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«Ausgangslage ist noch immer sehr gut»

Nikosia. Wegen der ersten von zwei Sperren verfolgte Ottmar Hitzfeld das 0:0 der Schweiz im WM-Qualifikationsspiel auf Zypern nicht von der Trainerbank, sondern vom Hotelzimmer aus. Die vergebenen Chancen machte er als grössten Schwachpunkt aus.

Erst nach dem Spiel wurde offiziell, dass Ottmar Hitzfeld im Hotel geblieben war, auf den reservierten Sitz in der VIP-Loge im GSP-Stadium verzichtete und sich somit auch der «Manndeckung» durch einen Uefa-Delegierten entzog. Ein Schelm, der denkt, Hitzfeld habe dadurch von der Hilton-Kommandobrücke aus Signale zur Trainerbank im Stadion gesandt. «Nein, nein. Ich habe mit Michel Pont zuvor die möglichen Szenarien stundenlang durchgespielt. Die möglichen Wechsel wurden vorbesprochen. Es macht einfach keinen Sinn, das Spiel im Stadion zu sehen, wenn man ohnehin nicht runter auf die Bank kann. Dann ist es besser das Ganze mit etwas Abstand zu betrachten.»

So richtete sich Hitzfeld eben in seinem Zimmer im «Cyprus Hilton» ein, mit den Unterlagen neben sich auf dem grossen Schreibtisch. Gestresst war er gleichwohl. «Mit den vergebenen Chancen ist die Nervosität weiter gestiegen», gab er zu. Nach fast 30 Jahren im Trainermetier ist es für für ihn kein Pro­blem, ein Spiel am TV zu analysieren. «Ich habe schon 1000 Spiele am Fernseher gesehen, auch die Gegner studiere ich meist auf DVD.» In seiner Analyse zum enttäuschenden 0:0 gegen Zypern nimmt Hitzfeld Stellung zu vier Thesen:

Ein 0:0 auf Zypern ist für diese Mannschaft ein Rückschritt:

Ottmar Hitzfeld: Wir haben nicht gewonnen, weil wir sechs, sieben glasklare Chancen ausgelassen haben. Gerade in der ersten Halbzeit hatten wir vier hundertprozentige Gelegenheiten herausgespielt, die wir leider kläglich vergeben haben. Das waren gute Aktionen von uns in der Offensive. Nur fehlte uns im Abschluss die Präzision, da müssen wir dazulernen und kalt- blütiger werden. Aber man kann deshalb nicht von einem Rückschritt reden. Norwegen kam gegen Zypern bloss zu zwei, drei Chan­cen, wir dagegen zu sieben. Von daher muss man schon auch sehen, dass wir eigentlich eine sehr gute Leistung im Herausspielen von Chancen gebracht haben.

Der Punktverlust schmerzt vor allem deshalb, weil die Schweiz in der WM-Qualifikation einen Joker aus der Hand gegeben und einen Teil ihrer Position der Stärke eingebüsst hat:

Mit etwas Abstand betrachtet, haben wir immer noch eine sehr gute Ausgangslage mit zwei Punkten Vorsprung und drei Heimspielen in fünf Partien. Zudem sind wir auch auswärts stark. Wir können die nötigen Punkte auch auswärts holen. Kurzfristig gesehen haben wir zwar eine Chance verpasst, auf vier Punkte davonzuziehen, doch das wird nicht an unserem Selbstbewusstsein nagen.

Das Team kann nicht kompensieren, wenn Gökhan Inler, Valon Behrami und Xherdan Shaqiri ihre Leistung nicht bringen:

Ich will nicht Einzelkritik in der Öffentlichkeit betreiben. Wir wurden nach der Pause schwächer, weil uns die Zeit etwas weglief und wir nervöser wurden. Das galt für das ganze Team. Uns unterliefen technische Fehler sowie Abspielfehler und auch die Flanken kamen nicht gut. Wir hatten zwar viel Ballbesitz, aber daraus machten wir zu wenig, weil es nicht gelang, aus dem Zen­trum heraus, den guten vertikalen Pass zu schlagen.

Die Nomination von Innocent Eme­ghara im offensiven Mittelfeld war ein Fehler:

Ich würde wieder gleich aufstellen. Emeghara hatte gute Szenen, zum Beispiel den tollen Pass auf Stocker oder die eigene Chance, die er gut erlief. Er wurde ausgewechselt, weil wir mit Granit Xhaka etwas Neues versuchen und die Zyprioten vor ein neues Problem stellen wollten. Grundsätzlich hat sich Eme­ghara wie Valentin Stocker und Haris Seferovic aufgedrängt, weil er im Training einen hervorragenden Eindruck hinterliess. Bei den anderen Spielern, die vorher zum Einsatz gekommen sind (Barnetta, Xhaka, Derdiyok – Red.) hat man gesehen, dass es einfach kritisch wird, wenn man im Klub so wenig Einsätze hat. So konnte ich nicht verantworten, sie aufzustellen. (si)

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