilzeit als Sekretärin der Kantonsratsfraktion. Als ob das alles nicht schon viel wäre, ist Koller auch noch Mutter. Ihr sechsjähriger Sohn Marlon kommt im Sommer in die Primarschule, die seine achtjährige Schwester Lou bereits seit anderthalb Jahren besucht. Gemeinsam mit Vater Philipp, der als Dozent an der Uni St. Gallen arbeitet, lebt die Familie mit sieben Hasen in einem Haus in Hettlingen. Für Film oder Foto interessieren sich die Kinder noch nicht besonders. Als Lou jedoch vor einigen Wochen mit selbst gebastelten Figuren aus dem Kinderhort heimkam, wollte Prisca Koller ihre Tochter sofort für einen kleinen Trickfilm mit den Figürchen begeistern. Als die Tochter jedoch nach dem Grund dafür fragte, merkte die Mutter, dass ihr Kind wohl nicht mit derselben Begeisterung dabei war. Also verschwand das Mutter-Tochter-Projekt wieder von der Agenda. Bei anderen gemeinsamen Aktivitäten seien die Kinder aber mit mehr Elan dabei, erzählt die Mutter. Wenn Prisca Koller neben der Familie, der Politik und den Auftragsfilmen noch Musse findet, arbeitet sie an eigenen Projekten. Momentan steckt sie viel Zeit und Liebe in eine neue Gestaltung aus altem Super-8-Filmmaterial. Dazu habe sie auf Flohmärkten viele alte Filmrollen aus den 70er-Jahren oder früher gesammelt. Dieses Material sehe sie sich an, archiviere es und schneide es später zu einer neuen Geschichte zusammen. «Mir gefällt die Arbeit mit diesen alten Filmen», schwärmt Koller. «Sie sind sehr authentisch und privat.» Das alles brauche zwar sehr viel Geduld, aber sie hoffe, es lohne sich und es entstehe ein tolles neues Werk.

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