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Aus fernen Zeiten und Räumen

Der Sommer kommt bestimmt, und er ist bestellt, spätestens auf Anfang August, wie der Blick ins Programm der Kyburgiade mit Musik aus Neapel und Wien, aus Spanien und England zeigt.

Zwar gibt es wie immer auch dieses Jahr für das Musikfestival auf der ­Kyburg eine Variante für verregnete Abende, das Theater Winterthur ist dafür reserviert. Aber war­um auch gleich an schlechtes Wetter denken? Ja, warum? – Das Programm der Kyburgiade, zu der als künstlerischer Leiter der Cellist Stephan Goerner vom 3. bis 7. August einlädt, weckt allerdings ganz ­andere Assoziationen: «O sole mio» könnte das Stichwort lauten, wenn Neapel mit seinem sonnengetränkten Golf in den Blick rückt oder sich ins Ohr schmeichelt: «Storie di Napoli» sind das Thema des Eröffnungsabends mit dem En­sem­ble Accordone, das vom Sänger und Musikhistoriker Marco Beasley und Guido Morini, dem heutigen Leiter am Cembalo, 1984 gegründet wurde. Der 1957 in Neapel geborene Tenor und Musikhistoriker fand früh zur Alten Musik und zum Gesang des Frühbarocks, widmet sich aber auch jüngerer Musik. Lieder aus fünf Jahrhunderten sollen sich im Neapel-Programm zu einem klingenden Stadtbild und einem Porträt ihrer Menschen fügen.

Flamenco und Barock im Dialog

Mit Heissblütigem geht es am nächsten Abend weiter, wenn die spanische Accademia del Piacere und die Flamencotänzerin Patricia Guerrero im Schlosshof agieren. Die 2004 gegründete Gruppe unter der Leitung von Fahmi Alqhai setzt sich aus jungen, vor allem andalusischen Musikern zusammen. Alqhai gehört zu einer jüngeren Künstlergeneration, die in der Alten Musik nicht mehr die Forschung in den Vordergrund stellt, sondern die Tatsache, dass es sich um lebendige Musik handelt. Das Programm «Las Idas e las Vuel­tas» (Hingehen und Zurückkehren) zeigt Flamenco und Barockmusik der Kolonialzeit im Dialog und lässt so das Hin und Her musikalischer und tänzerischer Einflüsse zwischen den Kontinenten und Kulturen erfahren.

Einen Kontrapunkt zum südlichen Programm setzt das dritte Konzert mit The Early Folk Band aus England und Schweden. «The Ballad of Robin Hood» ist, einem Programmtitel entsprechend, der Abend überschrieben, der mit dem Klang der Gotischen Harfe, mit Smallpipe, Fidel und Tamburello und mit Balladengesang in alte Traditionen der Britischen Inseln zurückführt. Erzählt wird nicht nur die Geschichte Robin Hoods, sondern auch die seines dänischen Vorfahren Olov Strangeson, und das Publikum kann sich dabei zurückversetzt fühlen in alte Kyburgzeiten, als nicht Kino und TV für spannende Stunden zuständig waren, sondern die fahrenden Spielleu- te für Unterhaltung sorgten. Dem schliesst sich ein Abend mit dem ungarisch-österreichischen Accentus Aus­tria an: Zigeuner- und Volksmusik aus Wien um 1700 sollen in authentischem Klang eben auch den historischen Zauber der Kyburg beschwören.

Einkehr im Inneren

Von der konzertanten Weltreise der vier Konzerte geht es mit dem Schlussabend am 7. August gleichsam zurück ins Innere, in die Klausur der klassischen Kammermusik. Das Carmina Quartett hat dabei etwas ganz Spezielles vor. Zu hören sein wird eine Streichquartettfassung von Mozarts Requiem aus der Zeit. Geschaffen hat sie der Arzt, Komponist und Musikforscher Peter Lichtenthal (1780–1853). Und «letzter Mozart» steht davor auch mit der Wiedergabe des Klarinettenquintetts auf dem Programm. Solistin ist die bekannte Virtuosin Sabine Meyer. Mitgestaltet wird der Abend zudem von der Ballerina Alicia Beck und den ­Balletttänzern Oleksandr und Sergiy Kirichenko.

www.kyburgiade.ch

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