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Ausgeträumt nach wenigen Sekunden

FRANCORCHAMPS. Romain Grosjean hat Saubers gute Aussichten auf das beste Saisonergebnis zerstört. Von den Spitzenleuten entging im GP Belgien nur Sieger Jenson Button der Attacke des Genfers.

Das beste Qualifying aller Zeiten hat dem Sauber-F1-Team kein Glück gebracht. Als Zweiter ist Kamui Kobaya- shi zum Grossen Preis von Belgien gestartet, als Vierter Sergio Pérez – und nach 300 Metern war schon alles vorbei. Als Schuldige dafür waren beim Start zwei Fahrer auszumachen, die in dieser Saison schon oft negativ aufgefallen sind. Erst wollte der Venezolaner Pastor Maldonado mit einem kaum je gesehenen Frühstart die im Qualifying verloren gegangenen Startplätze (durch eine Strafe wegen Behinderung) wiedergutmachen, und dann gingen bei Romain Grosjean die Sicherungen durch.

Der 26-jährige Genfer in Diensten von Lotus traf bei einem waghalsigen Manöver die Seite des McLaren des diesmal unschuldigen Lewis Hamilton, flog in der Folge besorgniserregend über den Ferrari von Fernando Alonso und traf dabei auch die beiden Sauber sowie den Williams von Maldonado heftig. Die Folgen der krassen Fehleinschätzung des französisch-schweizerischen Doppelbürgers waren schwerwiegend. Für ihn, Alonso, Hamilton und Pérez war schon in der ersten Kurve endgültig Schluss, für Maldonado nach einem zweiten selbst verschuldeten Foul wenig später auch. Einzig Kamui Kobayashi konnte sich nach einer Fährtensuche durch die Trümmer an die Boxen zurückschleppen, blieb nachher mit einem schwer beschädigten Auto aber ohne Chance und kam über den 13. Platz nicht mehr hinaus. So mussten sechs der acht Erstklassierten des Qualifyings ihre Positionen ungewollt anderen überlassen. Das alle Beteiligten unverletzt blieben, war der einzige Trost.

Sperre und Chance für Buemi

Während sich Grosjean zunächst keiner Schuld bewusst war und von einem gewöhnlichen Rennunfall mit glücklichem Ausgang sprach, gab es für die FIA-Kommissare mit dem Chilenen Eliseo Salazar als «Experten» keinerlei Zweifel. Sie verdonnerten den eigenwilligen, oft sich selbst überschätzenden Lotus-Fahrer, der in dieser Saison schon in sieben Startunfälle verwickelt war, zu einer 50 000-Euro-Busse und sperrten ihn gleich noch für das nächste Rennen in Monza. Das könnte vielleicht sogar Sébastien Buemi zu einer Comeback-Chance verhelfen. Auch Maldonados Bussenregister wird immer länger. Der ungestüme Williams-Fahrer wird wegen seines Frühstarts und einer unnötigen Karambolage mit Timo Glock in Monza erneut zehn Plätze zurückgestuft.

Für die ge­gen­über Ungarn nicht wiederzuerkennende Sauber-Truppe gedieh das Rennen in den Ardennen im Wissen, das schnellste Auto des ganzen Feldes einsetzen zu können, statt zum durchaus möglichen Triumph zu einem Desaster. «Es ist sehr enttäuschend, dass unser Rennen durch Faktoren ruiniert wurde, die wir nicht beeinflussen konnten, und doch gibt es positive Erkenntnisse», sagte Teamchefin Monisha Kaltenborn gefasst. «Wenn wir keine Fehler machen und im Qualifying gut abschneiden, können wir ganz vorne sein. Das muss unser Ziel für das nächste Rennen sein.»

Kein optimaler Start

Frustriert und verärgert zeigten sich auch die Fahrer, die im Qualifying mit den Plätzen 2 und 4 und dem ersten Startplatz eines Japaners in der ersten Reihe für ein absolutes Highlight gesorgt hatten. «Nach einer so guten Ausgangslage ist das Ergebnis niederschmetternd», fand Kobayashi. «Es gab nichts, was ich hätte tun können, als mich in La Source die anderen Autos trafen. Nach dem ersten Stopp wegen der Reparatur musste ich nach sieben Runden einen zweiten Extrahalt einlegen, weil ein Reifen Luft verlor, und kam dann nicht mehr auf Touren. Dass ich überhaupt ins Ziel kam, grenzt an ein Wunder. Grosse Teile des Seitenkastens und andere Karosserieteile haben gefehlt.» Kobayashis Auto war allerdings schon nach der Aufwärmrunde mit starker Rauchentwicklung am rechten Vorderreifen aufgefallen. Offenbar waren die Bremsen zu heiss geworden. Der Japaner kam dann auch nicht so rasch wie erhofft aus den Startlöchern. Wäre er direkt hinter Button in die erste Kurve gestochen, hätte er sich wie dieser und Kimi Räikkönen aus dem Chaos her- aushalten können.

Leicht behindert durch Kobayashis mühsamen Auftakt, gab es für Pérez keinen Weg vorbei, und er wurde von Grosjean und Alonso gleich richtig weggeräumt. «Eine weitere sinnlose Aktion Grosjeans», meinte der Mexikaner verärgert. «Ich bin sehr enttäuscht. Wir hatten eine echte Chance, um den Sieg zu kämpfen. Ich bin neben Fernando Alonso nach innen gezogen, habe die erste Kurve angebremst und bin dann von mehreren Autos getroffen worden. Nach dem Aufsteller am Samstag war das ein richtiger K.-o.-Schlag. Es war die Hölle. Das wird uns aber nicht daran hindern, hoffnungsvoll nach vorne zu schauen. Ich freue mich schon auf Monza.»

Alonso als prominentestes Opfer blieb zunächst im Cockpit sitzen, weil der Rücken schmerzte, beeilte sich aber, aus dem Auto zu klettern, als plötzlicher Rauch den Atem erschwerte. «Ich hatte grosses Glück, es war ein schwerer Crash. Grosjeans Auto hätte mich auch am Kopf oder an den Händen treffen können. Nach dem Studium des Unfalls am Bildschirm bin ich froh, schon am nächsten Freitag wieder ins Cockpit klettern zu können», versicherte der Spanier. «Der Schlag hat mich nach einem guten Start völlig unvermutet getroffen. Ich war schon an den beiden Sauber vorbei, als es beim Einlenken krachte. Auch mein Auto hat abgehoben und dann den Wagen von Pérez hart getroffen. Einerseits bin ich froh, dass alles gut ausgegangen ist, anderseits stört es mich, unverschuldet einen Nuller kassiert zu haben.»

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